Universal Gardening – die Welt ist ein Garten

Universal Gardening – die Welt ist ein Garten

Ein Manifest für ökosophische Lebenskultur

 

Manifest für ökosophische Lebenskultur

Autor: Lothar Gütter
Kategorie: Ökölogie
Ausgabe: 61

Universal Garding ist ein von Lothar Gütter in die Welt gerufenes Projekt, das bewusste Gartengestaltung nach ganzheitlichen energetischen Prinzipien als wichtiges Instrument zur Erd- und Menschheilung ansieht. Global und kulturübergreifend können liebevoll angelegte »Naturtempel« einen wichtigen Beitrag zum friedvollen Miteinander leisten und ein spirituelles Vakuum füllen.

 

Jenseits von Eden?

»In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wiedergefunden«, prophezeit der französische Philosoph Blaise Pascal im 17. Jahrhundert. Auf den ersten Blick scheint hier der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen zu sein. Die Emphase der Aufklärung wurde von der jüngeren Geschichte eines Anderen belehrt. Das fortgeschrittene Zeitalter der Aufklärung mit all seinen schillernden Facetten hat die Menschheit drei Jahrhunderte später vielmehr an einen gähnenden Abgrund geführt: »Die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.«1 Urwaldrodungen, Artensterben, Klimawandel: Mutter Erde hängt am Tropf, die Biosphäre ist bereits schwer beschädigt. Laut einer neueren Studie, die mit NASA-Programmen erstellt wurde, sei der Untergang der menschlichen Zivilisation ungeachtet aller unserer verzweifelten Bemühungen nicht mehr aufzuhalten.2 Kein Ort, nirgends? Und Eden schon gar nicht?

Diesseits von Eden

Ungeachtet aller kursierenden Weltuntergangsvisionen ist und bleibt der Garten Eden und die Vorstellung von einem irdischen Paradies ein immerwährendes kollektives Wunschbild, das nicht nur die Mythen des Alltags durchwebt, sondern auch in den Kulturwissenschaften und der Philosophie durchweg präsent ist. Was wären wir ohne das Prinzip Hoffnung? »Natur ist unsichtbarer Geist, und Geist ist unsichtbare Natur«, sagt der deutsche Naturphilosoph Friedrich Wilhelm Schelling. Ohne die Vorstellung von einer irdischen Erfüllung an einem verheißenen Ort im Hier und Jetzt scheint menschliches Leben nicht lebbar zu sein. Die größte Sehnsucht der entgrenzten Menschheit ist es, sich wieder zu verbinden, sich wieder zu verwurzeln. Von der Erde kommen wir, und wir werden zur Erde zurückkehren. Martin Luther hat bereits vor 500 Jahren betont, dass die beste Antwort auf die Apokalypse das Pflanzen eines Apfelbäumchens sei – das uns an den ursprünglichen Paradiesgarten erinnert. Auf den Trümmern der Fabrikhallen der ehemaligen Auto-Metropole Detroit sind inzwischen Hunderte von Social-Gardening-Projekten entstanden. »Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch«, sagt Hölderlin. Überall regt sich’s auf der Welt – all den apokalyptischen Unkenrufen zum Trotz.

Ich möchte im Folgenden mit dem tiefenökologischen Konzept »Universal Gardening« zeigen, dass der Garten Eden ein kollektives Wunschbild ist, das gleichsam existenzial-ontologischer Bestandteil menschlicher Welterfahrung ist. Kein Leben ohne Eden. Um diese These von Grund auf zu verstehen, ist ein Ausflug in die Anfänge der menschlichen Kulturgeschichte notwendig.

Guan Eden: Die Wiege der menschlichen Kultur

Im Wüstensand des Irak, inmitten der heftigen Kämpfe rivalisierender religiöser Gruppen, würde ich heute gern einen Garten Eden gründen – denn dort hat die Geschichte vom verheißenen Garten einstmals seinen Anfang genommen. »Tief ist der Brunnen der Vergangenheit«, schreibt Thomas Mann einleitend in seinem Romanepos »Joseph und seine Brüder«. »Erde« ist von der vermutlich ältesten menschlichen Siedlung »Eridu« in Mesopotamien abgeleitet. Heute ist diese uralte sumerische Stadt vom Winde verweht.

