Ich trage deine Unschuld

Ich trage deine Unschuld

Die drei Marien als Urbilder des Weiblichen im Werden unseres MenschenSeins

Autor: Sabine Mänken
Kategorie: Christentum
Ausgabe Nr: 70

Sabine Mänken begleitet Menschen durch Krisen, Wandlungen, Sterbe- und Werdeprozesse. In ihrer Abhandlung zu den drei Marien findet sie die Urbilder zu dem Prozess der Begleitung von Menschen vom Dunkel ins Licht. Die drei Marien sind die von Matthäus als zur Jungfrau gereifte Seele, die von Lukas als von Sünden unbefleckte Seele und Maria Magdalena als Urbild der werdenden Seele, die den Christus sucht und schaut. Diese Urbilder zeigen uns, wie wir mit anderen Menschen erlösend umgehen und unsere Unschuld wieder herstellen können.

Mystische Spurensuche in Südfrankreich

Im Sommer diesen Jahres zog es mich unwiderruflich nach Rennes-les-Chateau, unweit der nördlichen Ausläufer der Pyrenäen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist durch den Priester Bèrenger Sauniére der Name des Dorfes mit der Suche nach dem Heiligen Gral verbunden.
Die Mystik der Landschaft um das weniger als 100 Einwohner zählende Dorf wird durch die ihr eingeschriebene heilige Geometrie besonders deutlich. Im Fünfstern verbindet sich die Dorfkirche von Rennes-les-Chateau mit vier weiteren alten Kirchen, die teilweise römischen, ja sogar westgotischen Ursprungs sind. Wer sich mit dem Heiligen Gral beschäftigt, weiß, dass die Versuchung, nach einem ganz irdischen materiellen Schatz zu suchen, zu vielen bizarren Verwirrungen führen kann. So trifft man in Verbindung mit Rennes-le-Chateau auf viele Geschichten, die – wahr oder unwahr – vor allem die magische Anziehung dieses Ortes beweisen.

Eine dieser Geschichten erzählt von Maria Magdalena, die dort gewirkt haben könnte.

In der Legenda aurea, dem bekanntesten und am weitesten verbreiteten religiösen Volksbuch des 13. Jahrhunderts, ist nachzulesen, dass Maria Magdalena nach der Kreuzigung und Auferstehung des Jesus Christus dreißig Jahre lang unerkannt in Südfrankreich in einer Höhle gelebt hat, die »Sainte-Baume« genannt wird.

Diese Höhle, die heute von den Dominikanern gehütet wird, ist lange schon ein beliebter Wallfahrtsort. Und auch dort – wie in Rennes-le-Chateau – kann der, der sich einlassen möchte, mystische Orte und magische Felder finden.

In den biblischen Urbildern können wir lesen lernen, denn sie geben Hinweise auf archetypische Entwicklungen in unserer Seele.

Maria Magdalena und ihre widerspruchsvolle Rolle im Neuen Testament

Auffallend erschienen mir schon immer die zahlreichen und widersprüchlichen Interpretationen des biblischen Magdalenenbildes und ihrer Rolle als Frau an der Seite Jesu Christi. Die Auseinandersetzungen über das Wesen der Maria Magdalena wurden im Laufe der Kirchengeschichte so intensiv und engagiert geführt, dass es sich unmittelbar aufdrängt, dieses Phänomen als Frage in die Zukunft zu deuten. Im Focus der Kirchenväter – allen voran Papst Gregor I (6. Jh.) – blieben die moralischen Urteile über Sündenhaftigkeit und Wolllüstigkeit, denen die Geschichten über die Ehebrecherin und die Austreibung der sieben Dämonen (Lukas 8,2 und Markus 16,9) Vorschub leisteten. Dabei geht aus den Evangelien eindeutig hervor, dass unter den Dienerinnen Christi Maria Magdalena immer eine Vorrangstellung innehatte.

Amen, ich sage euch: Wo immer künftig in der ganzen Welt diese Heilsbotschaft verkündet wird, wird man auch von ihrer Tat sprechen und ihrer gedenken. (Matthäus 26,13)

Sie durfte ihn bei den Salbungen berühren, ist die Begleiterin seines Sterbens, die erste Zeugin des Auferstandenen und seine Botin. Was bleibt verhüllt in der Auslegung der vier Evangelien, deren begrenzte Auswahl vor allem durch den Fund von Nag Hammadi 1945 offensichtlich wurde? Welche Beziehung hat Maria Magdalena zu Jesus Christus, die ja schon durch Hippolyt von Rom im 3. Jh. als apostola apostolorum, als erste Apostolin, bezeichnet wurde, und bei Bernhard von Clairvaux im 12. Jh. ganz im Geiste seiner Zeit die mystische Braut Christi war?

