Die Seele und der Pudel

Die Seele und der Pudel

Wie wir unser Ego nutzen können, um zu erwachen

Autor: Veit Lindau
Kategorie: Spiritualität allgemein
Ausgabe Nr: 86

Jenseits einer bestimmten spirituellen Tradition entwirft Veit Lindau ein nicht-konzeptionelles und pragmatisches Verständnis des Egos und spricht ihm eine gewichtige Bedeutung für unser praktisches Leben zu. Darüber hinaus existiert eine Sehnsucht, ein Rufen in unserem Inneren, das uns darauf hinweist, dass wir weitaus mehr als unser Ego und unser Körper sind.

Als ich gebeten wurde, für diese Ausgabe einen Artikel über »Ego und Höheres Selbst« zu schreiben, habe ich zuerst gezögert. Denn ich bin weder religiös noch philosophisch oder strikt wissenschaftlich unterwegs. Ich sehe mich eher als liebevollen Ketzer und spirituellen Pragmatiker. Also möchte ich alle vorwarnen, die sich gut mit Schriften über diese Themen auskennen. Wenn es um die Seele geht, lege ich keinen Wert darauf, mich einem Konzept anzupassen. Ich suche nach der direkten Erfahrung. Deshalb begreife diesen Artikel auch bitte nicht als den Versuch, etwas zu definieren, was sich meines Erachtens jeglicher verbalen Definition entzieht. Ich möchte dich vielmehr einladen, mal alle Konzepte loszulassen und dich und die verschiedenen Dimensionen deines Seins nackt und neugierig zu erforschen:

Was ist für dich ein Ego?

Gibt es für dich noch etwas anderes, Größeres?

Wenn ja, woran erkennst du den Unterschied?

Wie kultivierst du den Zugang zu dieser größeren Dimension?

Gelebte Spiritualität

Mein erstes, wenn du so willst, spirituelles Erwachen hatte ich völlig unvorbereitet im Präparationssaal der medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Ich studierte damals Medizin. Wir sezierten im Laufe eines Jahres eine männliche Leiche. Erst die Haut, dann die Muskeln, die Nerven usw. Wir waren jung, unsensibel und machten eine Menge Witze über Otto, wie wir den Körper nannten. Doch im Laufe der Zeit wurde das Abtragen all der Schichten zu meiner ersten Meditation. Und ohne je etwas über Seele oder Gott gelesen zu haben, wusste ich, dass das, was da vor mir lag, nicht die Essenz eines Menschen ausmacht. Etwas fehlte. Etwas war gegangen. Und seitdem will ich wissen, was DAS ist. Ich begann, die alten spirituellen Schriften zu studieren. Vielleicht lag es daran, dass ich schon zu alt war oder zu kritisch, doch ich konnte die Beschreibungen nicht einfach als wörtlich wahr annehmen. Sie erschienen mir zu menschengemacht. Ich wollte nicht blind glauben. Ich wollte direkt erfahren. Also habe ich mich auf die Suche gemacht, wie du wahrscheinlich auch. Ich habe viele Zugänge gefunden – Hingabe, Meditation, Trance, Tanz …

Hier mein erfahrungsbasiertes Fazit bis hierher:

Wir haben einen Körper, doch wir sind nicht unser Körper. Wir sind mehr.

Viel mehr. Ich glaube, dass dieses Leben eine unfassbar kostbare Chance ist, um zu staunen und diese Zeitspanne zu nutzen, um so viel wie möglich über die existenziellen Fragen unseres Lebens herauszufinden:

Wer bin ich?

Woher komme ich?

Wohin gehe ich?

Wofür bin ich hier?

Mit welcher spirituellen Haltung Veit Lindau in der DDR aufgewachsen ist und wieso er glaubt, dass wir mehr sind als unser Körper, erfahren Sie im vollständigen Artikel, den Sie unten bestellen können!

Ein anderes Verständnis vom Ego

Dieser Erfahrungsraum birgt jedoch auch eine große Gefahr. Er kann süchtig machen. Kommst du das erste Mal in Kontakt mit dieser unbegrenzten Weite und dem süßen Frieden dieser Dimension, ist es, als wenn du nach Äonen des Umherirrens endlich wieder nach Hause zurückkehrst. Du willst – verständlicherweise – diesen Ozean der Ekstase nicht mehr verlassen. Da »draußen« warten anstrengende Beziehungsgespräche, Kreuzschmerzen und Steuerabrechnungen auf dich. Ein Moment hier fühlt sich umso vieles frischer, wahrer, intensiver an als Jahre in deiner strikt begrenzten, weltlichen Realitätsebene. Deshalb verstehe ich die egofeindliche Haltung vieler psychospiritueller Strömungen. Doch das Ego zu ignorieren und an diesen, nennen wir sie Seelenerfahrungen, festzuhalten, ist nicht die Lösung! Das Ego ist deine Start- und Landebahn in einem ungeheuer komplexen, multidimensionalen Universum.

