Die Evolution des Bewusstseins

Die Evolution des Bewusstseins

Ausweg aus der Krise – Teil II

Autor: Dr. Christian Brehmer
Kategorie: Biologie
Ausgabe Nr: 72

Im 1. Teil des Aufsatzes beschrieb Brehmer die Entstehung des Universums und die ersten Formen von Leben. Dabei gilt: Zusammenfügen von Einzelteilen, um Information zu steigern und um Systemgesetzmäßigkeiten – Emergenz – auszulösen, ist das auf allen Stufen der Evolution wiederkehrende Bau- und Bewusstseinssteigerungs-Prinzip. Im 2. Teil beschreibt er die materielle und geistige Evolution bis heute und gibt einen Ausblick auf den neuen ganzheitlich-intuitiven Erkenntnismodus.

Die biologische Evolution – Entfaltung des organismischen Bewusstseins

Mit der Entstehung der Urzelle ist der Phasenübergang in eine neue Ära der Evolution vollzogen. Ein Organismus ist entstanden, der »weiß«, wie er sich am Leben hält. Der Bezug zur Umwelt und die eigenen metabolischen Prozesse sind von einem Erleben, einem organismischen Bewusstsein begleitet, auf dessen sukzessive Entfaltung es die Evolutionsdynamik angelegt hat.

Man schätzt das Alter der Erde auf 4,4 Milliarden Jahre. Die ältesten fossilen Urzellen, die man in Sedimentgesteinen Afrikas und Australiens gefunden hat, haben ein Alter von 3,8 Milliarden Jahren. Es sind einfache RNS-Protein-Komplexe, so genannte Prokaryoten, Zellen ohne Kern. Einige dieser einzelligen Lebewesen, die Vorfahren der »Chloroplasten«, entwickeln die Fähigkeit zur Photosynthese und erschließen sich damit eine neue Energiequelle. Andere decken ihren Energiebedarf durch räuberisches Einverleiben bereits existierender biologischer Strukturen. Die Evolution steht an der Weggabelung von Pflanzen und Tieren.

Mit der Verbreitung photosynthetisierender Zellen kommt es zu einer zunehmenden Anreicherung der Atmosphäre mit Sauerstoff und zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Biosphäre. Es entsteht die globale autopoietische Stabilität zwischen Biosphäre und Atmosphäre, von der wir im Zusammenhang mit der Entstehung der Erde gesprochen haben.

Ausweg aus der Krise

Der nächste entscheidende evolutionäre Schritt erfolgt wieder nach dem bewährten Bauprinzip des kooperativen Zusammenschlusses von Einzelelementen, um ein Ganzes aufzubauen, das mehr ist als die Summe der Einzelteile: die Ganzheit der sogenannten eukaryotischen Zelle, der Zelle mit einem Kern als Management-Zentrale. Damit hat die Evolution den idealen Baustein für kommende Ganzheiten höherer Ordnung geschaffen.

Nach der von Lynn Margulis (1970) entwickelten Theorie ist die eukaryotische Zelle nicht durch allmähliche Veränderung, sondern durch den kooperativen Einbezug verschiedener spezialisierter Prokaryoten in die gastgebende Zelle hervorgegangen, also durch »Endosymbiose«. Doch was veranlasste diese kleinen Individuen, einen Teil ihrer Selbständigkeit aufzugeben, um sich in einer höheren Ganzheit zu integrieren? Es ist das gleiche Prinzip, das den Menschen zu einem sozialen Wesen macht. Kooperation und Arbeitsteilung bringen konkrete Vorteile und – im Fall von Solidarität und Harmonie – kommen darüber hinaus Systemgesetzmäßigkeiten ins Spiel, die eine Ganzheit bewirken und die das Bewusstsein der Individuen anhebt. Isolation, langfristig gesehen, bedeutet immer Stagnation.

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Die mentale Evolution

Im Juli 2001 entdeckte das Team um den Franzosen Michel Brunet im Tschad den auf 6 bis 7 Millionen Jahre datierten Schädel eines Australopithecus, eines Südaffen mit Merkmalen des Menschen und der Menschenaffen. Der Australopithecus wird bereits dem Tier-Mensch-Übergangsfeld zugerechnet. Sein Hinterhauptloch, da wo die Wirbelsäule mit dem Schädel verbunden ist, verrät deutlich, dass er ein Zweibeiner war. Unsere Vorfahren waren also offensichtlich schon imstande aufrecht zu gehen, als sie noch auf Bäumen lebten. Damit hatten sich ihr Aktionsradius und ihr Erfahrungshorizont erweitert. Der aufrechte Stand förderte den Weitblick und das Wachstum von Bewusstsein.

