Musik als Tor zum Transzendenten

Musik als Tor zum Transzendenten

Den Geheimnissen des Klangs auf der Spur

Autor: Dietlinde Küpper
Kategorie: Kunst / Musik / Literatur
Ausgabe Nr: 90

Wie kann es sein, dass Musik und Töne in uns solch starke Gefühle, klare Erkenntnisse oder sogar transzendente Erfahrungen auslösen können? Die Autorin begibt sich auf die Suche nach Antworten und lässt dabei Musiker sowie Musikwissenschaftler zu Wort kommen, um unser mystisches Verhältnis zur Klangwelt zu erhellen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Musik von Johann Sebastian Bach, der als der »fünfte Evangelist« bezeichnet wird.

»Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.«
– Ludwig van Beethoven

Im August 2020 reiste ich nach Berlin, es war der erste Sommer der Pandemie, im Großraumabteil des Zuges saß man mit Maske, auf Abstand bedacht. Alle waren wir konfrontiert mit dieser ungewohnten Situation, komisch war das und beklemmend. Die Hauptstadt war merkwürdig leer, man sah – ganz anders als sonst – nur wenige Touristen. Das war natürlich durchaus angenehm, überall war Platz, auf dem Schiff, im Café, doch ich konnte es nicht richtig genießen. Ich grübelte über die zahllosen Menschen, die gerade großes Leid erfahren müssen, auch wenn das so direkt nicht sichtbar war. Wer saß gerade in der Wohnung und verzweifelte? Eine unterschwellige Traurigkeit hielt mich gefangen.

Mit diesen Gedanken stieg ich die Treppen zur U-Bahn-Station hinunter, von unten drangen Ziehharmonika-Klänge herauf: ein bekanntes Orgelstück von Johann Sebastian Bach. Die Musik traf mich im Innersten, wie Kristalltropfen aus einer anderen Welt sickerten die Töne in meine Seele und durchdrangen sie mit Wärme und Trost. Im Nu drehte sich die Perspektive, in völliger Klarheit sah ich vor mir, dass wir nicht alleine sind, dass es eine transzendente Welt gibt voll Liebe und Licht und dass wir uns mitten darin befinden, mit all unserem Leid und unserer Freude darin verwoben. Ob wir es ahnen oder gar nicht merken, ob wir das mit Sicherheit wissen oder solche Gedanken tief überzeugt ablehnen: Jede, jeder Einzelne von uns fällt mit dem eigenen Schmerz und der Qual nicht ins Leere, auch wenn wir diesen Trost manchmal nicht fühlen oder im Entferntesten ahnen.

Musik hat die Kraft uns tief im Herzen zu treffen und dort ein Echo zu hinterlassen. Mit ihr können wir höhere oder auch verborgene Dimensionen erfahren. Willst du mehr über Küppers Gedanken zur transzendenten Wahrheit von Musik erfahren? Downloade den vollständigen Artikel am Ende dieser Seite!

Die verborgene Wirklichkeit

Was ist Transzendenz? Es ist das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, das, was das Sichtbare in sich einschließt und trägt, was religiöse Menschen meinen, wenn sie zum Beispiel schreiben: »Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.« (der Theologe Dietrich Bonhoeffer wenige Wochen vor seiner Ermordung durch die Nazis) Abstrakter klingt es im »Herzsutra« aus der buddhistischen Philosophie: »Form ist nichts anderes als Leere, Leere ist nichts anderes als Form.«

Der 2020 verstorbene weltweit bekannte Mönch und Zenmeister Ko’un Roshi Willigis Jäger, der fast sein ganzes Leben über diese Dinge forschte und Erfahrungen sammelte, schrieb in seinem Buch »Die Welle ist das Meer«:

»Die Wirklichkeit, die wir für wirklich halten, ist nicht die wirkliche Wirklichkeit.

Die wirkliche Wirklichkeit erschließt sich uns erst dann, wenn wir unser alltägliches Ich-Bewusstsein verlassen

und in eine höhere Bewusstseinssphäre eintreten. Diese Bewusstseinssphäre kann man … als transpersonales Bewusstsein bezeichnen.« (Willigis Jäger: Die Welle ist das Meer / Mystische Spiritualität, Freiburg 2000, S. 32)

Die Fühlungnahme mit dem Eigentlichen ist schwer in Worte zu fassen, unsere Sprache scheint ziemlich ungeeignet, solches »dingfest« zu benennen. Auch wenn wir schon in Berührung gekommen sind mit diesem Perspektivwechsel aus scheinbar anderen Dimensionen – im normalen Alltag bleibt diese sich öffnende Weite meistens verborgen, wie hinter einem Vorhang, der sich aber doch manchmal ganz unvorbereitet beiseiteschiebt.

Lies mehr über die Mystik und Ordnung der Musik in der Vollversion des Artikels. Zum Download gelangst du über den Link am Ende dieser Seite – viel Spaß beim Lesen!

Das Geheimnis »Musik«

Auf der Welt gibt es unendlich viele Arten von Musik, aus unterschiedlichen Zeiten und Gesellschaftsschichten, es gab – soweit sich das feststellen lässt – wohl kaum ein Volk oder eine Gesellschaft, die ohne sie leben wollte. Doch was ist Musik? Warum brauchen wir sie? Meist geht sie in Resonanz mit unserem Gefühlsleben, das kann eine Leichtigkeit haben wie bei fröhlicher Volksmusik oder sehr ernst und intensiv sein wie bei indischen Ragas oder gregorianischen Chorälen.

