Amo(r) ergo sum

Amo(r) ergo sum

Über die Macht der Liebe

Autor: Annemarie Maeger
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 72

Auf den Spuren der Philosophin Hypatia führt uns die Autorin zum Urgrund der Philosophie: der Liebe. Die antike Philosophin Hypatia, die der Vermutung nach unter dem Pseudonym Dyonisus Areopagita in Erscheinung trat, hat bereits den Weg einer Philosophie angelegt, die sich nicht nur im reinen Geist, sondern vor allem im Herzen verorten lässt.

Mit dem berühmten Satz »cogito ergo sum« bahnte der Philosoph und Mathematiker René Descartes (Cartesius) im 17. Jahrhundert nach Ansicht des Philosophen Franz von Baader (ungewollt) den Atheismus an: »… indem er das Nachdenken der Kreatur dem Urdenken Gottes vorsetzte, wogegen der Mensch nicht anders sagen kann und soll als: ich bin gesehen, durchschaut, gewußt, gedacht, begriffen, darum sehe, weiß, denke, begreife ich. Ich bin gewollte, verlangt, geliebt, darum bin ich wollend, verlangend, liebend oder hassend. Ich bin gewirkt, darum wirke ich.«[1] Jean Paul Sartres setzten dem Denken Descartes das Sein vor: »Ich bin, also denke ich.« Die Philosophie der Hypatia alias Pseudo-Dyonysius Areopagita – die christliche Philosophie – stellt vor diese Sätze noch zwei weitere Bedingungen: die Liebe Gottes und die freiwillige Annahme dieser Liebe durch den Menschen, die in der menschlichen Liebe ihren Ausdruck findet (Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe).

In dem Buch Hypatia, die Dreigestaltige, ging es der Autorin in erster Linie darum, anhand von zahlreichen Indizien und psychologischen Schlussfolgerungen zu veranschaulichen, dass die Schriften des geheimnisvollen und umstrittenen Kirchenvaters Pseudo-Dionysius Areopagita (DA) mit großer Wahrscheinlichkeit von Hypatia verfasst wurden, und dass die heilige Ekaterina (Katerina) von Alexandria, deren Existenz sich geschichtlich nicht beweisen lässt, wohl identisch ist mit Hypatia.[2] In „amo(r) ergo sum wird versucht, ihre vermutliche Philosophie und damit indirekt zugleich jede Religion der Liebe auf einen philosophischen Prüfstand zu erheben und allgemeine Kriterien zur Wahrheitsfindung zu erhalten.

Über die Macht der Liebe

Mehr zur Herzphilosophie von Hypatia erfahren Sie im vollständigen Artikel, der als Pdf für 2,00 € zum Download bereit steht (am Ende dieses Beitrag).

Frauen in der Philosophie

Wenn man die lange Liste bedeutender Philosophen anschaut, so könnte man meinen, die Philosophie sei für die Frauen eine völlig artfremde Wissenschaft. Während in den Naturwissenschaften und der Mathematik wenigstens dann und wann einmal ein weiblicher Kopf in der Schar der Männer auszumachen war, scheint die Philosophie eine reine Männerangelegenheit zu sein. Hypatia ist da wohl eine große Ausnahme. Das Erkennen von Wahrheit und Weisheit (griech. philó sophos = Freund der Weisheit) mit Hilfe von Logik und abstrakten Kategorien steht bei Frauen nicht gerade hoch im Kurs. Erkennen Frauen vielleicht, dass Weisheit mehr sein muss als abstrakte Kategorien und das »Ding an sich«, ein lebendiges Begreifen der Schöpfung mit allen Sinnen und mit Verstand?

Es fällt auf, dass immer nur dann Frauen aus dem Dunkel der Geschichte hervortreten, wenn geschichtliche Umwälzungen stattfinden und philosophische Orientierungslosigkeit oder eine totale Verkrustung und Unbeweglichkeit alter Strukturen herrschen.

Amo(r) ergo sum

Gemeinsam ist den Frauen ihre Fähigkeit, Intuition, Glauben und einen scharfen Verstand miteinander in Einklang zu bringen.

Gibt es vielleicht eine »weibliche« Philosophie?

Während Kant und die Aufklärung das Subjektive möglichst ganz aus der Philosophie vertreiben möchten, um zu allgemeingültigen Gesetzen zu gelangen – um es dann doch wieder durch die Hintertür als praktische Vernunft, Pflicht und Neigung, wieder einzuführen, werde ich versuchen darzulegen, dass gerade das subjektive Empfinden und Urteilen über philosophische Hypothesen und deren objektive Folgen und die Nutzung von Intuition zu allgemeingültigen Erkenntnissen führen können.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf (7 Seiten), das unten bestellt werden kann.

Die Macht der Liebe – Liebe als Macht

Die Liebe, diese geheimnisvolle Kraft, die man weder erzwingen noch erkaufen kann, die zugleich Motiv und Ausgangspunkt der Schöpfung ist – welche Bedeutung hat sie im gesellschaftspolitischen Alltag dieser Welt? Ist sie nur ein persönliches Gefühl ohne praktischen Nutzen, das oftmals mehr schadet als nützt? Wie kann Gott fordern, dass wir Menschen ihn oder unsere Nächsten lieben sollen, wenn es doch unmöglich ist, ein Gefühl zu erzwingen. Man kann Gott und den Nächsten zwar achten und versuchen, die Gebot zu halten, aber wie soll man lieben? Hat Luther am Ende doch recht damit, dass hier etwas Unmögliches von uns verlangt wird, das wir aus eigener Kraft nicht leisten können und das wir uns dennoch zurechnen lassen müssen?

