Die Natur in uns

Die Natur in uns

Einführung in die Ökopsychologie

Autor: Marc Schmuziger
Kategorie: Ökologie
Ausgabe Nr: 84

Die Ökopsychologie umfasst und integriert Disziplinen miteinander – vom Schamanismus über Philosophie und Systemtheorie bis eben hin zur Psychologie und Ökologie –, um den Dualismus im Denken der westlichen Gesellschaften aufzulösen und den Blick auf die Einheit des Lebens zu eröffnen. Diese vermeintliche Trennung führte uns dazu, uns von der Natur zu entfremden und einen Unterschied zwischen der Natur und dem Mensch-Sein zu zementieren. Doch wie kann die Aussöhnung mit der Natur in und um uns herum gelingen? Darauf möchte die Ökopsychologie Antworten geben.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich möchte meine Ausführungen zur Ökopsychologie mit einem kleinen Experiment beginnen.

Bitte lassen Sie die folgenden zwei Fragen – ähnlich wie ein Kieselstein, der ins Wasser fällt und ringförmige Wellen auslöst − in Ihnen wirken und beobachten Sie, was für Resonanzen daraus entstehen:

  • Was für Bilder sehen Sie, wenn Sie an die Natur denken?
  • Was für Wörter oder Sätze klingen dabei mit?

 

Geben Sie sich etwas Zeit, die Bilder, die Wörter und den Ort der Natur in Ihnen entstehen zu lassen. Und halten Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit nach innen gerichtet.

Die Natur in uns

Nach diesem kleinen Ausflug ins Innere möchte ich Sie bitten, die folgenden Bilder zu betrachten und sich zu fragen, inwieweit diese eine Ähnlichkeit mit Ihrem Naturbild haben. Haben Sie in Ihrem Bild eine schöne Landschaft, einen Wald, Wasser oder ein wildes Tier gesehen?

Wieso aber nicht auch mit Menschen, oder gar Menschen allein?

Einführung in die Ökopsychologie

Ich gebe es zu: Meine letzte Frage entlarvt die Absicht des Experimentes. Denn ich gehe davon aus, dass die inneren Bilder, die Sie gesehen haben, eher aus der ersten Gruppe stammen. Auf jeden Fall wäre das bei mir so gewesen. Auch ich trage in mir die Tendenz, mich nicht als Teil der Natur zu erleben.

Obwohl wir genauso Natur sind, wie die Natur selbst, sehen wir sie meist nicht bei oder in uns, sondern außerhalb von uns Menschen und außerhalb der Gemäuer unserer Städte.

Wie kommen wir aber dazu? Schließlich bestehen wir aus den genau gleichen Grundbestandteilen und funktionieren ebenso nach den gleichen Naturgesetzen. Irgendwie scheint in uns ein innerer Mechanismus wirksam zu sein, der uns von der Natur ausschließt. Auf diese und andere Fragen geht die Ökopsychologie ein, und darauf werde ich auch im Laufe dieses Artikels ein paar Antworten anklingen lassen, die ich aus Michel Maxime Eggers von mir übersetztem und herausgegebenem Buch Pflege der Seele – Heilung der Erde. Einführung in die Ökopsychologie entnehme und weiter reflektiere.

Die Antwort auf die Frage, wie es zur Entfremdung der Natur kam, finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Der Ursprung der Ökopsychologie

Die ökopsychologische Bewegung entstand in den Neunzigerjahren in den Vereinigten Staaten und entwickelte sich im angelsächsischen Raum stetig weiter. Sie vereint in sich Ansätze aus der Philosophie, aus Psychotherapieschulen, Ethologie, Spiritualität, Schamanismus, Weisheiten der Indigenen und Urvölker, Ökofeminismus, Systemtheorie, Quantenphysik und Kunst. In diesem Sinne verhält sie sich als Disziplin offen und überwindet das Denken in gegenseitig isolierten wissenschaftlichen »Schrebergärten«, das dem analytischen Geist des Westens so lieb ist. Sie lebt ihr eigenes Paradigma, in dem der ursprüngliche, doppelte Dualismus von Natur/Mensch sowie außen/innen überwunden wird, um ein Bewusstsein für die Einheit unserer Wirklichkeit zu schaffen.

So sind wir Menschen in genau gleichem Maße Natur wie die Natur um uns herum. Natur ist nicht außerhalb von uns, und die Unterscheidung von »Innen und Außen« ist lediglich eine Illusion, die unser Ichbewusstsein uns vorgaukelt.

Wir sind Bestandteil der Erde, die untrennbarer Bestandteil unseres Daseins ist.

