Und sie erkannten sich

Und sie erkannten sich

Wie eine angemessene sexuelle Beziehung zwischen den Geschlechtern zu mehr Frieden auf Erden führen kann

Als langjährige Aktivisten und Gründer der Gemeinschaft Tamera setzen sich Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels für die Heilung von Liebe und Sexualität ein und engagieren sich für die Aufhebung der Trennung von Eros und Religion. Darüber schrieben sie vor wenigen Jahren das Buch »Und sie erkannten sich. Das Ende der sexuellen Gewalt«. Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt daraus.

Wir, die Autoren dieses Beitrages, leben seit 40 Jahren zusammen. Wir trafen uns vor 40 Jahren in Süddeutschland und haben uns instinktiv miteinander verbunden, tiefer, als wir es damals wussten. Es war nicht einmal Liebe auf den ersten Blick, sondern eher eine langsame und kontinuierliche Treue, die schließlich auch die schwierigsten Bewährungsproben bestanden hat. Was ist es, das zwei Menschen für immer zusammenführt? Je näher wir uns kamen, desto mehr spürten wir, dass wir es mit einem Thema der ganzen Welt zu tun hatten. Was zwischen zwei Liebenden geschieht, geschieht in der einen oder anderen Form überall auf der Erde. Denn nichts quält uns mehr als die Verzweiflung in der Liebe, und nichts ist schöner als eine Liebe, die in Erfüllung geht.

Wir haben beides durchlaufen, aber es gab einige Dinge, die uns immer fester zusammenbrachten: Das war unsere gemeinsame Freude an der sinnlichen Liebe – auch mit anderen, und die Erfahrung, dass daraus keine Eifersucht entstand. Dann unser gemeinsames Engagement in der Friedensbewegung und schließlich unser absoluter Glaube aneinander. In dieser ungewöhnlichen Kombination beschlossen wir gemeinsam, ein Projekt für die Heilung der Liebe einzuleiten. Irgendwo steht der schöne Satz geschrieben:

»Himmel und Erde sind aus einer ursprünglichen Brautnacht hervorgegangen.«
Wäre das nicht eine schöne Grundlage für einen neuen Schöpfungsbericht?
Er begänne nicht mit dem Sündenfall von Adam und Eva, sondern mit ihrer Liebe.

Unabhängig von allen Geschlechterthemen unserer Zeit, unabhängig von unserer momentanen sexuellen Identität steht im Kern der menschlichen Gesellschaft das Zusammenleben der Geschlechter. Ihre Anziehung oder Abstoßung, ihre sexuellen Signale und Verkabelungen, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen ziehen sich wie ein geheimes Nervensystem durch die ganze menschliche Gesellschaft. Mann und Frau – die beiden Hälften des Menschen sehnen sich nacheinander, verfehlen sich, bekämpfen sich und suchen sich, bis sie sich gefunden haben. Sie müssen sich finden, nicht nur zu zweit, sondern weltweit, denn erst dann kann die tiefste aller Wunden heilen, die Wunde in der Liebe.

Eindrücklich und mitfühlend treffen sich eine weibliche und männliche Perspektive zum Thema Sex und verschmelzen zu einer Einheit. Wie genau das aussieht, kannst Du im vollständigen Artikel am Ende des Beitrags nachlesen.