Mehr über das Verhältnis von Jesus zu Maria Magdalena können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Die thronende Madonna

Beginnen wir bei den romanischen Madonnenstatuen des Mittelalters. Diese Maria sitzt auffallend aufrecht, weshalb man dieses Motiv auch die »thronende Madonna« nennt. Das Christuskindlein vor ihr – gleichsam schwebend, wodurch im Erleben des Betrachters weniger das Kind an sich als seine wesenhafte Erscheinung in den Vordergrund rückt. Maria schützt dieses Kind, ohne es dabei zu berühren. Der Raum vor ihrem Herzen wirkt offen und frei für das Kind, denn sie scheint in keiner Weise mit sich beschäftigt. Ihr Blick ist in die Zukunft gerichtet, wirkt weit und gleichzeitig innerlich. Das Jesuskindlein schaut uns an, präsent und klar. Fühlbar ist die Freiheit der Zweiheit, die durch den Raum zwischen den beiden möglich wird. Diese Maria weist in ihrer aufrechten Haltung ganz und gar auf die Entfaltung des Kindleins. Nichtsdestoweniger stellt ihre Anwesenheit einen Bezugspunkt dar, der Halt und Richtung gibt.

Unser Vater- und Muttersein gibt uns die wunderbare Chance zur seelisch-geistigen Entwicklung

Eine ausführliche Beschreibung der thronenden Madonna finden Sie im vollständigen Artikel.
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Die Maria aus dem Matthäus-Evangelium

Diese selbstlose Verbindlichkeit gegenüber dem Kind können wir als übende Selbstverpflichtung und Entwicklungschance für eine spirituell erwachende Seele begreifen lernen, so wie sie im Urbild der thronenden Maria als ein Zukünftiges aufleuchtet. Die Weisheit ihrer gereiften Seele findet ihre Entsprechung in der Maria des Matthäus-Evangeliums, die in der anthroposophischen Literatur als alte Seele bezeichnet wird, in Anlehnung an das Wirken von Schicksal und Karma aus vielen Inkarnationen. Ihre seelisch-geistige Entwicklung ist eng mit ihrem Schicksal als Mutter, dem Verlust ihres Sohnes Jesu und der Begleitung ihres Stiefsohnes verbunden. Verstehen wollend lernt sie in der Beziehung zu diesem Stiefsohn das Fremde in ihm schauen.

Auf welche Weise reift die Seele Marias? Das steht im vollständigen Beitrag. Denn können wir hier leider nicht kostenlos abdrucken. Aber für nur 2,00 € Unterstützungsbeitrag sind Sie dabei!

Im Bewusstsein der thronenden Madonna schützt und hält der Begleiter die Verbindung zwischen der Jungfrau und dem Kind. Er wird zum Hüter des Gefäßes, in dem er sich der Verbindung mit der unschuldigen Seele zur Verfügung stellt, damit das Mysterium geschehen kann. Die Geburt des Kindes braucht die bedingungslose Voraussetzung von Unschuld, für die der Begleiter nun verantwortlich ist.

Je weniger dieses bedingungslose Sein in der Kindheit erfahren wurde, desto mehr wird das äußere Leben zur unbewussten Suche nach dieser Wahrheit. Doch der Spiegel wirft uns auf uns selbst zurück. Denn im Äußeren werden wir diese Wahrheit nicht finden. In den neuen Mysterien wird die ganze Welt zum Tempel. (Margarethe von den Brink). Als allgegenwärtiger Einweihungsort spiegelt sie nur die Folgen unserer Irrungen.

In der Begleitung kultivieren wir unser Menschsein, wenn wir zum Spiegel für die Unschuld des Anderen werden. Dann gelingt diesem der Blick nach innen als bedingungslose mütterliche Umarmung der eigenen Wunden und er findet seine Beziehung zum zukünftigen ICH.

In der bleibenden Anwesenheit des Begleiters kann das Geschehen sich nun wahrhaft aussprechen, diese Beziehung von Tod und Auferstehung zum ewigen Bezugspunkt des Seins, die der Begleiter im Sinne des Magdalenen-Bildes hält. Nun kann der Klient dem Fall ins Bodenlose, seinem eigenen Sterben trauen, zu dem sein Herz Zugang hat.

Die Autorin Sabine Mänken

Über die Autorin

Sabine Mänken, geb. 1964. Studium der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft. Mutter von drei Kindern. Ausbildungen in Energiearbeit und Meditation. Zertifizierte Biographieberaterin. Seit 2010 tätig in Frankfurt. Aktives Mitglied in der Berufsvereinigung Biografiearbeit auf Grundlage der Anthroposophie e.V. Forschungsarbeit über die biographischen Gesetzmäßigkeiten im Lebenslauf Magda Goebbels. Mitherausgeberin des Buches Die verkaufte Mutter.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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