Tattva Viveka Magazin
 

Lieben ist eine politische Aufgabe

Lieben ist eine politische Aufgabe

Langjährige Gemeinschaftserfahrung im ZEGG

Autor: Achim Ecker
Kategorie: Gemeinschaften/Projekte
Ausgabe Nr: 91

Gemeinschaft unterliegt immer bestimmten Entwicklungsprozessen. Ob diese zu mehr Gemeinschaft oder mehr Individualität führen, liegt nicht zuletzt an den Bewohnern vor Ort. Achim Ecker berichtet von fast vier Jahrzehnten, die er im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG) im brandenburgischen Bad Belzig verbracht hat, und von den Schwierigkeiten, den Geist der Anfangsjahre in einer sich entwickelnden Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

»Lieben ist eine politische Aufgabe.« So etwa kann man heute zusammenfassen, wofür wir in der »Bauhütte« angetreten sind.

Als Dieter Duhm 1978 die Gemeinschaft gründete, ging es um die Entwicklung einer Kultur ohne Zerstörung und Gewalt.

Seither sind wir einen weiten Weg gegangen. Von einer in die Tiefe gehenden Selbsterforschung zum Beispiel im »Sozialen Experiment« und intensiver Gemeinschaftsbildung und Kulturarbeit im Schwarzwald bis hin zu einem gut angesehenen und bekannten Seminarzentrum in Bad Belzig, dem ZEGG.

Lieben ist eine politische Aufgabe

Baustelle auf dem Gelände

Ich war begeistert, als ich 1984 die Bauhütte fand und »Aufbruch zur neuen Kultur« von Dieter Duhm las. Damals, 24-jährig, folgte ich dem Motto: Ich bleibe dabei, solange mir nichts Relevanteres für den Frieden zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur begegnet. Ich lebte und lernte in Gemeinschaft, erforschte meine Sexualität und Beziehungsbilder, bereiste die Welt, beriet mit meiner Partnerin Ina Meyer-Stoll unzählige Gemeinschaften und verbreitete unsere Kommunikationsform, das Forum[1], in vielen Ländern und Kontinenten. 38 Jahre lang war ich am richtigen Platz zum Leben und Wirken. Jetzt hat sich manches geändert, sodass ich glaube, von dem Ort, den ich über drei Jahrzehnte lang mit all meinem Einsatz ökologisch und sozial aufgebaut und zum Blühen gebracht habe, weiterziehen zu müssen. Die Gemeinschaft, die den Platz und den Seminarbetrieb trägt, hat nach meiner Wahrnehmung ihre Kraft und ihren Kern verloren. Im Folgenden beschreibe ich den Prozess der Veränderung exemplarisch, so gut ich kann. Es sind Prozesse, die in vielen Gemeinschaften und Gruppen ähnlich ablaufen.

Wie es anfing

Um eine friedvolle Welt zu schaffen, ist es wichtig, herauszufinden, warum sie noch nicht friedlich ist. Also suchten wir intensiv nach dem Grund dafür, dass Menschen ihre Liebe verraten und grausam handeln. Wenn es nicht nur einige »böse« Menschen sind, die sich gegen das Gute, Wahre und Schöne verschworen haben, müssen wir unweigerlich auf uns selbst schauen.

Was tragen wir in uns, das Hass, Feindschaft und Ausgrenzung Andersdenkender bis heute ermöglicht und hervorbringt?

Können wir verhindern, dass das innere Monster wieder ausbricht wie im Faschismus?

Gemeinschaftsleben bedeutete für uns eine Ausbildung, bei der man eine konstruktive Haltung trainiert. Der zunehmenden Individualisierung sollte etwas entgegengesetzt werden, zum Beispiel das »Ich will« hintanstellen und dem »Es will« zu folgen. Uns ging es um die Wiedereingliederung des Menschen in einen sozialen Raum, in dem die Einzelnen erfahren, dass sich nicht alles nur um sie selbst dreht. Stattdessen übernahmen wir soziale Verantwortung.

Ein bestimmtes Image oder festes Selbstbild zu haben, steht letztlich immer dem Einen, der Liebe im Weg.

Thomas Hübl drückte es später so aus:

»Was wir Persönlichkeit nennen, ist die Summe unserer Neins zum Leben.«

Wir schaffen uns eine Persönlichkeit, einen »Jemand« aus einer Mangelstelle in uns heraus. Dort sind wir nicht genug und entwerfen uns ein Bild, mit dem wir genug sind.

