Tattva Viveka Magazin
 

Beteiligung ist das Herz der Demokratie

Beteiligung ist das Herz der Demokratie

Wie die Prinzipien der Gemeinschaftsbewegung in der Gesellschaft angekommen sind

Autor: Dieter Halbach
Kategorie: Gemeinschaften/Projekte
Ausgabe Nr: 91

Das Leben von Dieter Halbach ist geprägt von der Hippie-Bewegung, der Anti-Atom-Bewegung, der Gründung des Ökodorfes Sieben Linden und seinem Engagement für »Mehr Demokratie«. Wir sprachen mit dem Früh-68er über seinen Lebensweg in der Gemeinschaftsbewegung und seine Vision, durch kollektive Intelligenz authentisches Menschsein in der Gesellschaft zu fördern.

Tattva Viveka: Dieter, bitte erzähle uns ein bisschen von deiner Geschichte. Wann fing deine Gemeinschaftserfahrung an und wo lebst du heute?

Dieter Halbach: Ich wuchs in Berlin auf, sehr isoliert, nur mit meiner Mutter in einem Hochhaus. Es bestand ein großer Spalt zwischen der Welt und mir, aber ich hatte das Glück, im Alter von 15 oder 16 Jahren die 68er-Zeit und vor allem die Hippie-Bewegung mit Musik und Sinnlichkeit zu erleben. Das hat mich entflammt, und so fuhr ich auf meinen Tramptouren Ende der 60er auch zu Landkommunen und zog in eine WG. Das war eine Aufbruchszeit, über die ich sehr froh bin.

Ich konnte zum Beispiel bei einem Lehrer meiner Schule in dessen Kommune übernachten. Sie brachten mir Gitarrespielen bei und revolutionierten die gesamte Schule. Wir machten auch Unterricht im von Jugendlichen besetzten Georg-von-Rauch-Haus (benannt nach dem am 4.12.1971 von der Polizei erschossenen jungen Stadtguerillero).

Die 68er haben mich gerettet.

Es war eine viel breitere Bewegung als das, worüber man heute spricht, denn man engt es vorwiegend auf die Studentenrevolte ein.

Aber es ging tatsächlich um ein anderes Leben.

Mit diesen Lehrern gelang es mir, mein Abitur zu machen, was zur Frage führte: Gibt es ein Leben nach dem Abitur?

Ich stürzte mich in die undogmatische linke Sponti-Bewegung, deren Anhänger aus den 68er-Jahren heraus andere Lebensformen gewählt haben. Sie gründeten Männergruppen mit schrecklichen Latzhosen, und wir bedienten uns so einiger Klischees. Aber im Kern war es der Gedanke vom Leben in Gemeinschaft. Ich ging diesen Weg, um europaweit Gemeinschaften kennenzulernen und um den Gemeinschaftsgedanken in die sozialen Bewegungen hineinzutragen. Ein großes Schlüsselerlebnis war die Anti-Atom-Bewegung, die mich sehr prägte, sowohl in Richtung Gewaltfreiheit als auch in die Richtung, dass man eine breite gesellschaftliche Verständigung benötigt.