Der damit einhergehende Bewusstseinswandel lässt sich am ehesten als Verschiebung unseres derzeitigen Anthropozentrismus zu einem Ökozentrismus beschreiben (»from ego to eco«), die der Tiefenökologe John Seed in folgenden Worten erläutert:

Anthropozentrismus ist so viel wie menschenbezogener Chauvinismus. Er ähnelt dem Sexismus, wenn man das Wort »Mann« durch »menschliche Rasse« und das Wort »Frau« durch »alle anderen Arten« ersetzt […]

Wenn der Mensch tiefer schürft und die Schichten seiner anthropozentrischen Selbstüberschätzung durchschaut, setzt ein tiefgreifender Bewusstseinswandel ein. Die Entfremdung verschwindet. Der Mensch ist nicht länger ein Fremder, er ist nicht länger getrennt.

Möchten Sie wissen, wie die Illusion von Innen/Außen und Natur/Mensch überwunden werden kann? Das können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Carl Gustav Jung – ein Pionier der Ökopsychologie

Wie könnte das Gedankengut und die Bewegung der Ökopsychologie besser vorgestellt werden als durch die Personen, die sie geprägt haben? Nachfolgend sollen vier zentrale Figuren vorgestellt werden, die die Ökopsychologie stark beeinflusst haben, sie begründeten oder heute noch wichtige Impulse setzen. Ein paar Zitate von ihnen sollen zudem ein Bild vermitteln, worum es in der Ökopsychologie wirklich geht und wie der von ihr intendierte, heilsame Bewusstseinswandel zu verstehen ist.

Als eigentlichen Ur-Pionier der Ökopsychologie können wir Carl Gustav Jung betrachten. Als er 1961 starb, gab es natürlich noch keine Ökopsychologie. Doch beschrieb Jung bereits früh die Spaltung, in der sich der westliche Mensch zu seiner inneren wie auch äußeren Natur befindet. Zudem setzte er mit seinem Konzept des kollektiven Unbewussten einen wichtigen Grundstein, das Unbewusste nicht nur individuell zu verstehen, sondern kollektiv – also auf die ganze Menschheit samt ihrer Kulturgeschichte bezogen. Auf seine ihm eigene Art entwarf Jung auch die Idee eines ökologischen Selbst, das später von der Tiefenökologie weiterentwickelt und von den Ökopsychologen aufgegriffen wurde:

Mein Ich geht nicht nur so weit, als mein Körper reicht. Es reicht auch darüber hinaus, umfasst alle die Dinge, die ich geschaffen habe, die um mich herum sind.

Jung versteht das Leben als eine Einheit, als lebendiges Kontinuum und als ein Netz, in dem alle Wesen miteinander wie die Zellen in einem Körper leben. Somit ist für ihn auch klar, dass der Mensch nicht ohne Tiere und Pflanzen existieren kann. Ihm zufolge ist die Natur wohltuend für die Seele und eine Quelle der Regeneration.

Die Wilden sind nicht schmutzig – nur wir sind schmutzig. `{`…`}` Menschen, die durch zu viel Zivilisation schmutzig geworden sind, machen einen Waldspaziergang oder baden im Meer.

Die Spaltung des Menschen von der Natur ist für Jung – sowohl draußen auf der Welt als auch in uns drinnen – zu weit gegangen. Er erkennt in dieser Spaltung pathologische Züge, die sich vor allem im Wettlauf um Materialismus, in Kriegen und in der Zerstörung des Planeten manifestieren.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

Die Natur in uns

In diesem Zusammenhang zitiert Macy gern den buddhistischen Meister Thich Nhat Hanh, der auf die Frage, was es zur Rettung der Welt brauche, antwortete: »Was wir am dringlichsten tun müssen, ist in uns hineinzuhorchen, um zu hören, wie die Erde weint.« Das Spüren und Anerkennen dieses Leidens öffnet auch den Raum für Solidarität und Mitgefühl. Es öffnet den Blick, unser Leben in einem größeren geschichtlichen Zusammenhang zu begreifen: als »kontinuierlichen Lebensstrom auf Erden, der schon seit mehr als dreieinhalb Milliarden Jahren fließt und fünf Massensterben überlebt hat«. Während dieser dritten Phase können wir erst verstehen, dass wir Teil eines Ganzen und weitaus mehr als die Summe seiner Teile sind. Die Haltung von »Macht über«, wo Besitz und Herrschaft maßgebend sind, wandelt sich zum Gefühl der »Macht für«, bei dem Zusammenleben und Kooperation im Vordergrund stehen. Wir begreifen, dass Partnerschaften und kollektive Intelligenz absolut notwendig sind, um das zu ermöglichen, was wir allein nicht mehr zu bewältigen vermögen.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die Ökopsychologie und den Weg hinaus aus der Trennung und der Umweltzerstörung.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 84 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 11 Seiten).

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Über den Autor

Marc Schmuziger, lic. phil. (1960), Musiker, Psychotherapeut und Verleger des taotime verlag. Übersetzung und Publikation von Büchern auf dem Gebiet der östlichen Philosophie, Psychologie, Ökologie und von Kinderbüchern.

© Bildnachweis: Depositfoto, unsplash.com

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