Eros und Religion

Eine heilende Bewegung wird durch die ganze Evolution gehen, sobald die ersten Menschen und Gemeinschaften in der Lage sind, die sexuellen und die spirituellen Kernkräfte des Lebens harmonisch zu verbinden. Die Kräfte von Religion und Spiritualität standen in der bisherigen Kulturtradition außerhalb der leiblichen Kräfte von Sex und Eros. Ungeheuer tief ging die Spaltung zwischen Geist und Körper in fast allen religiösen Strömungen. Die im Namen Gottes vollzogene Abkehr vom Körper und alleinige Hinwendung zum Geist ist die historische Reaktion auf die Schwierigkeiten mit der sinnlichen Liebe . Kirchenvater Augustin hat in seinen »Bekenntnissen« diesen Vorgang gründlich beschrieben. Er war vom Dämon des Sexus so sehr verfolgt, dass er sich nur noch durch ein totales Verbot dagegen behaupten konnte. Hier liegt der wahre Ursprung für die Verachtung der Sexualität: Sie war schlicht zu mächtig. Vor diesem psychologischen Zusammenhang erscheinen die von allen Großreligionen verordneten grausamen Bestrafungen weiblicher Sexualität, die Steinigungen, Hexenverbrennungen und vieles andere in einem neuen Licht.

Zur neuen Matrix gehört definitiv und für immer ein neues Verhältnis von Eros und Religion. Mit Religion meine ich nicht das, was uns überliefert worden ist, sondern ich meine eine Form des wiedervereinten Lebens.

Religion und Eros kommen beide aus derselben Urquelle des Lebens.

Dort sind die himmlische Liebe und die erotische Liebe für immer vereinigt. Dazu ein Zitat von Walter Schubart aus seinem Buch »Religion und Eros«: »Das Religiöse und das Geschlechtliche sind die beiden stärksten Lebensmächte. Wer sie für ursprüngliche Widersacher hält, lehrt die ewige Zwiespältigkeit der Seele. Wer sie zu unversöhnlichen Feinden macht, zerreißt das menschliche Herz. Und es ist zerrissen worden! Wer über Religion und Eros nachsinnt, muss den Finger an eine der schmerzlichsten Wunden legen, die in der Tiefe des Menschen blutet.«

Die Akzeptanz unserer Wildnatur und Wollust, unserer göttlichen Animalität ist eine Bedingung für eine Welt ohne Krieg. Warum? Lies nach im vollständigen Artikel – ganz unten findest Du den Link zum Pdf!

Die Urliebe

Der Eros ist der Ursprung, die tiefe Quelle, aus der immer Neuschöpfung geschieht. Mann und Frau sind Ausdruck der polaren Kraft der Welt, die alles Leben hervorbringt.

Im Tiefsten ist der gesamte Schöpfungsvorgang ein erotischer Liebesakt.

Die Erde entstand aus einem Zeugungsvorgang des männlichen und des weiblichen Aspektes der Welt – wenn wir so wollen, von Gott und Göttin. Das Leben ist das Kind ihrer Liebe.

Der männliche Aspekt will immer tiefer eindringen in den Leib, in die Materie, und der weibliche will liebend erkannt und durchdrungen sein.

Im Zentrum sind sie eine Einheit.

Die Frau – das Weibliche in uns – ist unmittelbar verbunden mit dem Körperlichen, der Materie. Sie lässt ihren Körper sprechen – für sie ist es der Tempel des Geistes – in der Art, wie sie sich bewegt, wie sie bei einer Pflanze verweilt und plötzlich deren Wesen versteht. Es ist ein hoher Zustand der Gegenwärtigkeit. Die Frau will von ihrem Wesen her einfach lieben. Sie will immer kommunizieren, ihr ganzes Wesen ist auf Kooperation ausgerichtet. In diesem Raum gibt es keine Gewalt und keine Feindschaft, keine Angst und keine Notwendigkeit, sich zu schützen. Es gibt nur Kontakt.

Der Mann – das Männliche in uns – will denkend erfassen, aktiv greifen und begreifen. Der Mann hat seinen Anker im geistigen und metaphysischen Bereich. Von dort wendet er sich der Materie zu, dem Fleisch, dem Weiblichen. Wenn dieser Vorgang ungestört läuft, dann ist Friede, dann entsteht religio: Rückbesinnung auf unsere Quellen, Religion der Verbundenheit.

Interessiert dich, welche Beziehung Sex und das Heilige zueinander haben? Bestelle die vollständige Textfassung über den Link und erfahre mehr aus Sicht der Autoren!

