Die Gründung einer Männergruppe

Initiatorische Männerarbeit

Wo können Männer mal ganz unter sich sein? Traditionell findet das in männlich dominierten Berufen oder Sportarten statt, und vielleicht steckt hinter der Mitgliedschaft in Feuerwehr, Fußballverein, Bergrettung oder Kameradschaftsbund häufig auch der Wunsch nach der Zugehörigkeit zu einem Männerkreis. Möglich ist das aber auch in verschiedenen Männergruppen, die zunehmend ins Leben gerufen werden. Der Weg der Männer, ein Netzwerk für initiatorische Männerarbeit, hat einen Leitfaden für die Gründung von Männergruppen herausgegeben.

Männergruppe

 

Es gibt vielfältige Gründe für den Besuch einer Männergruppe. Hier ist ein Raum, um uns auch mal verletzlich zu zeigen, um tiefe Gefühle und Ängste zu teilen, um einmal ohne Konkurrenz und Abwertung zum Beispiel über Sexualität zu sprechen. Der Mann kann hier auch mal schwach sein und gesellschaftliche Erwartungen vom starken Mann ablegen, aber auch seine Freude und seine ganze männliche Kraft zeigen.

 

Männergruppen können uns beispielsweise dienen:(…)

  • um einen geschützten Raum zu schaffen, in dem wir Männer in Solidarität und Wertschätzung zusammenkommen können.
  • um Freundschaft und Nähe unter Männern auch nüchtern und ohne Alkohol leben und spüren zu können.
  • um die unsichtbare Isolation zu überwinden, in der viele von uns leben. Die meisten Männer wissen nicht einmal, „dass sie in Wirklichkeit tief traurig sind und ihr Leben durchdrungen ist von uneingestandenem Leid“ (Richard Rohr).
  • um auch einmal „schwach“ sein zu können. Denn Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Trauer stören das klassische Bild vom Mann und müssen aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen schon früh verdrängt werden.
  • um unsere Erfolge und unser Scheitern mit anderen Männern zu teilen und um Verbundenheit zu erleben.

(…)

Auszug aus dem Leitfaden

Redestock einer initiatorischen Männergruppe

Wie anfangen? Der Leitfaden ermutigt, einfach loszulegen: »Am besten beginnst du dort, wo du gerade stehst. Bediene dich der Mittel, die dir zur Verfügung stehen. Auch wenn wir uns denken mögen, dass unsere Möglichkeiten nicht ausreichen, haben wir in Wirklichkeit immer genug, um anzufangen.«
Er gibt praktische Hinweise, etwa was eine gute Gruppengröße ist, wie man Männer anspricht und was die Auswahl eines passenden Ortes betrifft. Es geht darum, wie die Gruppenleitung gestaltet werden kann, und wie durch Spielregeln ein wirklich sicherer und offener Raum entstehen kann. Erwähnt werden auch typische bewährte Rituale und Utensilien wie der Redestock. Schließlich werden verschiedene Männergruppen kurz mit ihrem Ablauf und ihren Themen vorgestellt.

Die Gründung einer Männergruppe ist eine wichtige Initiation ins Männerleben, denn Mann sein bedeutet auch ein Bewusstsein für Räume zu entwickeln, das heißt einen Rahmen zu setzen und diesen aufrecht zu erhalten. Wichtig ist, es gibt einen definierten Anfang und ein definiertes Ende – es endet nicht in Beliebigkeit.

Ich selbst bin 2009 auf die Männerarbeit gestoßen. Damals steckte ich über beide Ohren in einer tiefen (Midlife)-Lebenskrise – ausgelöst von den beiden wichtigsten Frauen in meinem Leben: meiner Mutter und meiner Frau. Bis dahin hatte ich mit Männern nichts am Hut. Ich hatte eher meine Probleme mit den Balz- und Dominanz-Ritualen meiner Geschlechts­kollegen. Ich begab mich also gezwungener­maßen auf die Suche nach meiner eigenen Männlichkeit – nach meiner eigenen Definition – jenseits gesellschaftlicher Normen und Prägungen.

Typische Requisiten einer initiatorischen Männergruppe

Was fand ich selbst in der Männergruppe? Ich fand Solidarität und Unterstützung. Ich fand einen Raum mich ausdrücken, wo mir zugehört und nicht gewertet wurde, wo es auch ok war zu schweigen, wenn die Worte nicht über die Lippen kommen wollten. Es wurde nicht getröstet, aber mir wurde beigestanden. Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich, zutiefst angenommen gefühlt – so wie ich bin. Ich fand gleichgesinnte Männer, denen es ebenso ergangen war wie mir und die mir vielleicht schon ein, zwei Schritte voraus waren. Dieser offene Austausch, die schonungslos offene und gleichzeitig wertschätzende Reflexion unter Männern ist etwas ganz besonderes für mich geworden.

Daher habe ich eine Mentorenausbildung gemacht und leite nun selbst seit über 4 Jahren Männergruppen im Netzwerk Der Weg der Männer. Ich möchte anderen Männern aus Ihrer Verwicklung in Ihre Entwicklung helfen. Das liegt mir am Herzen.

 

Männerarbeit ist Friedensarbeit – im innen wie im außen. »Nur wenn Du zuerst mit Dir selbst in Frieden kommst, kannst Du auch mit Deinem Umfeld, also Deiner Partnerin, Deinen Kindern, Deinen Eltern, Kollegen und Nachbarn in Frieden sein.«

Florian Sedmak hat den Leitfaden für die Gründung von Männergruppen erarbeitet. Die Basis dieser Zusammenstellung sind existierende Männerrunden auf der Basis Der Weg der Männer in Eichstätt, Hamburg, Weingarten und München.

 

Henry Kirchner
www.wegdermaenner.eu

Der Leitfaden lässt sich auf der Seite www.wegdermaenner.eu herunterladen.

Der Weg für Männer ist ein Netzwerk für initiatorische Männerarbeit in Europa und wurde vor 25 Jahren von Gregory Campbell begründet. Ausgehend von Österreich gibt es diese Männerarbeit inzwischen nun auch in Süddeutschland, Südtirol, Hamburg und Portugal.
Die Basis ihrer Arbeit bildet eine 7 teilige initiatorische Seminarreihe „Der Weg der Männer“ über 9 Monate. Diese beginnt jeweils im Herbst. Mehr unter: http://www.wegdermaenner.eu
Hier ermutigen wir die teilnehmenden Männer immer wieder selbst eigene Männergruppen zu begründen und so das initiatorische Feuer weiterzugeben.
Männergruppe von Florian Sedmak in Vorchdorf / Oberösterreich:
maennerfuereinander.wordpress.com

 

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