Jean Gebser und der Weg ins integrale Bewusstsein

Jean Gebser und der Weg ins integrale Bewusstsein

Die Entwicklung der Menschheit

Autor: Marina Stachowiak
Kategorie: Bewusstsein
Ausgabe Nr: 79

Jean Gebser ist der Begründer der Entwicklungsstufen des kollektiven Bewusstseins. Er unterscheidet fünf Stufen: die archaische, die magische, die mythische, die mentale und die integrale. Das komplexe Werk von Gebser wird hier anschaulich und kongenial zusammengefasst. Die Menschheit ist vorwiegend in der mentalen Stufe, die jedoch schon Verfallserscheinungen zeigt. Es ist nun notwendig, kollektiv in die integrale Stufe einzutreten.

Dass wir momentan in einer Zeit des Bewusstseinswandels leben, wird inzwischen von vielen Menschen gesehen.

Allein die großen globalen Probleme wie beispielsweise der Klimawandel, die toxischen Belastungen von Luft, Wasser und Erde reichten aus, um die absolute Dringlichkeit eines notwendenden Wandels zu bekräftigen. Die Chaos- und Zerstörungsprozesse in der Welt häufen sich zusehends und zeugen von jener tiefgehenden Wandlung, die sich vor unseren Augen und auch in unserem Inneren abspielt.

Jean Gebser und der Weg ins integrale Bewusstsein

Jean Gebser

Angesichts der Weltlage stellen sich vorrangig zwei Fragen, nämlich was dazu geführt hat, und wie ein Wandel möglich ist. Auf diese Fragen hat der Bewusstseinsforscher Jean Gebser Antworten gefunden, die uns zu einer ganz neuen Menschen- und Weltsicht führen. In seinem Hauptwerk Ursprung und Gegenwart legt Gebser offen, dass wir uns momentan in einer Umbruchphase befinden, in der sich unsere bislang gegebene Bewusstseinsstruktur erschöpft und sprunghaft in eine neue Struktur mutiert. Er spricht vom heutigen Chaos, der zunehmenden Maßlosigkeit, vom Umgang mit der Natur und der Erde, von der Zunahme technologischer Entwicklung, die mit der Abnahme des menschlichen Verantwortungsbewusstseins einhergeht, sowie von der Vereinzelung oder Vermassung des Individuums und der großen psychischen Not, die überall herrscht, und er sieht alle diese Anzeichen als deutliche Hinweise auf diesen Bewusstseinswandel.

Gebser verfasste sein Werk zwischen 1949 und 1953 und hat das, was gerade weltweit geschieht, bereits vor über einem halben Jahrhundert vorausgesehen. Mit eindrücklichen Beispielen aus den verschiedenen Wissenschaftsbereichen wies Gebser ein Strukturmodell des menschlichen wie menschheitlichen Bewusstseins nach, das gerade heute von aktueller Bedeutung ist.

Der mythische Mensch

Die mythische Struktur ist zweidimensional und weiblich dominant, da der mythische Mensch auf sein Inneres bezogen ist.

Ihr Wesen offenbart sich im Bewusstsein der Gemeinschaft, ein individuelles Ich ist ihr nicht bewusst. Sie unterscheidet zwischen Innen und Außen.

Gebser gibt ihr als Symbol den Kreis, weil der mythische Mensch erstmals ein Zeitbewusstsein hat, das ihm als rhythmische, ewig kreisende und wiederkehrende Naturzeit bewusst wird. Dieses naturzeithafte Bewusstsein darf nicht mit der mentalen und messbar gemachten Uhrenzeit verwechselt werden, die auf die Zukunft hin gerichtet ist. Der mythische Mensch ist eher auf die Vergangenheit bezogen und die Zeitphasen der mentalen Struktur, also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sind ihm nicht bewusst. Anders als der mentale kennt der mythische Mensch auch keine dualen Gegensätze, sondern für ihn spielt sich alles in der Seele ab, in der sich die Polaritäten ergänzen und gemeinsam ein Ganzes bilden (weiblich – männlich, Licht – Schatten). Der mythische Mensch schaut und lauscht nach innen, um seine Seele zu erfahren und die inneren Erfahrungen spiegeln sich in den erzählten und gesprochenen Mythen wider. Erst im mythischen Bewusstsein wird Sprache bedeutsam. Das im Inneren, in der Seele Erfahrene wird in den Mythen zum Spiegel, wie dem mythischen Menschen alles zum Spiegel wird dank seiner polaren Strukturiertheit. So spiegelt sich sein imaginatives Bildbewusstsein, wie Gebser es nennt, im Bildcharakter des Mythos wider und antwortet auf Seele und Himmel, die im mythischen Bewusstsein noch ungetrennt sind.