Wird es in einer neuen Kultur noch Religionen geben? Eines ist sicher: In den Tempeln, Kathedralen und Altären der Zukunft werden die Elementarkräfte von Eros und Sexualität nicht mehr unterdrückt, sondern die Heiligkeit des Eros steht im Zentrum der humanen Kulturen, zelebriert und geachtet.

So spricht in mir das ewig Weibliche:

Eros und Religion sind die beiden Grundkräfte, die zusammenkommen müssen, damit Heilung geschehen kann. Denn ich HABE nicht nur eine Seele – ich BIN Seele. Ich bin eine Seele, die der göttlichen Kraft einen Wohnsitz bieten möchte. In der Kabbala nennt man mich Scheschina – die Seele oder das Haus Gottes.

Als Seele habe ich mich in einem Körper beheimatet. Das ist gemeint mit den Worten: Das Wort ward Fleisch. An dieser Spannung zwischen Logos und Eros – Wort und Leiblichkeit – entscheidet sich etwas, an dem die ganze Menschheit entweder aufersteht oder zugrunde geht. Die sexuelle Welt und die göttliche Welt wollen sich in mir als Einheit zeigen. Dieses Wunder möchte in allem Irdischen, Leiblichen, Menschlichen wiedererkannt und gesehen werden. In meinem Fleisch liegt das Geheimnis des Sexus. In dem Moment, wo der Mann dies in mir wahrnimmt, wo er meine Seele leiblich erfassen kann, beginnt mein großes Leuchten. In diesen Momenten werden beide Leiber vom Wunder der sexuellen Liebe durchdrungen. Und sie erkannten sich: In diesem Moment bin ich angekommen!

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über Lichtenfels‘ und Duhms Gedanken zum Zusammenleben der Geschlechter.

Lesen Sie die vollständige Fassung im Tattva Viveka Sonderheft Sexualität oder downloaden SIe diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € (Pdf, 9 Seiten).

Und sie erkannten sich

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Sabine Lichtenfels und Dr. Dieter Duhm
Und sie erkannten sich
Wie eine angemessene sexuelle Beziehung zwischen den Geschlechtern zu mehr Frieden auf Erden führen kann

Als langjährige Aktivisten und Gründer der Gemeinschaft Tamera setzen sich Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels für die Heilung von Liebe und Sexualität ein und engagieren sich für die Aufhebung der Trennung von Eros und Religion. Darüber schrieben sie vor wenigen Jahren das Buch »Und sie erkannten sich. Das Ende der sexuellen Gewalt«. Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt daraus.
 


 

Artikelnummer: TVS02_01e Kategorie: Schlagwörter: ,

Kompletter Artikel im PDF-Format (9 Seiten)

 
 

Über die Autoren

Die Autoren Dieter Duhm & Sabine Lichtenfels

Sabine Lichtenfels und Dr. Dieter Duhm sind seit über 40 Jahren ein Paar im Rahmen der freien Liebe. Und sie sind mehr als das: Sie sind Partner im Aufbau eines Projektes, das ebenfalls seit 40 Jahren an dem Modell einer Friedenskultur arbeitet: Tamera, das Projekt der globalen Heilungsbiotope. Im Umfeld ihrer Partnerschaft ist ein großes Netzwerk entstanden, zu dem Gemeinschaften, Friedensinitiativen sowie ökologische, spirituelle und soziale Forschungsprojekte gehören; durch ihr Beispiel und ihre Hilfe wurden Hunderte, ja Tausende von Menschen dazu inspiriert, Alternativen zum kapitalistischen System zu suchen, ihren Weg in der Liebe zu hinterfragen und sich für mehr Wahrheit und Vertrauen zu entscheiden. Durch sie öffneten unzählige Menschen überhaupt die Augen dafür, dass eine andere Welt, ein anderes Leben nicht nur möglich sind, sondern bereits existieren.

Webseiten: Tamera.org, sabine-lichtenfels.com

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