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Medizin und Spiritualität

24 Feb

Das »Medikament Spiritualität«

Chance oder Zumutung?

»Medikament Spiritualität«?

 

Spiritualität in der Medizin? Die Frage provoziert und polarisiert. Spiritualität ist einerseits ein Sammelbegriff fragwürdiger Heilungsversprechen, die mit seriöser Medizin kaum kompatibel sind; andererseits steht der Begriff Spiritualität auch für eine Dimension von Integrativmedizin auf der Höhe der neuesten seriösen Forschung. Der folgende Beitrag versucht, nach einem kurzen historischen Rückblick, die Chancen und Grenzen von Spiritualität in der heutigen Medizin auszuloten.

Autor: Dr. Karl-Heinz Steinmetz
Kategorie: Medizin
Ausgabe Nr: 66

Medizin und Spiritualität – Geschichte einer Ausdifferenzierung

Auf den ersten Blick haben Spiritualität und heutige mainstream-Medizin nur wenig miteinander zu tun. Spätestens seit 1850 hat sich in Europa und in den USA eine Medizin durchgesetzt, die sich ausschließlich auf empirisch-experimentellen Fundamenten bewegt und sich strikt den Naturwissenschaften verpflichtet weiß. Seit den 1960er Jahren hält zunehmend eine Apparate-Medizin Einzug. In den letzten zehn Jahren verdichten sich immer mehr die Bestrebungen, wichtige Segmente der Gesundheitssorge als digital health auf ein online-Level zu bringen. Für Spiritualität scheint da zunächst nur wenig Platz zu sein. Ein zweiter Blick auf das Verhältnis von Spiritualität und Medizin zeigt hingegen, dass Spiritualität von Anfang an und während der ganzen Medizingeschichte hindurch ein mehr oder weniger geliebtes Geschwisterkind der Medizin bildete, wie sich in der Deutschen Sprache auch etymologisch leicht zeigen lässt: »Heilen«, »Heil«, »Heilung« und »Heiligung« sind aus der gleichen Sprachwurzel gebildet und vom Sinn her eng miteinander verwandt.

 

Heiliger Dominikus

Leib-Übung des heiligen Dominikus, unbekannter Maler (zwischen 1260 und 1288) Bildnachweis: Ms Biblioteca Vaticana Cod Ross 3, f 13v

 

Um die spirituelle Wurzel der europäischen Medizin zu Gesicht zu bekommen, muss man zunächst bis zu Hippokrates von Kos (* um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kos; † um 370 v. Chr. in Larisa, Thessalien) zurückgehen: So sehr es stimmt, dass Hippokrates und seine Schüler eine Medizin ins Leben riefen, die sich vom mythisch-magischen Weltbild abhob und daher als eine gewisse Aufklärung in der Heilkunde interpretiert werden darf, so sehr hat die neueste Forschung gezeigt, dass die hippokratische Medizin im Kern eine spirituelle Medizin gewesen ist. Die hippokratischen Ärzte bildeten nämlich eine spirituelle Gemeinschaft und praktizierten ganzheitliche Medizin inklusive Spiritualität. Im Rahmen ihrer Tiefen-Diagnostik bedienten sie sich beispielsweise einer energetischen Antlitz- und Pulsdiagnose, der Traumdeutung sowie einer hellsichtigen Prognostik. Zu ihren therapeutischen Interventionen gehörten auch spirituelle Techniken wie Atemübungen und yogaähnliche Leibarbeit (gymnastikê). Oder in einer prägnanten Kurzformel ausgedrückt: Sie versuchten stets, den Leib auch über den Geist zu heilen. Schon wenige Generationen später, beispielweise unter Erasistratos (* um 305 v. Chr. in Iulis auf Keos; † um 250 v. Chr.), wurde hingegen der Versuch unternommen, eine anatomisch basierte und mit mechanischen Modellen operierende Medizin zu formulieren, in der Spiritualität eine zu vernachlässigende Rolle spielte.

 

Wir Menschen erfahren uns als endlich und begrenzt.

