Das Herz der Dinge. Der Riss im Denken

Das Herz der Dinge. Der Riss im Denken

Wie uns das Herzwissen zur Wahrheit führen kann

Autor: Ilknur Özen
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 72

Unsere Welt ist gespalten. Denken von Fühlen, Wissen von Liebe, Freiheit von Wahrheit. Das eindimensionale Egodenken hat die Vorherrschaft übernommen. Das Herz ist der Schlüssel zu einer inneren Weisheit und Wahrheit, die Dinge miteinander verbindet. Hier teile und lebe ich, werde ich frei in Beziehung und erkenne die Liebe als Urgrund allen Seins.

Studiert man die abendländische Denkgeschichte, stellt man schnell fest, dass der Mensch im Kopf feststeckt. Die Philosophie des Geistes hat sich zu einer Neurowissenschaft degradiert und versucht die Intelligenz, den Geist oder das Thema der Willensfreiheit technologisch an neuronalen Verschaltungen auszumachen. Die Zerrissenheit des Menschen zeigt einen tiefen Konflikt auf: Der Mensch wird seinem Sein oder der Fülle des Seins nicht gerecht. Sämtliche Versuche der Seinsermächtigung lassen sich auf einen Riss zurückführen. Der ego-logische Wahn, über das Sein verfügen zu wollen, erstreckt sich von inneren Machtkämpfen, in denen der Mensch als zwiespältig erscheint, über die Kämpfe der Einzeldisziplinen untereinander, in denen jede Wissenschaft die Deutungshoheit und Definitionsmacht besitzen will, bis zu den von Obrigkeitsverhältnissen durchdrungenen Ismen, welche als Ideologiekämpfe ausarten. Nicht einmal innerhalb einer Glaubensgemeinschaft oder einer Einzeldisziplin lässt sich eine Einigung finden. Die Philosophie hat sich zu einem egologischen Denkbetrieb entwickelt und steckt in einer tiefen Krise wie alle anderen Systeme. Ihr Metaphysikverlust, ihr ungelöstes Leib-Seele-Problem und Logik-Ethik-Problem, ihr Wetteifern mit den Naturwissenschaften usw. sind Symptome ihrer Krise.

Auch die Aufklärung hat nicht gehalten, was sie versprach. Der heutige Mensch ist weder aufgeklärt noch mündig. Der Mensch hat kein Vertrauen, keine Willenskraft, keinen Mut, ist voller Zweifel, unsicher, unentschlossen, unbefriedigt. Zwar haben Philosophen des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere Phänomenologen, Existenzphilosophen und Dialogiker vielfach auf den Riss im Denken und im Seinsverständnis des Menschen hingewiesen und ein radikales Umdenken gefordert, jedoch ist in Hinblick auf den Menschen und sein Denken nichts gewonnen:

Riss im Denken

Das Sein des Menschen ist brüchig.

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Selbsterkenntnis und Herzerkenntnis

Faktisch ist der ideengeschichtlichen Entwicklung des abendländischen Menschen eine Herabwürdigung des Geistes zu einem bloßen Werkzeug rationalen Denkens und in gleicher Weise eine Reduktion des Herzens zu einer bloßen Metapher irrationalen Fühlens zu entnehmen. Gerade am Thema Herz lässt sich der Riss im Denken wunderbar aufzeigen, die Kluft zwischen Denken und Herz darlegen. Um das Leben oder die Realität aktiv mitgestalten zu können, bedarf es Herzenskräften und -qualitäten. Meines Erachtens geht die Thematisierung der brüchigen Denk- und Seinsweise unweigerlich mit der Thematisierung des Herzens einher. Wir sind unsicher, weil wir unwissend sind. Wir können nur wissen und erkennen, wenn wir uns selbst kennen. In dem Bezugsverhältnis Mensch-Welt-Gott ist die Selbsterkenntnis an Welterkenntnis und Gotteserkenntnis gekoppelt. Wird Selbsterkenntnis von den anderen Erkenntnis- und Erfahrungsebenen abgekoppelt, bleibt sie allein, der Egologik verhaftet. Die Selbstkenntnis bildet die Basis für meine Gewissheit und mein Vertrauen. Teil der Selbstkenntnis ist die Herzkenntnis. Es gibt keine Erkenntnis ohne die Herzkenntnis. Der Mensch kennt sich, sein Herz und seine schöpferisch-kreativen Kräfte nicht, es mangelt an Herzensbildung, es fehlt an der Einsicht ins eigene Können und Wollen. Kardiagnosie (der Bezeichnung liegt das Griechische Wort für Herz kardia zugrunde) bedeutet Herzkenntnis und Menschenkenntnis in einem, Herzensschau im Sinne dessen, dass ich den Menschen kenne. Wenn ich mein eigenes Herz kenne, kenne ich das Herz meines Mitmenschen.

Wie uns das Herzwissen zur Wahrheit führen kann

Außerdem macht es keinen Sinn, seinen eigenen Kern nicht zu kennen und den Kern anderer Dinge berühren zu wollen.

