Nüchtern gut leben – Die Heldenreise der Abstinenz

Nüchtern gut leben – Die Heldenreise der Abstinenz

Männer am Abgrund zur Suchtfalle

Autor: Jürgen Behring
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 71

Männer werden in der Gesellschaft und von Frauen meist als Täter angesehen. Kaum wird die Entwicklung zum Täter und die Rolle des Umfeldes dabei betrachtet. Einige Männer fangen jedoch an, in ihre wahre Stärke zu gehen und sich ihren Verletzungen, die sie mittels Sucht zu kompensieren suchten, zu stellen. Eine Männergruppe in einer Suchtklinik wird zur Nagelprobe für eine Idee.

Der verletzte Mann

Jörg M. Hirsch: Nicht jeder Mann hält dem wachsenden Erwartungs- und Veränderungsdruck unserer Zeit wie beispielsweise durch die Herausforderungen der Arbeit, Familie und dem ständig auf uns einprasselnden Wahnsinn psychisch stand. Funktionieren, durchhalten, das Gesicht wahren, anpassen, Leistung zeigen, mit den Frauen klar kommen … – Schnauze halten. Aber wohin mit dem Stress, dem Druck und dem Frust? Ein Ventil muss her. Aus dem Gedanken wird Tat, aus der Tat Gewohnheit, aus der Gewohnheit Schicksal. Wenn dies mit Drogen einhergeht – Sucht!

Jürgen Behring hat 2006 initiatisch-phänomenologische Arbeit bei ZIPAT (Zentrum für Initiatisch-Phänomenologische Arbeit und Therapie) zunächst durch die Teilnahme am Männerprojekt »Heldenreise des Mannes« kennengelernt und unter Federführung von Rainer Koch-Möhr schließlich zunehmend Arbeitsweisen in die männerspezifische Drogentherapie im Männertherapiezentrum Fachklinik Flammersfeld (Weserwald) übernommen. 2015 kam ihm die Idee, den Titel »Nüchtern gut leben – Heldenreise der Abstinenz« für ein Ideenkonzept verschiedener methodischer Elemente und Vorgehensweisen in seiner Arbeit als Suchttherapeut zu wählen.

Die Männerszene hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt.

Sucht – Ein gesellschaftliches Phänomen

Jürgen Behring: Ist ein Mensch mit der eigenen Suchterkrankung konfrontiert, kann er nicht mehr davonlaufen. Er muss sich Fragen stellen, angefangen mit »Bin ich wirklich süchtig?« Und wenn er es ist, lässt es sich damit noch gut leben? Unzählige Süchtige haben bewiesen: Auch wenn nicht alles gut ist, lässt es sich dennoch »Nüchtern gut leben«. Es stellen sich jedoch zentrale Herausforderungen auf dem Weg in die Abstinenz und bei der Aufrechterhaltung eines stabilen Lebens.

Nüchtern gut leben – Die Heldenreise der Abstinenz

Da heißt es nüchtern zu handeln und »Nüchternheit« als Qualität wertzuschätzen.

Abstinente Suchtkranke leben alltäglich vor, welche heldenhaften Aufgaben zu meistern sind, um in einer von Suchtverhalten geprägten Gesellschaft der Suchtspirale nach unten zu entrinnen. Wo Beliebigkeit im Umgang mit Suchtmitteln herrscht, einfacher Erfolg und Lustgewinn, sowie „Makellosigkeit« und „Leidvermeidung« propagiert werden, ist es schwer, Kompetenzen zu gewinnen und zu bewahren, um nüchtern gut zu leben. Wer sich der eigenen Konflikte, Möglichkeiten und Grenzen nicht hinreichend bewusst ist, läuft Gefahr ins offene Messer der Sucht zu laufen oder wieder rückfällig zu werden.

Mehr über die Herausforderungen eines Suchtkranken in unserer Gesellschaft können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Nüchtern gut leben

Hirsch: Wie sind Sie auf die Idee Ihrer Therapie gekommen?

Behring: In meiner ehemaligen Klinik in Bad Essen hatten wir einen ehemaligen Therapeuten, der bis 14 Tage vor seinem 85.Geburtstag wöchentlich eine „Rückfallverhütungsgruppe« geleitet hatte. Er war langjährig trockener Alkoholiker, ein Mann mit Charisma und klaren Worten – wie viele langjährig trockene Süchtige. Wir pflegten eine herzliche, von gegenseitigem Respekt getragene Beziehung. Ihm schrieb ich zum Abschied auf einer Karte sinngemäß: »Conny, Du hast den Patienten vorgelebt, dass es sich gut leben lässt, auch wenn nicht alles gut ist.« Conny hatte in seinem Alter schon einige gesundheitliche Komplikationen überstanden. Als ich seine Gruppe für eine Weile fortführen sollte, entstand daraus für mich der Titel: »Nüchtern gut leben.« Mich stört schon seit einiger Zeit der Begriff »Zufriedene Abstinenz«. Klingt so vernünftig. Die Realität eines Suchtkranken ist jedoch so, dass Abstinenz eben nicht gleich Zufriedenheit bedeutet. Wie bewältigt man solche Zeiten? Da heißt es nüchtern zu handeln und »Nüchternheit« als Qualität wertzuschätzen.

