Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle möchte ich heute mal eine Lanze für die Wissenschaft brechen. Im Vorfeld zu dieser Ausgabe, im Verlauf der redaktionelle Arbeit zu dem Thema »Quantenphysik und Bewusstsein«, unterhielt ich mich hier und da mit Leuten aus dem spirituellen Umfeld und erzählte ihnen fasziniert von den Erkenntnisse der Quantenphysiker, die die Aussagen der spirituellen Traditionen und die Erfahrungen der spirituellen Praktiker bestätigen. Manchmal kam eine verständnislose Reaktion ob meiner Begeisterung, so nach dem Motto »Ist doch eh klar, dass alles Bewusstsein ist.« Was sei daran schon besonderes, wenn die Physiker nun mit mühseligen kleinsten Schritten endlich etwas beweisen, was jeder Esoteriker schon längst weiß. Wozu diese kleinen Schritte, wenn wir das doch im großen Wurf schon längst weit hinter uns gelassen haben? Daraus klingt dann auch eine leichter Unterton von Arroganz gegen diese unwissenden Wissenschaftler hervor, die noch in der materiellen Umnachtung gefangen sind.

Spirituell ambitionierte Menschen scheinen mir oft die unausgesprochene These zu vertreten: spirituelle Vollkommenheit ist Unverwundbarkeit. Daraus abgeleitet ergibt sich die Annahme, dass jede Art von emotionalem oder seelischem Schmerz aus einer spirituellen Unvollkommenheit resultiert, die es zu überwinden gilt. Wenn es mir wehtut, dass mein Partner mich verlässt, dann muss ich noch an mir arbeiten. Eifersucht, Einsamkeit, Bedürftigkeit sind Mängel, die sich für einen spirituell fortgeschrittenen Menschen nicht geziemen. Wozu gibt es aber Schmerz? Ist Schmerz immer ein Zeichen von fehlender...

Vielen von uns geht es darum, in der Welt etwas zu verändern. Wir wollen die Welt retten, wir wollen zum Fortschritt des Bewusstseins beitragen, wir wollen Atomkraftwerke abschalten und so weiter. Dahinter liegt die Idee, dass wir etwas ändern können. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass wir die Macht haben, dies zu tun. Wir tun etwas, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das in der Regel aus unserem Denken erschaffen wird. Daraus ergeben sich bestimmte Motive, Strategien und Erwartungen, was...

Mein lieber Freund und Kollege Aman, der Herausgeber der SEIN, diskutiert mit mir oft über die aktuelle Situation der Atomkraft. Wir arbeiten im gleichen Büro, und so haben wir öfters die Gelegenheit. Aman widmet sich hingebungsvoll den konkreten Fragen und sucht nach praktischen Ansätzen, um eine Energiewende in der Gesellschaft voranzubringen. Er weiß alles über das Salzbergwerk Asse, in dem Plutonium eingelagert ist, und er hat minutiös recherchiert, was Altbundeskanzler Helmut Schmidt in den Siebzigern getan hat, um die Atomenergie politisch...