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Egologik, Dialogik, Herzenslogik

Wir müssen mit unseren Denkgewohnheiten brechen und unsere Sicht erweitern, um Strukturen und größere Ordnungsprinzipien erkennen zu können, um weitere Zusammenhänge und Logikebenen zu entdecken. Der Vergleich der drei Logiken – Egologik, Dialogik, Herzenslogik – erfordert eine Weitung des Logikbegriffs, verweist auf weitere Logikebenen und auf eine Metalogik. Aus der Sicht der Dialogik lassen sich die Strukturen und Probleme der Egologik vollkommen offenlegen, aus der Sicht der Egologik nicht.

EGOLOGIK – Ein Riss durchzieht das Dasein des Menschen, das Wollen, Denken, Fühlen und Handeln, eine Ausrichtung auf das Ganze fehlt. Risse, Spaltungen, Entzweiung, Dualität, Polarität, das Prinzip »Teile und herrsche« – Monotheistische Religionen, Monokultur, Monogamie – alles produzierte Monopole der Ego-Logik. Die Egologik kann nur aus der Spaltung heraus existieren, Spaltung ist ihr Nährboden. Der grundsätzliche Konflikt äußert sich in der antagonistischen Denkweise, in der entweder der Geist über die Materie oder diese über den Geist gestellt wird. Im Kampf der Tugenden mit den Lastern werden der sterbliche Leib der unsterblichen Seele, das Weib dem Manne, das Fühlen dem Denken, das Herz dem Kopf, alle anderen Sinne dem Gesichtssinn untergeordnet.

DIALOGIK – Der Name ist auf die Dialogische Philosophie zurückzuführen. Das dialogische Denken – Dia-logos – entspringt dem Seinsverständnis, dass alles Seiende unmittelbar miteinander verbunden ist, zueinander in Beziehung steht und dass Sein immer das Mit-Sein, folglich das Miteinander-Sein impliziert. In diesem Denken existieren Logik und Ethik als Seinslogik und Seinsethik.

HERZENSLOGIK – Die Logik des Herzens entspringt einem weiteren Ordnungsprinzip. Hier ist der Bezug zum Ganzen maßgeblich. Die Herzenslogik ist herzmittengegenwärtig und wissend, jenseits von gut und böse, jenseits von Nation, Religion, Rasse, Klasse, Geschlecht. Die Herzenslogik ist vorgedanklich und prä-reflexiv wissend. Das Herz wird als ein Organ der Erkenntnis auch von dem Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal betont. Er setzt der methodischen Denkweise eine intuitive Erfassungsweise des Geistes entgegen. Der Geist der Intuition – der Geist des Feinsinns – wird bei ihm mit dem Herzen gleichgesetzt.

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Das Herz ist eine Kräfte vereinende Mitte, unsere Geistmitte sowie unsere leibliche Mitte in dem Kopf-Herz-Bauch-Gefüge. Das Herz ist unser Kommunikationsorgan. In der Wahrnehmungsebene des Herzens kreuzen sich Natur und Kosmos, Materie und Geist, das Männliche und Weibliche. Der direkte Bezug des Herzens zum Kreuz kennzeichnet jenen wahrnehmbaren Verbindungsmoment zweier horizontal und vertikal fließender Energien/Prinzipien und ist beispielsweise im aztekischen Wort yollotl zugegen, das »Herz« und »Mitte des Kreuzes« zugleich bedeutet. Das Herz ist aber auch unser Organ der Gewissheit und das Organ der Erinnerung/Wiederbeherzigung.

Zum Schluss dieser philosophischen Reflexion ist es mir wichtig, die Bedeutung des Herzens einfach auf Kern, Mark, Mitte und Innerstes zu reduzieren. Es bleibt bei dem Auftrag der Erkenntnis – die Aufgabe ist, selbst auf den Kern einer jeden Sache zu gehen, es nach der Prüfung auf Herz und Nieren selbst zu wissen. Ziel des Philosophierens ist, das Herz der Dinge zu berühren.

Die Philosophie des Herzens ist auf meiner langjährigen Forschungsreise zum Phänomen des Herzens entstanden. Das Buch, die ehemalige Magisterarbeit, habe ich in einer bestimmten Grundstimmung geschrieben, die Fragen, wie es um den Menschen steht, wie es dem Menschenherzen geht, aus dieser heraus gestellt. In der Grundstimmung sind wir dem Dasein am nächsten. Den Ausdrucksmöglichkeiten der Stimmung sind keine Grenzen gesetzt. Besonders zum Ausdruck gebracht ist sie in der Kunst, zu der auch die Dichtung gehört. Mein Schlusswort würde ich gerne deshalb einem Gedicht meines Freundes AL überlassen, welches meine derzeitige existentielle Stimmung treffender nicht beschreiben könnte:

Wir brauchen Herzen von Liebe getragen,
stählerne Herzen, die alles ertragen,
Herzen geschmiedet aus siedender Glut,
Herzen geschmiedet aus Wille und Mut,
dann kommt die Zeit, alles wird gut.

Ilknur Özen

Zur Autorin

Ilknur Özen, M.A. Philosophie und Erziehungswissenschaften. Autorin von »Philosophie des Herzens« und »Herzgeometrie Mandalas«, Mitherausgeberin der Anthologie »herzsichtig?!«. Zur Zeit arbeitet sie an einem Kunstprojekt mit. Sie ist die Inhaberin von Verlag & Galerie Vollherzig und Herausgeberin der »Denkstahl Edition«.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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