Blick in die Ewigkeit

Blick in die Ewigkeit

Ronald Engert - Blick in die Ewigkeit

Die Nahtoderfahrung eines Neurowissenschaftlers (Teil 1)

Autor: Ronald Engert
Kategorie: Bewusstsein
Ausgabe Nr: 56

 

 

Der Neurowissenschaftler Dr. med. Eben Alexander lag sieben Tage im Koma und war partiell hirntot. Sein Buch »Blick in die Ewigkeit. Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen« ist ein zugleich nüchternes wie auch inspiriertes Zeugnis einer außerkörperlichen Erfahrung von himmlischen Welten und einer Begegnung
mit Gott. Alexander ist ein geschulter Wissenschaftler und seine Beschreibungen sind nicht von spirituellen Konzepten vorbelastet. Das macht seinen Bericht zu einer gelungenen Synthese von Wissenschaft und Spiritualität.

 

Dieses Buch ist der sehr persönliche und authentische Bericht der Nahtoderfahrung des Neurowissenschaftlers Eben Alexander. Er lag sieben Tage lang wegen einer schweren Meningitis im Koma. Meningitis, auch als Hirnhautentzündung bekannt, ist ein bakterieller Befall der Gehirnoberfläche. Die Bakterien dringen als erstes in die Hirnrinde ein. Dies hat zur Folge, dass der Neocortex des Betroffenen seine Funktion einstellt. Obwohl der Neocortex, in dem das Denken und die bewusste Wahrnehmung verarbeitet werden, vollständig ausgeschaltet war, hat Dr. Eben Alexander komplexe und bewusste Erinnerungen an Erfahrungen, die er in einer Art außerkörperlichem Zustand erlebte: eine Art wunderschöne, fast paradiesische Erfahrung einer verkörperten Welt, sowie eine Begegnung mit einem göttlichen Wesen. Das Buch ist vor einigen Monaten auf Deutsch erschienen und zur Zeit (Juni-Juli 2013) auf der Spiegel-Bestsellerliste. Das ist sicher nicht zuletzt der außergewöhnlichen Kombination von Wissenschaft und Spiritualität zu verdanken, die das Buch ausmacht.

Das Außergewöhnliche am Fall von Eben Alexander besteht darin, dass er seine extrem schwere Hirnerkrankung gesund überstanden hat – die Sterblichkeitsrate liegt bei 97% und die Überlebenden bleiben in der Regel geistig und körperlich behindert – und dass er außerdem ein hoch qualifizierter Neurochirurg ist, der alle medizinischen Befunde verstehen und auswerten kann. Folglich ist sein Bericht sehr detailliert und kompetent. Er gibt auch der Frage immer wieder Raum, inwieweit es sich bei seinen Erfahrungen in den geistigen Welten um halluzinatorische Produkte seines traumatisierten Gehirns handeln könnte und diskutiert dies auf dem Hintergrund der neurowissenschaftlichen Erkenntnisse. Vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand aus gesehen, sind seine Erlebnisse physiologisch nicht erklärbar. Seine spirituellen Erfahrungen sind für ihn überwältigend und er erlebte sie als äußerst real, komplex und klar. Er kann sich auch nach dem Wiedererwachen aus dem Koma klar an die Erlebnisse erinnern und die Wochen und Monate nach der Erfahrung sind für ihn von einer tiefen inneren Glückseligkeit und einem ganz anderen Blick auf das Leben und die Welt gekennzeichnet.

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Aus den spirituellen Traditionen kennt man diese Folgeerscheinungen und versteht sie als Beweis für eine tatsächliche Erleuchtungserfahrung. Aus der indischen Spiritualität ist der »nirvikalpa samadhi« bekannt, bei dem der Aspirant sein Bewusstsein im irdischen Wachzustand komplett verliert und mitunter für tot gehalten wird. Wenn er jedoch aus dem samadhi zurückkehrt, befindet er sich wochen- und monatelang im Zustand von innerem Frieden, Wissen und Glückseligkeit (satcitananda).

Eben Alexander berichtet in seinem Buch von verschiedenen Zuständen seines Bewusstseins während des Komas. Im ersten Zustand befand er sich in einer Art Schlamm mit einem sehr bedeckten Bewusstsein. Im folgenden Zustand fand er sich in einer wunderschönen Landschaft wieder. Schließlich gelangte er ins »Zentrum«, wo er Gott begegnete. Die Beschreibungen sind sensationell und decken sich weitestgehend mit den Beschreibungen aus den vedischen Schriften. Aber man merkt eindeutig, dass er diese Erfahrungen selbst gemacht hat. Sie sind nicht etwa angelesen.