Hier geht es um die Ambivalenz von »Autonomie und Abhängigkeit«, bzw. »Kontrolle und Unterwerfung«

Auf welcher Weise den Männern geholfen wird, finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Sinnstiftung

Hirsch: Herr Behring, Sie binden auch das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker-Gruppen in Ihr Konzept mit ein. Verlangt das von den Männern nicht eine gewisse Akzeptanz des Glaubenssystems der Kirche? Hat der »Held« bisher alles alleine bewältigen und selbst Verantwortung übernehmen müssen, bittet er nun »Gott«, ihm den Makel der Sucht und die Charakterfehler zu nehmen. Ist das kein Widerspruch?

Behring: Mein Konzept ist inspiriert vom 12-Schritte-Programm und knüpft an Elemente an, insbesondere an die Begriffe »Kapitulation« und das »Nur für heute«. Ich empfehle keinen »Gott«. Das 12-Schritte-Programm vom Ursprung definiert »Gott« auch ausdrücklich als »Höhere Macht, größere Kraft« – und ist auch nicht kirchlich gebunden.

Wie kann Spiritualität die Heilung unterstützen? Das steht im vollständigen Beitrag. Denn können wir hier leider nicht kostenlos abdrucken. Aber für nur 2,00 € Unterstützungsbeitrag sind Sie dabei! 😉

Hirsch: Sehen Sie die Seele der Männer als verletzt an und wo sehen Sie wenn, die Ursachen dafür? Wo beginnt für Sie die Heilung dieser Wunden in Ihre Therapie?

Behring: Natürlich sind die Seelen der Männer verletzt, wie die Seelen der Frauen. Verletzung für mich ein Bestandteil des Menschseins. Joachim Lenz (von: Forsche Männer & Frauen – Büro für Beratung, Bildung, Forschung, Freiburg) wies jedoch 2015 auf einer FDR-Tagung in Berlin zu Recht auf den »toten Winkel« hin, in dem sich männliche Opfer (und weibliche Täter) gesellschaftlich befinden. Sein Resümee: Die Gesellschaft sei noch nicht reif dafür, männlichen Schmerz und Trauer  anders wahrzunehmen und zu ertragen, denn in Form von Täterschaft/Kriminalität oder Krankheit/Sucht. Und so werden »Symptome« gesellschaftlich (und therapeutisch) schnell und oft in die kranke Ecke interpretiert und so wird Kundschaft für die Ritalin und Psychopharmaka produzierende Industrie produziert. Meine These: Es fehlt gesellschaftliche und therapeutische Kompetenz für die Steuerung männlicher Emotionen und: Respekt vor der Würde männlicher Identität, insbesondere wenn sie sich in Form verletzlicher Männer zeigt.

Für mich beginnt die Heilung in der Schaffung eines angstarmen, sicheren Raumes, wo männliche Verletzbarkeit geschützt wahrgenommen und gewürdigt werden kann. Auf diesem Boden kann weitere Heilung passieren in Form von Traueraktivierung, Trost, weiterem emotionalen Ausdruck – auch von Wut – und vor allem: solidarischem Gemeinschaftserleben. Der männliche Schmerz braucht Anteilnahme, »Zeugenbewusstsein« (in Anlehnung an Hans-Joachim Maaz) und: Akzeptanz im Gegensatz zu Bagatellisierung oder Dramatisierung.

Jürgen Behring

Über den Autor

Jürgen Behring, geb.1958 in Lübbecke/Westfalen, Diplom-Sozialpädagoge/Suchttherapeut (mit familientherapeutischer und gestalttherapeutischer Qualifikation). (Langjährige Erfahrung u.a. in Bondingpsychotherapie, Aufstellungsarbeit und initiatisch-phänomenologischer Arbeit (ZIPAT). Seit 2000 tätig in der stationären Rehabilitation von Abhängigkeitskranken. 2006 – 2010 männerspezifische Drogentherapie Männertherapiezentrum Fachklinik Flammersfeld. Seit (Oktober) 2016 in der Barbarossa-Klinik Kelbra/Kyffhäuser. www.nuechtern-gut-leben.jimdo.com

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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