 

Die Stadt Eridu

Links: Rekonstruktion von Eridu, Namensgeberin der Erde.
Rechts: Eridu-Figuren aus der frühen Uruk Kultur
Terrakotta, ca. 4000-3500 BC

 

Den Garten Eden von Eridu muss es bereits lange vor dem Sündenfall und der Vertreibung der Menschen aus diesem verheißenen irdischen Ort gegeben haben. Erstmals taucht der »Guan Eden« in der sumerischen Kultur auf und bedeutet »am Rande der himmlischen Steppe«. Das sprechende Bild nimmt Bezug auf drastische Klimaveränderungen, die sich nach der letzten Eiszeit in der Levante zeigten und eine kulturelle Revolution auslösten: vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern. Die Menschen begannen im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris Wildgetreide zu domestizieren, und zum Schutz vor Verbiss wurden Zäune angelegt. Das Wort »Paradies« stammt wiederum aus dem Altiranischen und bedeutet »eingezäunter Bereich«. Das Heilige und das Profane: Die ersten Gärten der Welt waren eingehegte Kultstätten zu Ehren der Götter und dienten zusätzlich als Ernährungsgrundlage für eine sehr stark anwachsende Bevölkerung. In unseren Breiten hießen sie »heilige Haine«.

 

Giovanni di Paolo: Vertreibung aus dem Paradies (1445)

Giovanni di Paolo: Vertreibung aus dem Paradies (1445)

 

Quantenfeld Paradies

Quantenphysisch betrachtet waren diese ersten Gärten mit einer sehr hohen energetischen Frequenz ausgestattet, da sie einerseits kultische Begegnungsstätten und andererseits der unmittelbare Nährboden für die Menschen waren. »Natura« bedeutet im lateinischen Wortursprung »die Ewig-sich-Wiedergebärende«. Als historisches Wunschbild des Urgrunds verfügt der Garten Eden über ein umfassendes Wirklichkeitsspektrum, vieldimensional und tief vernetzt, ein Ort, wo Raum, Zeit und Kausalität noch im gelebten Moment aufgehen.
Im Unterschied zur wilden Natur ist ein Garten ein gestalteter Raum, in dem sich das Bewusstsein formend in die Materie einschreibt. In der Tiefe entsteht ein hochfrequenter Quantenraum, ein Raum der Rückführung in magische Verbundenheit.

Im philosophischen Diskurs sprechen wir angesichts solch einer Tiefenerfahrung, wo es noch keine »ontisch-ontologische Differenz« (Martin Heidegger) gibt, von Universalismus: Alles ist mit allem verbunden, es herrscht allumfassende Synchronizität, und der Mensch ist im vielschichtigen Quantenfeld des Seins unmittelbar aufgehoben.

Adam heißt Ackerboden

Adam, der erste Mensch, war ursprünglich zweigeschlechtlich und sein Name bedeutet im Hebräischen »Ackerboden«. Mutter Erde ist ein gern beschworener Mythos. Die Trennung in Mann und Weib kam erst später und führte zum Sündenfall und zur Vertreibung. Adam als Ackerboden bedeutet allumfassende Synchronizität und Beheimatetsein. Und »cultura« bedeutet im Wortursprung das Hegen und Pflegen der Erde. Nichts anderes meint der Garten Eden als utopischer Ort – und die bereits frühzeitig erfolgte Vertreibung aus dem Paradies bedeutet philosophisch betrachtet, dass wir uns im Zustand der »Geworfenheit« (Heidegger) im Sein befinden und uns nach der ursprünglich erfahrenen Verbundenheit durch die Kraft unseres Bewusstseins zurücksehnen.
Als lebensweltlich orientierter Mensch wollte ich das alles genauer wissen und vor allem auch erleben. Im Frühjahr 2013 entschloss ich mich, auf einem abgelegenen Biobauernhof in Vorpommern mit Herz und Hand tätig zu werden – und mit Schaufel, Hacke und Rechen einen Garten Eden zu gründen.

