Entwirrung der Gefühle

Entwirrung der Gefühle

Warum Schmerz gut ist

Autor: Ronald Engert
Kategorie: Philosophie / Anthropologie
Ausgabe Nr.: 47

 

Beziehungen zwischen Menschen sind eine Quelle von Verwirrung und kontroversen Ideen. Noch verworrener wird es, wenn es um die Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau geht und wenn diese obendrein mit der spirituellen Sphäre vermischt werden. Der Autor plädiert für eine Unterscheidung der Sphären und konstatiert die Realität der Abhängigkeit, die in der Liebe etwas Gutes ist.



Beziehung und Schmerz

 

Viele kennen die klassische Situation, wenn der Mensch, den man liebt, sich von einem abwendet. Man befindet sich in einer Partnerschaft und der Partner/die Partnerin lernt jemand anderes kennen. Es entsteht Eifersucht,Wut, Verlustangst, Schmerz.
Natürlich gibt es für jedes dieser Gefühle in dieser Situation eine pathologische Variante. Diese wird sehr oft in den Fokus genommen und verurteilt. Ich möchte mich jedoch hier mit der nicht-pathologischen Phänomenologie dieser Gefühle beschäftigen.

Moderne Zeiten

Gerade in heutiger Zeit gilt in den fortgeschrittenen spirituellen Kreisen das Schlagwort der »bedingungslosen Liebe«. »Wahre Liebe lässt frei.« Wenn der andere gehen will, lass ihn gehen. Wenn Du dabei Schmerz empfindest, ist das ein Mangel auf deiner Seite, denn wer in sich ruht und mit sich selbst zufrieden ist, empfindet keinen Schmerz, sondern freut sich im Gegenteil darüber, dass der andere nun mehr Glück oder mehr Zufriedenheit woanders findet. Uns wird gesagt, wir sollen uns selbstlos an dem Glück des anderen erfreuen, egal, wo er es findet. Ich lasse also meine Partnerin gehen und verweile alleine im Stillen. Besonders fortgeschritten ist man, wenn man die Romanze der beiden noch aktiv mit unterstützt.
Die Realität sieht leider in den meisten Fällen anders aus. Früher oder später fällt diese unangehaftete Perspektive in sich zusammen und die altbekannten Gefühle von Schmerz,Wut und Eifersucht bahnen sich ihrenWeg an die Oberfläche. Die Zivilisationen nahezu aller Völker haben aus diesem Umstand Verhaltensmaßregeln abgeleitet, die die Treue und das Verbot von Ehebruch beinhalten. Allzu zahlreich sind die Beispiel, wo eine simple Untreue gegenüber dem Ehe- bzw. eheähnlichen Partner zu einer Lawine der Zerstörung geführt hat. Gefühle sind verletzt, die Beziehung geht kaputt, es bedeutet finanzielle und wirtschaftliche Einbußen, indem Häuser verloren gehen, Firmen zerschlagen werden, Projekte scheitern. Die Familien zerbrechen. Und manchmal führt es zu Gewalt bis hin zu Mord und Totschlag.
Ein berühmtes Beispiel ist der Raub der Helena durch Paris.Menelaos, ihr Ehemann und König von Theben, war so gekränkt und erbost, dass er den Trojanischen Krieg vom Zaune brach, der etliche Jahre lang erbittert ausgefochten wurde, mit einem gigantischen Materialaufwand und dem Verlust einer unbekannten Zahl von Menschenleben. Er führte schließlich zum Untergang von Troja. Das alles wegen Eifersucht.

Heute nun öffnen sich die Menschen mehr und mehr den spirituellen Sphären und studieren zu diesem Zwecke die alten spirituellen Kulturen, auch und gerade Asiens. Diese sind noch neu für uns Westler und gerade für diejenigen unter uns, die von der althergebrachten christlichen Religion enttäuscht sind und nach neuen Ufern streben, sind diese außereuropäischen Kulturen sehr interessant. Gegen diese Kulturen ist gar nichts einzuwenden. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass wir uns im Westen diesen Überlieferungen als Außenstehende nähern, die zwar große Aufgeschlossenheit und Bereitschaft an den Tag legen, jedoch auch keinerlei Wissen und Vertrautheit mit diesen buddhistischen, hinduistischen oder daoistischen Kulturen haben.Wir sind Unwissende, deren Verständnis von diesen Kulturen notgedrungen eine gewisse Oberflächlichkeit besitzt. Auf diese Weise werden die diesen Kulturen innewohnenden Verständnisse und Gepflogenheiten von außen wahrgenommen und zunächst mental verarbeitet. Es findet eine Vereinfachung und eine Intellektualisierung statt. Diese Intellektualisierung ist den meisten von uns nicht in der Gänze ihres Ausmaßes bewusst. Sie bedeutet, dass aus der organischen lebensweltlichen und kulturellen Ganzheit einer gewachsenen Zivilisation eine Lehre, eine Philosophie oder eine Weltanschauung extrahiert wird. Die Leugnung dieser Intellektualisierung begegnet uns häufig in der Gestalt der Ablehnung von Intellekt überhaupt. Indem ich esoterisch das intellektuelle Denken ablehne, entbinde ich mich von dem Verdacht, selbst zu intellektualisieren. Es ist dies die klassische Projektion nach außen.
Alle diese Manöver sind nicht ganz falsch, aber sie sind auch nicht ganz richtig. Es sind vielmehr Halbwahrheiten, die aber unter Umständen mehr Schaden anrichten können als ganz falsche Aussagen. »Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint.« […]

 

Den kompletten Artikel finden Sie in der Tattva Viveka Ausgabe 47

 

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