Ich lebte eine Zeit lang im Wendland und pendelte in dieser Zeit zwischen Berlin und dem Wendland hin und her. Dort baute ich gemeinsam mit Bauern und Hausfrauen eine Bewegung auf. Die Einheimischen hatten große Angst, dass die bunten Menschen, die aus den Städten kommen, eine Revolution anzetteln, während die Bauern untergehen. Ich glaube, dass das auch ein Schlüsselpunkt der Anti-Atom-Bewegung war, denn es ist ihr gelungen, auf der Basis von Gewaltfreiheit und Kooperation eine breite Verständigung herzustellen und Freundeskreise zwischen Stadt und Land zu bilden.
Später bauten wir auf unserem besetzten Platz in Gorleben im niedersächsischen Wendland 33 Tage lang ein Dorf, und das war natürlich meine Passion. Ich hätte Karriere bei den Grünen machen können, die sich zu der Zeit gründeten, oder in der gewaltfreien Bewegung, die mich darum baten, das gewaltfreie Aktionszentrum im Wendland zu leiten. Aber ich wollte das Leben pur. So ging ich in die Berge in der Toskana und lebte zehn Jahre lang als Selbstversorger.
Das war eine harte Zeit, und ich lernte die Grenzen von Gemeinschaften kennen, jedenfalls von kleinen Gemeinschaften, die sich isolieren. Diese Gemeinschaft ist daran kaputtgegangen. Gleichzeitig haben sich auch meine Partnerschaft und Familie aufgelöst. Deshalb ging ich mit der Wende zurück nach Deutschland, gründete mit vielen Menschen aus Ostdeutschland den Ostverband Ökodorf und arbeitete dort im Büro. Dort entstand auch der Gedanke des Ökodorfs Sieben Linden. Aber die Idee war damals viel größer. Die PDS, also »die Linke« damals, vermachte uns Tausende Hektar Land, Dörfer und Schlösser. Es war wieder eine Zeit des Aufbruchs. Wir sprachen vor Landtagen, dass der Dritte Weg eines demokratischen Sozialismus, der eine Zeit lang möglich schien, ein Weg mit großen Gemeinschaften wäre.

Davon ist einiges übrig geblieben, für mich vor allem das Ökodorf Sieben Linden, das ich 1990 mit gegründet habe. 1997 wurde es mithilfe der Regierung, der Links-Grünen SPD-Koalition in Sachsen-Anhalt realisiert. Die SPD, die Grünen und auch die Umweltministerin, eine Freundin von uns, taten viel für uns, damit dieses Experiment, ein neues, selbstbestimmtes, genossenschaftliches Dorf außerhalb der bestehenden Siedlungen, entstehen konnte. Dort lebte ich bis 2015. Heute engagiere ich mich für das gemeinschaftliche Netzwerk hier im Fläming bei Berlin.

Ich möchte den Gemeinschaftsgedanken noch größer in die Gesellschaft und die Politik einbringen.

Das ist aktuell mein Schwerpunkt. Jetzt lebe ich in einer kleinen Künstlergemeinschaft, in einem Haus, das ich gekauft habe, aber der Gedanke ist größer geworden.

Das war nur der Anfang des Artikels.

Mehr Einblicke in Dieter Halbachs bewegtes Leben und seinen aktuellen Einsatz für Mehr Demokratie erfährst du im vollständigen Artikel in der Tattva Viveka 91. Auch einzeln zum Downloaden als ePaper für 2,00 € (Pdf, 8 Seiten).

Beteiligung ist das Herz der Demokratie (PDF)

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Dieter Halbach
Beteiligung ist das Herz der Demokratie

Wir sprachen mit dem Früh-68er über seinen Lebensweg in der Gemeinschaftsbewegung und seine Vision, durch kollektive Intelligenz authentisches Menschsein in der Gesellschaft zu fördern.
 


 

Artikelnummer: TV091e_08 Kategorie: Schlagwort:

Kompletter Artikel im PDF-Format (8 Seiten)

 
 

Über den Autor

Unser Autor Dieter Halbach

Dieter Halbach, geb. 1953 in West-Berlin, zwei erwachsene Töchter. Soziologe, Musiker und Songpoet. Früh-68er, Mitinitiator und Forscher zum gewaltfreien Widerstand der Anti-Atom-Bewegung, zehn Jahre Selbstversorger in Italien. Nach der Wende Rückkehr und Engagement für den Dritten Weg. Aufbau des »Netzwerkes deutscher Gemeinschaften« und des »Ökodorfes Sieben Linden«, seit 1990 Journalist und Berater zu Themen der Gemeinschaftskultur. Seit 2015 interkulturelle Begegnung mit Geflüchteten und Bürgerdialoge in Bad Belzig. Seit Ende 2020 Chefredakteur bei »Mehr Demokratie«.

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