 

»Ein großer Gelehrter ist selten ein großer Philosoph; und wer mit Mühe viel Bücher durchblättert hat, verachtet leicht das einfältige Buch der Natur, und es ist doch nichts wahr, als was einfältig ist.«
– Johann Wolfgang von Goethe

 

Im Garten Eden in Vorpommern

Der Winter wollte einfach nicht gehen. Anfang April letzten Jahres war die Wildwiese hinter der alten Schmiede in Vorpommern, wo ich mir ein Jahr Auszeit fernab des menschlichen Treibens gönnte, noch schneebedeckt und hart gefroren. Mit dem einsetzenden Tauwetter und dem Erwachen des Frühlings keimte in mir der Wunsch auf, einmal im Leben einen Garten Eden anzulegen.

 

Oktonaler Garten

Oktonaler Garten

 

Als langjähriger Großstädter brachte ich wenig Erfahrung im Umgang mit den Wirkkräften der Natur mit. Wollschwein Gullinborsti übernahm die Rolle des Erdbotschafters auf dem abgesteckten quadratischen Wiesenstück. Lustvoll nahm es sich der aufatmenden Erde an, tauchte mit der Schnauze tief in den Boden, warf Erdschollen in die Luft, fraß sich durch das freigelegte Wurzelwerk und bereitete mit diesem eindrucksvollen Schauspiel den Nährboden vor. Im germanischen Mythos zieht Gullinborsti (»Goldborste«) den Himmelswagen des Fruchtbarkeitsgottes Freyr am Horizont und kündigt den Frühling an. Und genau so habe ich ihn wieder erlebt – in magischer Verbundenheit in die aufwachende Erde eintauchend und lustvoll grunzend Schollen gen Himmel werfend. Ich werde diese Bilder nie vergessen.
Nach einer Woche Wühlen, Düngen und den wohligen Erdbädern hatte Gullinborsti sein wildes Werk getan: Ein zwölf mal zwölf Meter großes Areal wartete nun auf eine angemessene Gestaltung, in der Geist und Natur nach meinem so lange gehegten Plan eine harmonische Verbindung eingehen durften. Aber wie beginnen? […]

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 06: Merete Mattern – Neue Hoffnung für die Erde. Perspektiven für eine Ökologie der Lebendigkeit

TV 37: Dhyani Ywahoo – Kristallheilung. Das Erwachen der Erde

TV 37: Bernd Frank – Erfolgreiche Ernten und Heilung der Natur. Das Agnihotra-Ritual

TV 39: Irmgard Koller – Aus der Mitte entsteht ein Garten. Mediale Erfahrungen mit der Natur

TV 50: Prof. Dr. Claudia von Werlhof – Mutter Erde oder Tod.
Der neueste Versuch patriarchaler Naturbeherrschung

TV 59: Lothar Gütter – Die vergessene Natur des Geldes. Mammons Rückführung zur Natur

 

Bildnachweis: © Lothar Gütter

 

 

2 Kommentare
  • Gabriele Odenthal
    Veröffentlicht um 11:15h, 04 März Antworten

    Wundervoll…. das ich auf diesen guten Artikel geführt wurde. Danke! Das 1. Jannuarwochenende habe ich hier auf Madeira ein Food Forest Gardening Seminar besucht, seither verbringe ich jede freie Minute damit, mir mein Paradiesgarten zu erschaffen, es lässt mich nicht mehr los und tut so wohl…danke, das ich hier weitere Impusle für mein TUN gefunden habe.

  • Naturgarten » Naturgarten und universelle Netzwerke – Die Welt ist ein Garten
    Veröffentlicht um 05:46h, 20 Dezember Antworten

    […] “Im Unterschied zur wilden Natur ist ein Garten ein gestalteter Raum, in dem sich das Bewusstein formen in die Materie einschreibt” Lothar Gütter, Universal Gardening […]

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