09 März Heilsames Bewusstseins-Abenteuer Trance
Rituelle Körperhaltungen nach Dr. Felicitas Goodman
Autor: Nana Nauwald
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 106
Ekstatische Trance ist eine Erfahrung, die jedem Menschen offensteht – ganz ohne Drogen. Eine bewährte Technik sind die rituellen Körperhaltungen nach Dr. Felicitas Goodman. Diese Haltungen, überliefert aus alten Kulturen, öffnen Tore zu anderen Wirklichkeiten und machen die tiefe Verbundenheit mit dem universellen Lebensgewebe spürbar. Die Künstlerin und »Weltenwanderin« Nana Nauwald erforscht diese bewusstseinsverändernden Techniken seit über 30 Jahren und lässt uns an ihren Erkenntnissen und Erfahrungen teilhaben.
»Trance? Dafür bist du doch viel zu alt!« Irritiert schaut mich mein 21-jähriger Enkel Simon an, der noch müde von der durchtanzten Techno-Nacht mit seinen Freunden ist. Um nicht als »langweilige Oma« abgestempelt zu werden, erzähle ich ihm bei seiner dritten Tasse Kaffee, dass ich schon seit 32 Jahren eine »Technik« erfahre, erforsche und lehre, in der es möglich ist, mit der Einnahme von besonderen statischen Körperhaltungen aus alten Kulturen in einen willentlich veränderten Wach-Bewusstseinszustand zu kommen, in eine »Trance«. Dabei werden die Körperhaltungen von einem schnellen Rhythmus begleitet.
»Trance« bedeutet im Arabischen wajd, »finden«. Es geht in der Trance darum, die Teile zu finden, die zum Zustand der »Ganzheit«, »Heilheit« fehlen. Immer noch mit einem misstrauischen Blick hört mir der Enkel zu. Genug geredet! Ich greife zu meiner Trommel und beginne, den Rhythmus von 210-240 bpm zu schlagen.
»Wow«, stößt Simon aus , »das ist ja viel schneller als Techno!«
Ja, das ist es! Der Grundbeat bei Technomusik beträgt 140 bis 170 bpm. Nach einigen Bewegungsversuchen zum Trommelrhythmus im Sitzen schaut mich der Enkel mit wachem Blick an und möchte mehr wissen.
»Tanzen die Menschen in diesen Ritualen zu deinem Trommeln?«
»Oh nein«, antworte ich lachend. »Diese Körperhaltungen werden ohne Bewegung 15 Minuten lang so still gehalten, wie du es auf den Abbildungen siehst. Die Augen sind dabei geschlossen. Durch den schnellen Rhythmus verändern sich die Gehirnverbindungen und damit verändert sich auch deine Wahrnehmung, so als ob du in einer anderen Welt wärst. Man kann zum Beispiel fliegen, sich in ein Tier verwandeln und vor allem Heilung in sich selbst anregen.«
Heilsames Wirken
Neugierig fragt der Enkel: »Bist du eine Schamanin?«
Ich schüttele lachend den Kopf. »Schamanin/Schamane ist jemand, die oder der in einer von Schamanismus geprägten Gemeinschaft lebt, in ihrer alltäglichen und geistigen Welt. Leider nimmt es mehr und mehr zu, dass sich Menschen aus unserer Kultur, die Rituale in Verbindung mit Natur und Wahrnehmung durchführen, die Bezeichnung Schamane/Schamanin aneignen.«
Aber wir können von den »echten«, noch im Schamanismus lebenden Kulturen lernen, ein unserem modernen Leben entsprechendes heilsames Wirken über Rituale, Naturverbundenheit und erweitertes Bewusstsein zum Wohle von Menschen und anderen Wesen in unsere Welt zu bringen. Auch unsere heutige Kultur ist aus den alten Wurzeln schamanischen Wissens gewachsen. Gelebter Schamanismus ist eine geniale, undogmatische Mischform aus Naturerfahrung, Naturwissenschaft, Medizin, Psychotherapie, magischem Theater – und natürlich auch ein spiritueller Weg. Bewusster Wandel durch heilsame Rituale in willentlicher Verbindung mit äußerer und innerer Natur ist der Grundklang dieser Lebensweise, die auch in unserer heutigen Kultur seit einigen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit findet. Diese Lebenssicht ist auch die Grundlage der »Rituellen Körperhaltungen«, die in eine ekstatische Trance führen können. Meine Lehrerin und Freundin, die Anthropologin Dr. Felicitas Goodman, hat diese erforscht.
