Wenn der Wohnraum Lebensziele unterstützt

Wenn der Wohnraum Lebensziele unterstützt

Vastu, das Wissen um gesundes Wohnen und Bauen

Studien zeigen, dass wir heutzutage im Durchschnitt etwa 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Sollten wir uns dann dort nicht möglichst wohlfühlen und ein förderliches Raumklima schaffen? Wie wir die Himmelsrichtungen, die Raumaufteilung und die Elemente für unser Wohlbefinden nutzen können, verrät Dr. Hans H. Rhyner.

Jeder kennt das Gefühl, sich beim Betreten eines Hauses, einer Wohnung oder einfach nur eines einzelnen Raumes auf Anhieb wohl und geborgen zu fühlen. Ein anderes Gebäude oder Zimmer wirkt dagegen vom ersten Moment an abweisend und unangenehm – im ersten Fall ist die Ausstrahlung gut und zieht den Besucher an, im zweiten stimmt etwas nicht. Nicht umsonst sagt ein indisches Sprichwort:

»Bei der Wahl des Partners und des Hauses sollst du nicht den Verstand, sondern dein Herz sprechen lassen.«

Was wiederum nichts anderes bedeutet, als dass der Wohnraum – ebenso wie die Liebe – emotionale Aspekte besitzt und nicht nur unter funktionellen Gesichtspunkten zu betrachten ist.

Doch, was genau verbirgt sich hinter den Empfindungen, die ein Raum auslöst? Es sind, neben jenem Wissen um wohlproportionierte Formen und eine dem Menschen angenehme Architektur, auch bestimmte weitere Kriterien, die erfüllt sein müssen. Diese Bedingungen sind zusammengefasst in Vastu, der Lehre vom gesunden Bauen und Wohnen. Ihre Prinzipien geben einem Haus jene angenehme Ausstrahlung, die bereits beim Betreten empfängt und einlädt zu verweilen: Die Atmosphäre stimmt, Raum und eigener Körper schwingen auf der gleichen Wellenlänge.

वास्तु – Vaastu mit einem langen »a« bedeutet »Licht« und steht für die Beziehung von Vastu zur vedischen Astrologie (Jyotish).

वस्तु – Vastu mit einem kurzen »a« steht für die Lehre von Räumen.

Es geht nicht um das Stilgefühl einer bestimmten Epoche in Indien, um kulturelle oder klimatische Gegebenheiten, sondern um die universell gültigen Grundprinzipien von Räumen schlechthin.

Wo immer ich einen umschlossenen Raum, also einen (Raum-)Körper schaffe, entwickelt sich zugleich eine Lebendigkeit, eine eigene Energie. Auch der Mensch ist ein umschlossener Raum. Unausweichlich tritt nun der Raum Mensch mit dem Raumkörper in Schwingung und Beziehung, und wenn es dem Menschen gut gehen soll, müssen beide kompatibel sein.

Die indischen Weisen und Gelehrten des Altertums beschäftigten sich eingehend mit den Kräften, die auf ein und – wichtiger noch – in einem Gebäude wirken können. Ihre Ergebnisse machten und machen deutlich, dass es sich bei den Empfindungen, die ein Raum hervorruft, nicht um ein abstruses Phänomen bar jeder Grundlage handelt, sondern ganz im Gegenteil um eine »handfeste« Tatsache, die auf wissenschaftlich erklärbaren Fakten beruht.

Beispiel für Vastu-Baukunst: Der Küstentempel in Mahabalipuram aus dem 8. Jahrhundert.
Beispiel für Vastu-Baukunst: Der Küstentempel in Mahabalipuram aus dem 8. Jahrhundert.

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Sinn und Zweck von Vastu

Bedingt durch die heutige hektische Lebensweise ist das Bedürfnis nach einem angenehmen Zuhause, einem Refugium, in das man sich zurückziehen und in dem man Entspannung finden kann, sehr groß.

Wohn- und Arbeitsräume haben mehr denn je die Aufgabe, einen Ausgleich zu schaffen, das körperliche und geistige Wohlbefinden zu fördern und nicht zuletzt das physisch wie psychisch angegriffene Immunsystem zu stärken.

Doch genau hier zeigt die Architektur der letzten Jahrzehnte Schwächen, indem sie funktionale, ästhetische und materielle Aspekte in den Vordergrund stellt, überbewertet und darüber die Bedürfnisse der Menschen vergisst, die in dem fertigen Gebäude einmal leben sollen.