 

In der europäischen Klostermedizin bis zum Jahre 1100 schlug das Pendel dann wieder in die andere Richtung aus; man schuf eine spirituelle Heilkunde, in der Anatomie und Physiologie weit in den Hintergrund rückten – wie zum Beispiel in den Schriften der bekannten Theologin und Heilkundigen Hildegard von Bingen (* 1098 vermutlich in Bermersheim; † 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein). Beim Übergang von der Spätantike zum Mittelalter, als die hellenistische Medizin im persischen, arabischen und europäischen Raum rezipiert und weiterentwickelt wurde, einigte man sich schließlich auf einen gewissen Standard im Verhältnis zwischen Spiritualität und Medizin, der bis ins 17. Jahrhundert tragfähig war: Medizin und Religion bzw. Spiritualität verhalten sich idealerweise »unvermischt und ungetrennt«. Das soll heißen: Medizin ist Medizin, Spiritualität ist Spiritualität. Beide Größen bilden zunächst je eigene Wissens- und Kompetenzfelder, die nicht unkritisch und vorschnell ineinander aufgelöst oder verwischt werden dürfen. Im praktischen Einsatz gehen dann aber Heilkunde und Heiligungsdienst freundschaftlich aufeinander zu, geben sich Medizin und Spiritualität gleichsam die Hand und verschränken sich in der gemeinsamen Sorge um die Heil(ig)ung des ganzen Menschen. So inspirierend diese für Jahrhunderte gültige Formel für heute klingen mag, so wenig tragfähig war der oberflächliche Kompromiss, der sich in der Zeit danach, während der Barockzeit und in der Aufklärung, herausbildete: der Körper gehöre der Medizin, und nur die Seele dürfe – eventuell und gegebenenfalls – spirituell mitbetreut werden. Seit der Entstehung der Psychologie als eigene Disziplin der Medizin am Ende des 19. Jahrhunderts galt nämlich die therapeutische Mitbetreuung der Seele seitens der Spiritualität für entbehrlich, weil die Medizin diese Funktion im Rahmen der Psychotherapie selbst leisten zu können glaubte. Religion und Spiritualität verloren dadurch an Relevanz und wurde zunehmend marginalisiert.

 

Leib-Übung des heiligen Dominikus, unbekannter Maler (zwischen 1260 und 1288)

Psychosomatische Tiere, Augustine, La Cité de Dieu (Vol. I). Aus dem Lateinischen übersetzt von Raoul de Presles, Illustration von Maïtre François, Paris 1475
Bildnachweis: Ms Koninkljike Bibiotheek van Nederland MMW 10 A 11, f 68v

 

Die Stimme der Spiritualität ließ sich damit freilich nicht dauerhaft aus dem Bereich der Medizin verbannen und meldete sich regelmäßig zurück: Schon die Homöopathie und die Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts umfassten eine umfangreiche »Spiritualität der Heilung«. Im Rahmen der Alternativ-, Komplementär- und Integrativmedizin wurden und werden spirituelle Konzepte, gerade auch asiatischer Provenienz, intensiv diskutiert, zumal die psychosomatische, epigenetische und neuropsychoimmunologische Forschung inzwischen hinreichend gezeigt hat, dass das Thema Spiritualität für die Medizin um vieles interessanter ist, als man das über Jahrzehnte vermutet hatte. Und weil sowohl kranke Menschen wie herausgeforderte (bzw. überforderte) Therapeuten vor allem im Umfeld der Palliativmedizin (Sterbemedizin) ganz massive spirituelle Bedürfnisse äußern, die gesundheitsrelevant sind, hat sich mancherorts, anstelle der klassischen Krankenhausseelsorge, eine überkonfessionelle spirituelle Gesundheitssorge – spiritual care – etabliert. Was kann man nun von einem solchen neuen Interesse an Spiritualität in der Medizin erwarten? Und was ist eigentlich Spiritualität? […]

 

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 66 >>

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Kompletter Artikel im PDF-Format (7 Seiten)
 
Preis: 2,00 EUR
(inkl. 19,00% MwSt.)
 
 

 

Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 05: Hyemeyohst Storm – Die heiligen Medizinräder Europas.
Ein offener Brief an die Europäerinnen und Europäer

TV 21: Traudl Walden – Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Heilkraft und mythologische Bedeutung der heiligen Gaben

TV 26: Dr. med. Raimar Banis – Macht Glaube gesund? Praktische Erfahrung mit geistigem Heilen

TV 27: Dr. Stephan Krall – Die andere Medizin. Alternative Heilmethoden im Test

TV 29: Dr. Gurudev Singh – Heilen mit der Kraft der Meditation. Sat Nam Rasayan

TV 30: Sabine Tschudi – Verzeihen beginnt bei mir selbst.
Ein Jahresrückblick mit dem Medizinrad des Verzeihens

TV 55: Dr. med. Manfred Doepp: Bergpredigt und Medizin. Heilung durch die göttlichen Gesetze

 

Bildnachweis: © fotolia, Biblioteca Vaticana

 

 

 

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