Ohne Ego gehst du verloren.

Doch bevor ich ein Plädoyer für ein gesundes, reifes Ego halte, lass uns kurz klären, was das überhaupt ist. Hier meine saloppe und, wie ich finde, alltagstaugliche Definition:

Weites, unbegrenztes Bewusstsein inkarniert in einem Körper (den ich liebevoll Fleischklöpschen nenne), um in dieser dualen Realitätsdimension existenzielle Entwicklungsprozesse erleben zu können

– zum Beispiel, zwischen Liebe und Angst wählen zu lernen. Dein Körper ist der Träger deiner Erfahrungen und verdient dafür Schutz und Respekt. Diese Aufgabe übernimmt dein Ego, – eine Ansammlung von Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern – angeordnet um den zentralen Gedanken, ein physischer Jemand zu sein. Die Aufgabe dieser Algorithmen ist klar:

  1. Sichere das möglichst komfortable Überleben des Fleischklöpschens.
  2. Lass es sich fortpflanzen.
  3. Sorge für ein gutes Ranking in der Herde.

Daran ist nichts falsch! Lass das Ego seinen Job erledigen, nur identifiziere dich nicht mit ihm. Ich höre immer wieder den Mythos, man müsse sein Ego ablegen oder sogar töten. Warum?

Wie Sie Ihr Ego transzendieren können und warum Sie es dafür zuvor erst einmal annehmen müssen, verrät Ihnen Veit Lindau im vollständigen Artikel. Weiter unten können Sie diesen downloaden!

Der Raum der Begegnung

Selbst wenn du nicht daran glaubst, stell dir für einen Moment vor, du wärest eine freie Seele. Ein purer, unsterblicher Funken Licht in einem unermesslich großen Ozean des Lichts. Schau aus den Augen dieses freien Bewusstseins auf unsere Gesellschaft. Was siehst du?

Wunderschöne, hochintelligente Wesen, die absurde Dinge tun, um den Tod zu leugnen.

Wir rammeln herum, kaufen uns blöde, streiten uns wund. Wir senden unsere Kinder in Erziehungssysteme, die sie vergessen lassen und sie zu voll funktionstüchtigen Pudeln einer Leistungsgesellschaft formen. Später, als Erwachsene, fehlt uns diese magische, weite Dimension so sehr. Es ist gesund und gut, den Pudel entspannt zu pflegen.

Doch wir werden für viele individuelle und kollektive Herausforderungen erst eine Lösung finden, wenn wir einen von Aberglauben freien Zugang zu dieser größeren Dimension kultivieren.

Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns dafür nicht auf einen bestimmten Glauben einigen müssen. Dieses Nichts & Alles können wir eh nicht mit unserem Verstand erfassen. Doch wir können es erfahren. Wenn wir meditieren. Wenn wir die Augen schließen und durch die Lücke zwischen zwei Gedanken in jenen stillen, weiten Raum unseres Bewusstseins eintauchen. Oder wenn wir uns an einen Baum lehnen und seine leise Natur in uns aufnehmen. Oder wenn wir versuchen, uns den ozeanischen Frieden eines Säuglings im Bauch seiner Mutter vorzustellen. In dieser Stille bist du keine Person mit einem Namen. Du hast kein Alter, kein Geschlecht. Du bist einfach. Ein ungeheuer wohltuendes, weil befreiendes und nährendes ICH BIN. Alle Menschen, mit denen ich über diesen Erfahrungsraum gesprochen habe, waren nicht komplett erstaunt, sondern haben es eher wie eine natürliche Erinnerung erlebt an das, was sie sind und schon immer waren. Der Christ, die Mystikerin, der Neurowissenschaftler werden die Erfahrung im Nachgang vielleicht anders interpretieren und einordnen. Doch wenn sie sich in die Augen schauen, werden sie wissen, dass sie sich da begegnet sind.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über Veit Lindaus undogmatische Sicht auf Ego und Seele.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 86 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 8 Seiten).

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Über den Autor

Unser Autor Veit Lindau

Veit Lindau ist Experte für die integrale Selbstverwirklichung des Menschen. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er homodea.com mit derzeit über 70.000 Mitgliedern. Autor von »Heirate dich selbst«, »Werde verrückt«, »SeelenGevögelt« u. a.

Internet: www.veitlindau.com

Bildnachweis: © Adobe Photostock

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