Alexander betont, dass er ein ganz normaler materialistischer Wissenschaftler war, der nicht an Esoterik glaubte und sich damit auch nie beschäftigt hatte. Insofern war er vor seiner Nahtoderfahrung von spirituellen Glaubenssystemen nicht beeinflusst. Er wollte kurz nach seiner Genesung anfangen, die einschlägige Literatur zu studieren, motiviert von dem Wunsch, seine eigene Erfahrung besser zu verstehen. Aber sein großer Sohn, selbst Neurochirurg, riet ihm davon ab, um seine Erfahrungen nicht bereits durch Interpretationen überlagern zu lassen. Das Spezielle an diesem Buch ist deshalb die Herangehensweise, die gleichzeitig wissenschaftlich und spirituell ist. Wissenschaftlich bedeutet, dass er empirisch und ohne Interpretationsrahmen an die reinen Fakten herangeht. Spirituell bedeutet, dass er die Existenz von Bewusstsein, Seele, Gott, Wahrheit und nicht-materiellen Welten erfährt und akzeptiert. Da er ein bekannter Neurochirurg ist, wurde die Diagnose und Behandlung seiner Krankheit von den qualifiziertesten seiner Kollegen durchgeführt und dokumentiert. Es besteht kein Zweifel, dass seine höheren Gehirnregionen ausgeschaltet waren. Dennoch hat er bewusste Erinnerungen an sein siebentägiges Koma.

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Seine außerkörperliche Erfahrung

Eben berichtet, dass er sich zunächst in einer Art schlammigen Umgebung befand. Er nennt es die »Regenwurmperspektive« (S. 48). »Mein Bewusstsein war keineswegs getrübt oder verzerrt, als ich dort war. Es war nur eingeschränkt.« (48) Während die späteren Erfahrungen der spirituellen Welten von Licht, Freude und Klarheit gekennzeichnet waren, ist die Schlammperspektive von Dunkelheit, Furcht und Trübheit bestimmt. Sein Austritt aus dem körperlichen Zustand seiner irdischen Existenz beginnt mit diesem kalten und nassen Schlamm, in dem amorphe Gestalten auftraten. Er spricht von einem pochenden, monotonen Geräusch und von dem Geruch von Kot, Blut und Erbrochenem. Er empfindet sich selbst als nicht zugehörig und will dort heraus. In dem Moment taucht ein Wesen aus einer anderen Sphäre auf, das so schön und strahlend ist, dass er es nicht beschreiben kann.

Er hört einen lebendigen Klang, so schön, wie er noch nie einen gehört hat, und sieht Lichtfäden wie Gold. Dann wird er durch eine Öffnung nach oben gesaugt und findet sich in einer anderen Welt wieder, einer grünen, üppigen Landschaft. Er versucht immer wieder zu beschreiben, wie schön diese Welt ist, aber die schönsten Worte sind nur ein hilfloser Versuch, diese wunderbare himmlische Sphäre zu beschreiben.

Dann trifft er ein Wesen, ein junge Frau. Er erfährt eine Liebe, die über alles hinausgeht, was es auf der Erde gibt: »Es war ein Blick, der irgendwie über alles hinausging … über all die verschiedenen Arten von Liebe, die wir hier auf der Erde kennen. Es war etwas Höheres, das all die anderen Arten von Liebe in sich trug und gleichzeitig echter und reiner war als sie alle zusammen.« (62) Schließlich bewegt er sich noch höher, über den Wolken. Dort sah er kugelartige Kreaturen, die einen gewaltigen Freudengesang hervorbrachten.