Diesem Missstand wird nun vor allem in den westlichen Ländern seit einigen Jahren versucht entgegenzuwirken – man denke an biologisches Bauen mit schadstofffreien Materialien und andere Bestrebungen, um Architektur und Schaffen von Lebensqualität wieder einander anzunähern. Ebenso wie Indiens alte Medizin Ayurveda, die gerade die westliche Welt erobert, ist auch Vastu kein Heilsversprechen, mit dem die Folgen der heutigen Lebensverhältnisse und -weisen aufgebessert werden können. Anliegen von Vastu ist es vielmehr, wertungsfrei und ohne jedes Dogma auf Umstände aufmerksam zu machen, das Empfinden zu schulen und die Sinne zu schärfen, um nachteilige Wohnsituationen zu verändern.

Die Umsetzung

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Gebäude mit den natürlichen Kräften arbeitet und nicht gegen sie, und wie deren Einfluss zum Wohl der Bewohner genutzt werden kann, vermitteln die Vastu-Prinzipien. Dabei handelt es sich um Empfehlungen, die ausgehend vom Gesamtgefüge bis hinein in die kleinsten Details Gültigkeit besitzen und die sich einfach auf die heutigen Verhältnisse übertragen und in die Praxis umsetzen lassen.

Auch sind die Prinzipien von Vastu universal anwendbar – ob im privaten Wohnraum, in öffentlichen Gebäuden, Büros und Industriegebäuden, Krankenhäusern und Schulen oder aber in ganzen Städten.

Die Ausrichtung eines Grundstückes, Hauses oder Wohnraumes nach den vier Himmelsrichtungen bildet einen wichtigen Bestandteil der Vastu-Prinzipien, wirken doch dadurch die Energiefelder und Ströme ideal auf einen Raum ein. Dem Nordosten kommt eine primäre Bedeutung zu, da hier die positivsten Strahlungen auf einen Raum eintreffen und sich dann weiter nach Südwesten bewegen. Mögliche Hindernisse, wie hohe Gebäude oder Bäume, behindern diesen Fluss, während Wasserkörper oder ein Gefälle nach Nordosten förderlich sind. Im Gegensatz dazu sollten im Südwesten gewichtige Hindernisse platziert werden, um den Abfluss der positiven Kräfte zu behindern.

Wichtig beim Bauen und Einrichten nach Vastu: die Lebenskraft fließt von Nordosten nach Südwesten.
Wichtig beim Bauen und Einrichten nach Vastu: die Lebenskraft fließt von Nordosten nach Südwesten.

Sie möchten mehr über eine harmonische Raumnutzung und die Zuordnung der Räume zu den Elementen erfahren? Der vollständige Artikel gibt darüber Aufschluss. Jetzt unten bestellen!

Grundsätzlich ist bereits bei einer Vastu-Konformität von über 51 Prozent ein förderliches Wohnklima gegeben.

Das Einrichten nach diesen einfachen Prinzipien kann jede Frau und jeder Mann vornehmen und sich damit ein gutes Wohnklima schaffen. Rücken Sie ein paar Möbel oder teilen Sie die Wohnbereiche neu zu und in kurzer Zeit werden Sie messbare positive Veränderungen feststellen können.

Geringe Defekte können mittels des unten abgebildeten Vastu-Mandalas korrigiert werden. Hängen Sie das Mandala in der Höhe Ihres Hals-Chakras an die Wand oder an die Ecke, wo zum Beispiel eine Öffnung oder ein Raum fehlt. Wenn das Haus oder die Wohnung nicht korrekt in den Himmelsrichtungen liegt (eine Abweichung bis 15°), dann legen Sie dieses Mandala waagerecht mit dem Kopf des Vastu-Mannes in die Nordostecke. Die Korrektur von schweren Defekten sollte jedoch von geschulten Fachleuten vorgenommen werden.

Gleicht Abweichungsdefekte eines Hauses zur Himmelsrichtung aus: das Korrektur-Mandala.
Gleicht Abweichungsdefekte eines Hauses zur Himmelsrichtung aus: das Korrektur-Mandala.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die harmonische Raumverteilung und die indische Vastu-Architektur.

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Über den Autor

Unser Autor Dr. Hans Rhyner

Hans H. Rhyner ist Ayurveda-Mediziner und gilt als führender und international anerkannter Experte und Pionier des Ayurveda in Europa. Sein Wissen ist äußerst authentisch, denn er lebte 25 Jahre in Indien und führte seine eigene Klinik in Bangalore. Heute praktiziert er in seinen Praxen in der Schweiz und in Wien.

www.ayurveda-rhyner.com

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