Heute ist dieser Narzissmus prägend geworden für eine Single-Kultur.

Gemeinschaft dagegen bedeutet soziale Rückkopplung, die mir ermöglicht, mich immer feiner darauf auszurichten, dass mein Handeln dem Ganzen (und damit auch mir) dient.

Was bin ich bereit für das Neue, das kommen soll, zu investieren?

Was war an der Gemeinschaft vor dem ZEGG wichtig?

Dieter Duhm ist bis heute ein großer Visionär und Liebender. Seine Vision, sein Geist und sein großes Herz für die Menschen und das Lebendige trugen uns über viele Jahre durch einige der Untiefen unseres Lebens hin zu verbindenden gemeinschaftlichen Erfahrungen. Die Zeit verflog und dehnte sich gleichzeitig ins Unendliche aus. Er war der Versuchsleiter in diesem Experimentallabor, und wir lernten sehr viel von ihm. Er prägte einen geschützten und gehaltenen Raum, in dem wir gesellschaftliche, familiäre und persönliche Muster ablegen und neue Erfahrungen machen konnten. Am Eingangstor der »Bauhütte« vom Gut Rosenhof in Schwand stand eine handgeschriebene Tafel, die die Besucher und Gäste willkommen hieß: »Lieber Besucher, du betrittst das Innere eines Kulturkristalls. Lege beim Eintritt alle geistigen Platten und Vorstellungen ab.« Wir trainierten unsere Ausrichtung auf eine andere Welt, ein anderes Dasein, auf ein Leben in Frieden und Verbundenheit. Wir lernten, uns zu lieben und füreinander einzustehen.

Langjährige Gemeinschaftserfahrung im ZEGG

Achim Ecker erklärt einer internationalen Gruppe den Bodenaufbau

Der politische Gedanke war für mich äußerst wichtig in dieser Zeit, als ich viele meiner mitgebrachten Selbstbilder ablegen und Weltbilder erweitern konnte. Dieter Duhm hatte in seinen häufigen Ansprachen und Vorträgen immer den Blick auf die Welt dabei. Als innerdeutsches Flüchtlingskind hatte er selber Ausgrenzung und Gewalt und eine zerrüttete Gesellschaft erfahren. Diese Erlebnisse schärften seinen Blick und sein Mitgefühl für die Situation so vieler Menschen weltweit. Daraus entwickelte er seinen starken Liebes- und Heilungsimpuls.

Das war nur der Anfang des Artikels.

Wie sich das ZEGG nach der Gründung weiterentwickelte und ob die Gemeinschaft ihre ursprünglichen Ideale beibehalten konnte, liest du im vollständigen Artikel in der Tattva Viveka 91. Auch als ePaper einzeln zum downloaden für 2,00 € (Pdf, 10 Seiten).

Lieben ist eine politische Aufgabe (PDF)

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Achim Ecker
Lieben ist eine politische Aufgabe

Gemeinschaft unterliegt immer bestimmten Entwicklungsprozessen. Ob diese zu mehr Gemeinschaft oder mehr Individualität führen, liegt nicht zuletzt an den Bewohnern vor Ort.
 


 

Artikelnummer: TV091e_06 Kategorie: Schlagwort:

Kompletter Artikel im PDF-Format (10 Seiten)

 
 

Über den Autor

Unser Autor Achim Ecker

Achim Ecker lebt, liebt und wirkt seit drei Jahrzehnten im ZEGG als menschlicher und geistiger Inspirator und Trainer, Planer, Handwerker, Permakulturist. Er hat den sozialen Boden gepflegt für eine lebendige und innovative Gemeinschaft. Ihm ist wichtig zu sehen, wie der Krieg im Inneren korrespondiert mit dem Krieg in der Welt.

Webseiten: zegg-forum.de / zegg.de

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[1] Das Forum wurde von Dieter Duhm nach seinem Aufenthalt am Friedrichshof entwickelt, indem er die dortige »Selbstdarstellung« abwandelte. Bis heute hat es sich über viele Phasen hinweg verwandelt und stetig erweitert. In seiner Essenz ist es jedoch gleichgeblieben: ein vertrauensbildendes Werkzeug für Transparenz und soziale Rückkopplung in Gruppen (siehe auch: www.zegg-forum.org).

 

Bildnachweis: © Achim Ecker, Georg Lohmann

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