Spirituelle Feste, Maha Kumbh Mela und Pilgerorte

Spirituelle Feste, Maha Kumbh Mela und Pilgerorte

Lebendige Spiritualität in Indien und was sie uns lehren kann

Autor: Bharati Corinna Glanert
Kategorie: Veden/Yoga
Ausgabe Nr: 58

 

Die vedischen Schriften sind die ältesten, umfangreichsten und unverändert überlieferten heiligen Schriften der Welt. In dem einführenden Artikel gibt die spirituell Reisende Bharati ihre eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse weiter. Als spirituelle Reiseführerin gibt sie einen Überblick über das indische spirituelle Wissen, so dass die spirituelle Reiselust geweckt wird.

 

Indien ist ein Land voller Geheimnisse. Farbenprächtige Feste und magische Rituale, extrem hingebungsvolle Yogis und Wunder vollbringende Sadhus – was vielen Menschen in Deutschland sehr befremdlich erscheint, ist in Wirklichkeit höchste gelebte Spiritualität. Wer es vermag, tiefer zu blicken, entdeckt in Indien eine lebendige Spiritualität, die den meisten Menschen hierzulande bislang völlig verborgen blieb. Ich habe volle 10 Jahre in Indien gelebt und bin erst seit 2011 wieder für eine längere Zeit in Deutschland – etwa die Hälfte des Jahres. Die intensive und lange Zeit in Indien hat mich sehr geprägt, und heute ist es mir ein großes Herzensanliegen, Menschen in Europa nahezubringen, was es bedeutet, einen wahrhaft spirituellen Weg zu gehen.

Über die Grundlagen der indischen Spiritualität und meinen persönlichen Weg habe ich in meinem ersten Artikel »Die Geheimnisse Indiens« (Tattva-Viveka-Ausgabe 54) schon ausführlicher berichtet. In diesem zweiten Beitrag zeige ich Interessierten, was gelebte Spiritualität für jeden selbst bedeuten kann und welche tiefen Erfahrungen damit möglich sind. Eine Indienreise wie die zur Kumbh Mela, dem größten spirituellen Fest weltweit, ist eine hervorragende Möglichkeit, tief in die Geheimnisse der indischen Spiritualität einzutauchen. Jede Reise nach Indien bringt zudem tiefe innere Einsichten, denn an energetischen Kraftplätzen spiegeln Begegnungen und Erlebnisse im Außen oft das wahre Innere wider.

 

Je mehr wir wissen, umso näher kommen wir den Sadhus und Yogis, da wir ihre Ebene verstehen können.

 

Das größte Pilgerfest der Welt

Die Kumbh Mela ist das höchste spirituelle Fest Indiens. Es kommen dort jedes Mal Millionen von Pilgern wie Heilige, Erleuchtete, Yogis, Sadhus, Swamis und spirituell Suchende zusammen. Sie reisen von überallher an, um sich zu zeigen, spirituelles Wissen und Energien auszutauschen, um miteinander zu feiern und auch, um die heilige Energie dieser Orte während dieser speziellen Zeit in sich aufzunehmen.

Alle 12 Jahre findet im nordindischen Allahabad die größte Kumbh Mela statt, die Maha Kumbh Mela. Es ist das allergrößte Pilgerfest auf diesem Planeten – riesig, eindrucksvoll, unbeschreiblich. Selbst jene Yogis, die sonst völlig zurückgezogen in ihren Höhlen im Himalaya leben, zeigen sich auf dieser gigantischen Maha Kumbh Mela. Insgesamt waren dieses Jahr rund 100 Millionen Pilger dort. Ich begleitete zwei wundervolle Pilgergruppen und wir wurden mit einigen hochspirituellen Erfahrungen beschenkt.