Die Australopithecenen besiedelten für einige Millionen Jahren die Savannen Afrikas und waren später Zeitgenossen des homo habilis, des »geschickten Menschen«, einer schon weiterentwickelten Art. Homo habilis verstand es bereits, Splitter von Geröll abzuschlagen und sie als Steinwerkzeuge zu verwenden. Er lebte vor etwa 2,6 Millionen Jahren und gilt als erster Vertreter der Gattung Mensch. Anthropologen sind der Ansicht, dass nur Menschen in der Lage sind, Werkzeuge herzustellen. Homo habilis wird nicht mehr von der Herausforderung der gerade anstehenden Situation vereinnahmt, sondern vermag bereits die zukünftige Situation zu sehen, auf die hin er seine Faustkeile anfertigt. Das ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des organismischen Bewusstseins. Jedoch ist der Vormensch noch weit entfernt vom spezifisch Menschlichen, dem reflexiven Bewusstsein, und die Bezeichnung »geschickter Mensch« ist eher irreführend.

Ausweg aus der Krise

Leben heißt Aufwachen.

Irreführend ist auch die Bezeichnung homo erectus, aufrecht gehender Mensch, für eine weiterführende Art im Verlauf der Anthropogenese. Homo erectus hat vor etwa 2 Millionen Jahren Afrika verlassen und Europa und Asien besiedelt. Zum Zeitpunkt der Namensgebung wusste man noch nicht, dass schon Millionen Jahre zuvor der Australopithecus bereits ein Zweifüßler war. Auch der homo erectus verfügte noch nicht über die Fähigkeit zur Reflexion, wie man aus den bescheidenen Artefakten, die er hinterlassen hat, schließen kann. Sie ist wohl erst mit dem Neandertaler aufgetreten, auf dessen Fossilien man 1856 im Neandertal bei Düsseldorf gestoßen war.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf (10 Seiten), das unten bestellt werden kann.

Die kulturelle Evolution – das selbstreflexive Bewusstsein

Vor etwa 30 000 Jahren verliert sich die Spur des Neandertalers. Doch schon zu seiner Zeit tauchte der bereits erwähnte anatomisch moderne Mensch auf, der sich hinsichtlich des Körperbaus nicht vom Gegenwartsmensch unterscheidet. Genauso wie der Neandertaler lebte er auf der Stufe des reflexiven Bewusstseins. Fossilien, die man von beiden Spezies im Nahen Osten gefunden hat, legen nah, dass sie in der gleichen Region über etwa 50 000 Jahre nebeneinander gelebt haben. Augenscheinlich war keiner dem anderen überlegen, um ihn zu verdrängen. Zweifellos hat es Begegnungen und Vermischungen zwischen Alteingesessenen und den Neuankömmlingen aus Afrika gegeben.

Ein Vergleich der spezifischen mikroneuralen Situationen, in denen Bewusstsein entsteht, bzw. nicht entsteht, legt nahe, dass das Gehirn das Bewusstsein nicht erzeugt, sondern eher als Sender und Empfänger sowie als Detektor fungiert, d.h. seine Aktivität ist zwar offensichtlich eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für bewusstes Erleben.

Während ihrer langen Koexistenz hinterließen weder der archaische noch der anatomisch moderne Sapiens Artefakte, aus denen man entnehmen könnte, dass sie bereits einer modernen Kulturstufe angehörten. Nichts als Steinwerkzeuge der »Moustérien-Kultur« (benannt nach einer Fundstätte in Frankreich). Aber dann, vor etwa 40 000 Jahren tauchen auf einmal fein bearbeitete Gegenstände auf: Gravuren, Plastiken, Höhlenmalerei, Körperschmuck, Musikinstrumente, ein weites Werkzeugspektrum und wertvolle Grabbeigaben – die Aurignacien-Kultur (ebenfalls benannt nach einer Fundstätte in Frankreich). Sie sind Ausdruck eines Phasenüberganges des Bewusstseins: Aus dem anatomisch modernen ging der geistig moderne Mensch hervor, Träger der kulturellen Evolution.

Die Evolution des Bewusstseins

Es wäre naiv anzunehmen, dass der Gegenwartsmensch die Krone der Schöpfung ist. Wie wir uns selbst und unseren Planeten verwalten, ist alles andere als majestätisch. So schreibt der Paläoanthropologe Gerhard Heberer in seiner Studie »Homo – unsere Ab- und Zukunft«:

»Seit dem Erreichen der (Eu-)Hominiden Stufe vor etwa 3 Millionen Jahren ist die Evolution mit großer Geschwindigkeit weitergegangen. Sie wird auch den homo sapiens sapiens weiterführen.«[i]

Auch Hoimar von Ditfurth ist der Überzeugung, dass die Evolution voranschreitet. Er hält eine Prognose über ihren zukünftigen Verlauf auf der Basis gesicherter Erkenntnisse für berechtigt:

»Das Konzept einer sich evoluierenden Welt zieht folglich die Annahme der Realität einer den eignen Erkenntnishorizont übersteigenden Transzendenz als unabweisliche Konsequenz nach sich… Schon bisher hat die Evolution auf dem Wege von der Amöbe bis zu uns immer größere Bereiche der objektiv existierenden Welt zu subjektiv erfahrbarer Wirklichkeit werden lassen. Diesen Prozess dürfen wir uns nun in die Zukunft hinein fortgesetzt denken bis zu jenem letzten möglichen Schritt, der das Ende der Evolution insofern bedeuten und herbeiführen würde, als er ein Bewusstsein, einen Erkenntnishorizont hervorbringt, mit einem Fassungsvermögen, das groß genug ist für die Wahrheit des ganzen Universums.«[ii]

Mit der Emergenz des Ichbewusstseins verschärft sich die Dualität.

Es wäre nach v. Ditfurth »anthropozentrischer Mittelpunktswahn«, anzunehmen, dass das subjektive Weltbild des Menschen mit der objektiven Welt übereinstimmen würde. Auch dem Käfighuhn bleibt nicht anderes übrig als seine Wirklichkeit als die einzig existierende hinzunehmen. Für niedere Organismen ist das Weltbild des Menschen absolut transzendent. Doch dieses Weltbild reicht nicht mehr, um für alle Menschen ein menschenwürdiges Dasein zu gewährleisten. Mehr als die Hälfte der Menschheit vegetiert von 2 Euro am Tag, sagten wir zur Einleitung. Täglich verhungern etwa 25 000 Kinder oder sterben an Krankheiten, die mit Medikamenten von Cent-Beträgen vermeidbar wären. Gleichzeitig geben die »zivilisierten« Nationen für Rüstungszwecke täglich Milliardenbeträge aus. Es ist unerträglich! […]

Die ganzheitliche Intelligenz schöpft aus der Verbindung mit dem VEREINHEITLICHTEN FELD. Komplementär zur rationalen Logik tritt eine ganzheitlich-intuitive Erkenntnis. Ken Wilber bezeichnet sie als »Schaulogik«[iii]. Sie befähigt zum integralen Denken, das sowohl horizontal vernetzend als auch vertikal integrierend operiert. Es bedeutet das Ende des »alten Denkens«, das Bundeskanzlerin Merkel heraufbeschwor, ohne zu wissen, was die Merkmale des neuen Denkens sind. Gleichzeitig fällt nach Wilber damit der Blick von einer persönlichen Ego-Perspektive auf eine multiperspektivische Weltsicht. Und es ist diese Welt- und Weitsicht verbunden mit Empathie, die Banker, Wirtschaftstheoretiker und Politiker inspirieren werden, die Menschheit aus der globalen Krise zu begleiten. Der integralen Information – so ist der hier vorliegende Beitrag zu verstehen – muss allerdings die integrale Verwirklichung folgen, sonst weiß man nicht, worum es geht. Sie setzt bei der täglichen Meditation an. Es ist diese oder eine andere transzendierende Praxis, die gemäß dem »Einstein der Bewusstseinsforschung« https://www.tattva.de/ken-wilber-einstein-der-bewusstseinsforschung/ einen neuen kategorischen Imperativ darstellt.

Gemäß der Philosophia Perennis und den Heiligen Schriften der Menschheit wird sich die Evolution des Bewusstseins eines Tages im All-Eins-Bewusstsein nach einem siebten Phasenübergang vollenden. Das Nervensystem und die Wahrnehmung des homo integralis hat eine Sublimierung erfahren, die ihn zur gelebten Einheit, zur differenzierten Identität von SELBST, SEIN und Kosmos führt. Mit den Worten v. Ditfurths hätte dann die Evolution einen Erkenntnishorizont hervorgebracht »mit einem Fassungsvermögen, das groß genug ist für die Wahrheit des ganzen Universums.«

Unser Autor Dr. Christian Brehmer

Über den Autor

Dr. Christian Brehmer studierte Psychologie in Sydney/Australien und widmete sich vornehmlich der Bewusstseinsforschung. In Nordaustralien lebte er unter den Ureinwohnern, den Aborigines, und setzte sich mit der Evolution des Bewusstseins auseinander. Seine Forschungsergebnisse legte Brehmer in einem Promotionsprojekt an der GHS/Universität Kassel nieder. Sie bilden die Grundlage seines populär-wissenschaftlichen Buches „Vom Urknall zur Erleuchtung“ (Verlag Via Nova).

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Das ist der 2. Teil des Artikels von Dr. Christian Brehmer. Den ersten Teil seines Aufsatzes finden Sie HIER.
Die vollständige Fassung des zweiten Teils lesen Sie in der Tattva Viveka 72. Auch für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 10 Seiten).

Der komplette Artikel von Dr. Christian Brehmer als PDF zum Download

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