Immer wieder spricht er davon, wie real und greifbar alles wirkt. »Sehen und Hören waren nicht voneinander getrennt an diesem Ort, an dem ich mich nun aufhielt. Ich konnte die sichtbare Schönheit der silbrigen Körper jener funkelnden Wesen über mir hören und die wogende, freudvolle Vollkommenheit dessen, was sie sangen, sehen.« (70) »Jedesmal, wenn ich in der Stille eine Frage aufwarf, kam die Antwort sofort, und zwar in Form einer Explosion aus Licht, Farbe, Liebe und Schönheit, die wie ein hohe Welle durch mich hindurchfegte.« (71) »Diese Gedanken waren massiv und unmittelbar – heißer als Feuer und nasser als Wasser –, und während ich sie empfing, war ich auf der Stelle und ohne jede Anstrengung in der Lage, Konzepte zu begreifen, für deren Verständnis ich in meinem irdischen Leben Jahre gebraucht hätte.« (71)

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Die Eigenschaften Gottes

Am Ende begegnet Eben Alexander auch Gott. »Ich bewegte mich noch weiter und ging alsbald in eine gewaltige Leere ein – vollkommen dunkel, unermesslich, aber auch unendlich tröstlich. Sie war rabenschwarz, floss aber gleichzeitig über vor Licht – einem Licht, das aus einer strahlenden Kugel zu kommen schien, die ich jetzt direkt neben mir spürte. Diese Kugel lebte und war fast materiell, wie die Lieder der Engelwesen es gewesen waren. (…) Dieses Wesen war so nah, dass es überhaupt keine Distanz mehr zwischen Gott und mir selbst gab. Aber gleichzeitig konnte ich die unendliche Weite des Schöpfers spüren, konnte sehen, wie winzig klein ich im Vergleich zu ihm war. Ich werde Gott gelegentlich Om nennen, weil ich diese Bezeichnung für ihn ursprünglich in meinen Aufzeichnungen nach dem Koma benutzt habe. »Om« war der Klang, den ich im Zusammenhang mit dem allwissenden, allmächtigen und bedingungslos liebenden Gott gehört hatte, aber jede Beschreibung von ihm greift zu kurz.« (71f.)

Besonders bedeutsam scheint mir die Beschreibung Gottes als »eine tiefschwarze Dunkelheit, die zugleich übervoll von Licht war« (72) zu sein. Es ist erstaunlich, dass in Indien Gott ebenso beschrieben wird. Krishna leuchtet nach Aussage der Veden in einem schwarzen Licht, und es wird gelegentlich mit der Farbe einer Monsunwolke kurz vor einem Gewitter verglichen. Krishna wird in der Ikonografie entweder schwarz oder lila-blau dargestellt, was natürlich begrenzte Nachbildungen mit materiellen Mitteln sind. Es macht Sinn, dass eine göttliche Wesenheit gleichzeitig dunkel und lichtvoll ist, denn simple Schwarzweiß-Muster im Sinne eines dualistischen Verständnisses greifen hier sicherlich zu kurz. Das göttliche Wesen in Alexanders Erlebnis ist jedoch nicht amorph und eigenschaftslos oder unwahrnehmbar. Stattdessen sind die Eigenschaften paradox und übersteigen irdische Begrenzungen. Alexander konnte das gesamte Universum wie einen gigantischen Mutterleib wahrnehmen. Er kommunizierte weiterhin mit Gott und nimmt ihn als »persönlich« wahr. »Es verstand die Menschen und verfügte über Eigenschaften, die wir auch haben, nur in einem unendlich größeren Ausmaß. Es kannte mich in- und auswendig und sprudelte über vor Eigenschaften, die ich mein ganzes Leben lang mit menschlichen Wesen – und nur mit menschlichen Wesen – in Verbindung gebracht hatte: Wärme, Mitgefühl, Pathos … ja, sogar Humor und Ironie.« (73) […]

Lesen Sie hier weiter den 2. Teil: „Gleichzeitig eins und verschieden“

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 56

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 01: Ronald Engert – Die Dialektik der Religion

TV 18: Ronald Engert – Magisches Denken und esoterisches Gottesbild

TV 25: Dr. Erlendur Haraldsson – Europäer und ihr Glauben
an ein Leben nach dem Tod

TV 22: Ronald Engert – Kann die Seele sterben? Die Lehren der Bhagavad-gita

TV 32: Richard Kinseher – Neue Erklärungen von Nahtoderlebnissen

TV 33: Ronald Engert – Der Kreuzzug der Gottlosen.
Die Synthese von Glauben und Vernunft

TV 40: Chödyam Bernd Westphal – Was geschieht nach dem Tod?
Die tibetische Lehre des Nachtodzustandes

TV 44: Dr. Michael Nahm – Geistige Klarheit kurz vor dem Tod

TV 49: Gerald F. Rubisch – Die schmerzhafte Seite von Nahtoderfahrungen

 

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