Musik wirkt über unser Gefühl und auf Schichten in uns, die mit dem Denken, der Ratio, nicht viel zu tun haben.

Der 19-jährige Franz Schubert, der es im Leben nicht gerade leicht hatte, berichtet in seinem Tagebuch von einem berührenden Erlebnis. Er hatte ein Konzert mit Musik eines schon verstorbenen älteren Kollegen besucht, das in ihm vielfältig nachklang: »Ein heller, lichter, schöner Tag wird dieser durch mein ganzes Leben bleiben. Wie von Ferne leise hallen mir noch die Zaubertöne von Mozarts Musik … So bleiben uns diese schönen Abdrücke in der Seele, welche keine Zeit, keine Umstände verwischen und wohltätig auf unser Dasein wirken. Sie zeigen uns in den Finsternissen dieses Lebens eine lichte, helle, schöne Ferne, worauf wir mit Zuversicht hoffen.« (13. Juni 1816, www.zeno.org)
Was genau wir bei einer Musik, die wir mögen, empfinden, ist so unterschiedlich, wie es Menschen gibt, die sie hören. Ob wir aber bei Helene Fischer selig mitsingen, beim Walzertanzen das Fliegen anfangen, ob wir uns beim Rockkonzert in ein großes gemeinsames Gefühl einschwingen oder ob uns ein Streichquartett von Fanny Hensel zutiefst berührt, es scheint nicht völlig beliebig zu sein, was eine Musik in uns auslöst. So wird wohl niemand das aufwühlende Violinkonzert von Johannes Brahms als heiter und gelöst oder Gianna Nanninis »bello e impossibile« als verhalten und beschaulich empfinden.

Früher oder später stoßen wir in unserem Leben auf die Theorie, dass alles Existierende Klang und Ton sei. Was sich genauer dahinter verbirgt, erfährst du in der Vollversion des Artikels. Folge dem Link nach den Textausschnitten und tauche ein in die Welt des Klangs.

Was ist Genie? Aus welcher Quelle stammt solch umfassendes Wissen, das oft blitzartig im menschlichen Geist an Kontur gewinnt? Manche Künstlerinnen und Künstler fühlen deutlich, dass sie Inspirationen »empfangen«, als seien sie als Person für ihre Einfälle nicht wirklich verantwortlich.

Obwohl Bachs Musik auf geheime Weise kosmische Ordnungen zu spiegeln scheint, geht sie noch darüber hinaus: Sie dringt vor bis zum tiefsten Schmerz, den Menschen erfahren müssen. Über Bachs Leben und seinen Charakter wissen wir nicht viel, da nur wenige Briefe oder anderweitige Zeugnisse erhalten sind. Die wenigen Lebensdaten, die wir gesichert wissen, lassen aber den Schluss zu, dass er mit dem Gefühl kompletter Verzweiflung vertraut gewesen sein muss. So traf ihn als jungen Mann das Schicksal mit voller Wucht: Er kehrte von einer Arbeitsreise aus Karlsbad zurück – seine Ehefrau Maria Barbara war tot und bereits begraben. Das könnte neben dem Schock zusätzlich ein Auslöser für eine heftige Retraumatisierung gewesen sein, denn bereits als Neunjähriger hatte er im Abstand von wenigen Monaten erst die Mutter und dann den Vater verloren. Wir wissen nichts darüber, wie der 35-Jährige mit diesem brutalen Wendepunkt im Leben umgegangen ist. Um 1720 herum, in zeitlicher Nähe zum Tod seiner ersten Frau Maria Barbara – ob bereits vorher oder danach, das wissen wir nicht mit Sicherheit –, entstand ein Ausnahmewerk, das bis heute an Ausstrahlung nicht verloren hat: die Chaconne in d-moll für Violine solo, letzter Teil der Partita II in d-moll, BWV 1004.
Die Pianistin Hélène Grimaud übertrug die Chaconne für ihr Instrument und meinte über das Werk in einem Interview: »Sie gleicht der Architektur einer Kathedrale, die einzelnen Variationen sind wie Licht, das durch unterschiedlich getönte Glasfenster fällt. Wenn man sie spielt, hat man das Gefühl, mit seinen eigenen Schatten zu tanzen.« (www.violinorum.com)

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, welche Magie die Musik von Johann Sebastian Bach oder auch von Wolfgang Amadeus Mozart in Menschen ausgelöst hat, downloade den gesamten Text »Musik als Tor zum Transzendenten«

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 90 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € (Pdf, 7 Seiten).

Musik als Tor zum Transzendenten (PDF)

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Dietlinde Küpper
Musik als Tor zum Transzendenten

Wie kann es sein, dass Musik in uns klare Erkenntnisse oder sogar transzendente Erfahrungen auslösen kann? Gemeinsam mit Musikern und Musikwissenschaftlern suchen wir Antworten.
 


 

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Dietlinde Küpper

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Tredition, Hamburg 2019
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Über die Autorin

Die Autorin Dietlinde Küpper

Nach Abschluss ihres Magisterstudiums in Germanistik und Musikwissenschaft arbeitete Dietlinde Küpper fünf Jahre in Italien als Lehrerin und Übersetzerin. Für den Bayerischen Rundfunk und die Deutsche Welle verfasste die Autorin u. a. Features über Mozart, Händel und zeitgenössische Musik sowie mehrere Essays über Richard Wagner. Sie veröffentlichte eine Studie über die amerikanische Sinfonikerin Gloria Coates.

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