Die Pforten der Wahrnehmung
Durch ihre Forschungsarbeit hat sie seit den »wilden 60ern« einer wachsenden Schar von »ekstase-hungrigen Weltenwanderern« eine der vergessenen »Pforten der Wahrnehmung« wieder zugänglich gemacht. Diese Pforte entdeckte Felicitas Goodman während ihrer 17-jährigen anthropologischen Forschungsarbeit in einer Pfingstgemeinde in Yucatán, Mexiko. Beim Beobachten der Pfingstler kam ihr der Gedanke, ob der von ihnen eingesetzte Stimulationsrhythmus nicht auch ohne »Heiligen Geist« funktionieren könnte? Vielleicht konnte man einzig mit dem Rhythmus diesen Zustand der Ekstase herbeiführen? Denn Felicitas war auf der Suche nach einem Zustand der Verzückung, einem Zustand der Freude, die aus einer anderen, geistigen Quelle gespeist zu werden schien. Sie gelangte zu der Erkenntnis, dass wir Menschen messbare Veränderungen im Körper und Gehirn erleben, wenn wir durch einen schnellen Rhythmus angeregt werden.
»Körperliche Veränderungen? Was geschieht im Körper während der rituellen Trance? Werde ich schöner, gesünder?« Simon grinst mich an, und ich grinse zurück: »Na klar, das siehst du doch an mir!«
Ich erzähle von den möglichen Wirkungen dieser rituellen Trance durch Körperhaltung, Spannung und Rhythmus, und verweise auf den Physiker und Psychotherapeuten Dr. Jean-Michel Fitremann, der schrieb:
»Ich sehe den ekstatischen Trancezustand als ein Modell der Gesundheit. Der Zustand, den eine Person in einer ekstatischen Trance erlangt, zeigt alle Eigenschaften ›bester Gesundheit‹.«
Die rhythmischen Anregungen mit der schnellen Schlagfrequenz von 210 bis 240 bpm bewirken den Übergang in einen veränderten Wachbewusstseinszustand, den Theta- und manchmal auch den Deltazustand unserer Gehirnwellen.
Die Wirkung der Trance auf Gehirn und Körper
Die Rituellen Körperhaltungen zeichnen sich durch ein Wechselspiel von Anspannung und Entspannung der Muskeln aus. Jede der erforschten Körperhaltungen richtet die Aufmerksamkeit auf jeweils besondere Muskeln in Anspannung. Durch die Verstärkung der Anspannung der »besonders« gehaltenen Körperteile (oft die Hände) ist es möglich, die Tiefe und den Verlauf der Trance zu steuern. Offenbar werden während der ekstatischen Trance beide Seiten des vegetativen Nervensystems aktiviert – der Sympathikus und der Parasympathikus. Der Parasympathikus fördert den Zustand von Ruhe und Entspannung. In dem Erleben während der ekstatischen Trance löst sich erfahrungsgemäß viel affektiv und emotional Gestautes. Auf diesen Erfahrungshintergrund bezogen ist es sehr interessant, dass der Parasympathikus durch Affekte und Emotionen aktiviert wird.
Die starke parasympathische Aktivierung führt auch zur Herabsetzung des Blutdrucks während der Trance. Die Aktivierung des Sympathikus während der Trance steigert hingegen die Herzleistung und führt somit zu einer Beschleunigung des Pulses. Gleichzeitig wird die Durchblutung von Muskeln und Haut angeregt. Damit einhergehend werden körpereigene Opiate, die Beta-Endorphine, ausgeschüttet. Die biochemische Wirkung der Endorphine ist eine der Ursachen, die es ermöglichen, in der Trance ein Gefühl intensiver Freude, Lust und Euphorie zu erfahren. Dieses Gefühl der »Süße«, einer tiefen und bewussten Lebensfreude, kann noch für eine längere Zeit nach der Trance anhalten.
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Tattva Viveka Nr. 106
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Schwerpunkt: Bewegung
Erschienen: März 2026
Dirk Grosser – Wandernde Weisheit • Prof. Dr. Johannes Michalak – Spiritualität ist keine reine Kopfsache • Friederike Reumann – Die Bewegung der Organe • Dirk Grosser – Alles fließt aus dem Einen • Christian Busemann – In Bewegung geraten • Christian Holzknecht – Die transformative Kraft der Berge • Simone Käfer – Der japanische Bogenweg • Maren Brand – Vom Tun zum Sein • Dr. Ralph Skuban – Gesund und entspannt atmen • Nana Nauwald – Heilsames Bewusstseins-Abenteuer Trance • Chan Park – Tango Zen • Bruno Martin – Gurdjieffs Heilige Tänze • Buchbesprechungen • u.v.m.
Zur Autorin
Nana Nauwald, geb. 1947, ist Künstlerin, Buchautorin, Dozentin für Rituale bewusster Wahrnehmungen und erforscht seit langer Zeit Rituelle Körperhaltungen und Trance-Erfahrungen. Ihr Weg ist geprägt von schamanischen Bewusstseinswelten indigener Kulturen. Die intensive Begegnung mit der Anthropologin Prof. Dr. Felicitas Goodman und ihrer Forschung eröffnete Nana Nauwald neue Möglichkeiten, die sogenannten »Anderswelten« zu erleben.
Webseite: ekstatische-trance.de
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