Deshalb hat für den Hypatia-Schüler Synesius Glauben ohne Erkenntnis auch keinen Wert, da ein solcher Glauben leicht zum Spielball würde.

Amo(r) ergo sum

Oder hat Hypatia recht, die in der Bereitschaft zur unvoreingenommenen Wahrheitssuche und zur Liebe ein Mittel sieht, diese Forderungen zu erfüllen? Denn wer unvoreingenommen sucht, der wird finden, wer bittet, dem wird gegeben werden. Unsere freie Entscheidung zur Liebe besteht demnach darin, unsere »inneren Antennen« auf Empfang zu stellen, damit wir über die Wahrheit zur reinen Liebe kommen, die nicht mehr von irgendwelchen Gefühlen abhängig ist, sondern sich aus der Wahrheit selbst nährt. Nur eine solche Liebe ist dauerhaft, da sie keinen Stimmungen unterliegt. Deshalb hat für den Hypatia-Schüler Synesius Glauben ohne Erkenntnis auch keinen Wert, da ein solcher Glauben leicht zum Spielball von rationalen Argumenten würde, unfähig die eigene Position zu verteidigen.

Lesen Sie im vollständigen Artikel mehr über die Macht der Liebe 🙂

»Die Liebe ist die vorzüglichste Umschreibung der Gottheit.«, sie ist nicht nur eine »Himmelsmacht«, sondern auch hier auf Erden die mächtigste Herrscherin – wenn es auch manchmal – oder oft – anders aussieht. Es wäre ja auch merkwürdig, wenn Gott den Menschen Gesetze geben würde, mit denen sie auf Erden nichts anfangen könnten. Doch wie soll man das Liebesgebot beachten, wenn die Liebe nicht erzwungen werden kann, wenn sie unfaßbar und undefinierbar ist, wenn man allenfalls ihre weitgreifenden Wortwurzeln liep, liob, lijuv, leubh, ljubit, libere, libido: lieb haben, begehren, loben, erlauben und glauben[3] – bestimmen kann? Man kann dieses Gebot vielleicht mit dem Fordern eines Bereitschaftswillens, die Liebe in sich wirken zu lassen, erklären, wie in der vermutlich von Hypatia stammenden Schrift »Über das Werden«, wonach eine vollkommene Kraft nur dann in der unvollkommenen wirkt, wenn diese dazu bereit ist.

Die Macht der Liebe liegt im freiwilligen Verzicht auf Macht.

Gerade das macht sie unwiderstehlich. Und es ist gerade Nietzsche, der mit seiner tiefen Ehrfurcht vor dem Göttlichen im Menschen, seinem Kampf für die Freiheit menschlichen Denkens und seiner Liebe zu allem Wahren und Schönen Worte gefunden hat, die diese unfassbare Kraft jenseits von Gut und Böse und jenseits aller Herdentier-Moral, ohne verdrehte Augen und falsche Frömmigkeit auf einzigartige Weise umschreiben als:

»… – das Genie des Herzens, das alles Laute und Selbstgefällige verstummen macht und horchen lehrt, das die rauhen Seelen glättet und ihnen ein neues Verlagen zu kosten gibt,–stillzuliegen wie ein Spiegel, daß der tiefe Himmel auf ihnen spiegele –; das Genie des Herzens, das die tölpische und überraschte Hand zögern und zierlicher greifen lehrt; das den verborgenen und vergessenen Schatz, den Tropfen Güte und süßer Geistigkeit unter trübem, dickem Eise errät und eine Wünschelrute für jedes Korn Goldes ist, welches lange im Kerker vielen Schlamms und Sandes begraben lag; das Genie des Herzens, von dessen Berührung jeder reicher fortgeht, nicht begnadet und überrascht, nicht wie von fremdem Gute beglückt und bedrückt, sondern reicher an sich selber, sich neuer als zuvor, aufgebrochen, von einem Tauwinde angeweht und ausgehorcht, unsicherer vielleicht, zärtlicher, zerbrechlicher, zerbrochener, aber voller Hoffnungen, die noch keinen Namen haben, voll neuen Willens und Strömens, voll neuen Unwillens und Zurückströmens – «[4]

Über die Macht der Liebe

Unsere Autorin Annemarie Maeger

Zur Autorin

Geb. 1947. Jurastudium, Heirat und Referendarzeit in München. Studien in Geschichte, Philosophie, Ägyptologie, erstes Theaterstück »Spiel ohne Ende«, Uraufführung 1985. Lebt seit der Scheidung 1988 als freie Texterin und Autorin in Hamburg, veröffentlichte seit 1992 mehrere Theaterstücke, Sachbücher zur Hypatia-Forschung u.a. und gab in deutscher Erstübersetzung historische Quellentexte zu diesem und zu angrenzenden Themen heraus. Seit 1991 Mitglied der Hamburger Autorenvereinigung. 1993 Verlagsgründung, 2003 Hypatia-Archiv.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über Liebe und Philosophie. Lesen Sie die vollständige Fassung in der Tattva Viveka 72. Auch als ePaper zum Download (Pdf, 7 Seiten).

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