Jean Gebser und der Weg ins integrale Bewusstsein

Heute begegnen wir dem defizient Mythischen, wenn es um ein übertriebenes Bild- und Symbolhaftes geht, und besonders dann, wenn es um ein ausuferndes Psychisches geht. Die heutige psychische Überforderung und Überschwemmung, die überall anzutreffen ist, ist vergleichbar mit der defizient mythischen Epoche, in der einst das mentale Denken die chaotische Seelenstimmung zu richten vermochte. Gebser schreibt zum heute deutlich werdenden defizient Mythischen: »Überall dort nämlich, wo wir einem unmäßigen Vorwiegen des Bildmäßigen, Ambivalenten, Psychischen, der ungezügelten Phantasie, Imagination oder Einbildungskraft begegnen, dürfen wir auf eine weitgehende, das Ganze oder das Ganzheitliche bedrohende defizient mythische Haltung schließen.« [Gebser, Jean, a. a. O., S. 231.]

Im vollständigen Artikel erfährst Du, welche weiteren Qualitäten die mythische Struktur prägen sowie welche weiteren Strukturen es noch gibt.

Für einen solchen innerlichen Prozess ist die Wahrnehmung der Zeit als Qualität und Intensität, als Umfassendes entscheidend, da sie ihrem Wesen gemäß integraler Natur ist. Denn war das große Thema der mentalen Struktur der Raum, so ist das große Thema der integralen Struktur die Zeit. Dies können wir an der heute so verbreiteten Zeitnot, ja Zeitangst erkennen, von der Gebser sagt, dass sie eine Projektion ist und dass es darum geht, diese Projektion zu erkennen und zurückzunehmen, damit uns die Zeit als eine umfassende und umfangende Qualität bewusst werden kann.

Die Entwicklung der Menschheit

In der integralen Wahrnehmung wird uns mit der äußeren Erscheinungsform, die stets räumlich fixiert ist, auch ihre innere Wesensqualität bewusst, die geistiger Natur ist und folglich mit dem Ganzen verbunden ist. Auf unsere Persönlichkeit, auf unser Ich bezogen, das unsere äußere Erscheinungsform, also ein Bewirktes ist, bedeutet dies, dass wir uns unserem inneren Wesenskern, dem Sich, das ein Bewirkendes ist, und damit geistiger Natur und mit dem Ganzen verbunden, öffnen müssen. Es ist also unsere gegenwärtige Aufgabe, dass wir uns mehr und mehr von unserem Ich distanzieren, das nur vorübergehender Natur ist, und uns dem eigentlichen Kern unseres Daseins öffnen.

Unsere Autorin Marina Stachowiak

Über die Autorin

Marina Stachowiak, geb. 1957, ist temporik-art Begleiterin, Kunstwissenschaftlerin, Autorin und Malerin. Sie veröffentlichte mehrere Bücher und Schriften zum integralen Themenspektrum und zum Bewusstseinswandel sowie unter ihrem ehemaligen Namen Marina Pilgram zur sexuellen Gewalt in der Kindheit. Vor dem Hintergrund der integralen Theorie des Philosophen Jean Gebser und der Psychobionik nach Bernd Joschko entwickelte sie temporik-art. 2010 gründete sie das Institut für integrale Bewusstseinsbildung in Reinheim bei Darmstadt und lehrt dort temporik-art in Einzel- und Gruppenseminaren sowie in Ausbildungsgruppen für Menschen, die andere mit temporik-art begleiten möchten.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Marina Stachowiak beschreibt in diesem Artikel, die verschiedenen Entwicklungsstufen des Bewusstseins, die von Jean Gebser erfasst wurden, um den Menschen eine Karte der Bewusstseinsprozesse übergeben zu können mit dem Ziel der kollektiver Transformation und Bewusstwerdung..

Die vollständige Fassung lesen Sie in der Tattva Viveka 79. Auch für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 10 Seiten).

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