 

Wenig Verständnis in der westlichen Welt

Doch mir wurde dort auch wieder der große Unterschied zwischen spirituellem Leben in Indien im Vergleich zu dem in Deutschland sehr deutlich. Ich glaube, vielen Menschen hierzulande ist der Hintergrund der Sadhus, Yogis und auch Gurus nicht so verständlich. Ich habe mir deshalb vorgenommen, ab sofort mehr Infos in Videos auf YouTube zur Verfügung zu stellen und mein Wissen auch in Artikeln, Vorträgen und Seminaren weiterzugeben. Denn wenn der westliche Charakter mit dem östlichen spirituellen Wissen und der Energie in Verbindung kommt, kann so viel Positives entstehen. Es schließt sich dann oft ein Kreis, der wundervolle Energien aktivieren kann.

Da wir im Westen meist eine andere Spiritualität leben, ist mir auch verständlich, warum manche Menschen es nicht leicht finden, die oft sehr disziplinierten spirituellen Übungen mancher Yogis und Sadhus zu akzeptieren. Das zeigen mir auch einige Kommentare wie dieser, die ich immer wieder höre: »Ja, also ich brauche keine spirituelle Praxis anzuwenden, es ist ja alles in mir.« Nun, das stimmt. Alles ist in uns. Doch bei den meisten Menschen sind die Chakren dennoch geschlossen, haben nicht ihre volle Aktivität und Kraft. Diese Kraft können wir aber erwecken. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, vollste spirituelle Kräfte in sich zu entfalten. Denn der Körper jedes Menschen ist sein größter Tempel.

 

»Das Universum hört immer zu« und »Es ist alles möglich«.

 

In jedem Chakra unseres Körpers wohnen eine Gottheit sowie ein Mantra und ein Yantra. Wenn wir die Chakren aktivieren, können wir höchste spirituelle Erfahrungen erleben und die Energie für Selbsterkenntnis und Selbstheilung nutzen. Durch das Pilgern und Besuchen von Tempeln und heiligen Orten bringen wir die spirituellen Kräfte dieser Orte in uns hinein und verbinden unsere Chakren mit kosmischen Kräften.

Ein anderes Wort für spirituelle Praxis ist Sadhana. Jeder in Indien, der ein spirituelles Ziel verfolgt, praktiziert Sadhanas. Diese Ziele können zum Beispiel sein, gewisse spirituelle Kräfte, sogenannte Siddhis und Yogas, zu entwickeln oder kraftvolle Verbindungen mit höheren Energien aus anderen Welten herzustellen. Zu den Sadhanas gehören zum Beispiel bestimmte Mantren, Stotrams, Bhajans (spirituelle Lieder), Seva (selbstloser Dienst) sowie gewisse, oft eher geheime Kräuterprozesse. Für die Sadhanas pilgern viele Menschen zu speziellen Zeiten zu bestimmten Kraftorten, denn einige dieser energievollen Plätze können enorme Shakti (spirituelle Energien) in uns aktivieren und sie auf uns übertragen.

Meine Erfahrung ist auch: Je mehr wir wissen, umso näher kommen wir den Sadhus und Yogis, da wir ihre Ebene verstehen können. Wenn wir nur als Touristen an spirituelle Kraftorte reisen, ohne das nötige Hintergrundwissen zu haben, verpassen wir oft die wahre Botschaft und Energie.

Da viele Teilnehmer meiner Reisen anfangs nicht viel über die wahre Tiefe indischer spiritueller Arbeit wissen, versuche ich auch während der Reisen so viel spirituelles Wissen wie möglich in Satsangs weiterzugeben. Die Teilnehmer sind dann häufig von ihren Erfahrungen sehr positiv überrascht, denn in jedem von uns steckt ein Yogi, jeder hat eine Seele, die erwachen möchte.

 

Es ist sehr wichtig, sein Ziel zu kennen und sich nicht im spirituellen Ego zu verstricken.

 

Ich habe mir mein Wissen über viele Jahre hart erarbeit, saß zum Beispiel mit Yogis sehr lange in Höhlen und habe insgesamt außerordentlich viel Zeit mit Swamis, Yogis und Sadhus verbracht – so auch auf der Kumbh Mela. Häufig, wenn meine Gruppe schon müde war und sich zurückzog, saß ich noch lange mit Yogis an deren Dunis (Feuerstellen) und tauschte mich mit ihnen aus, um Wissen und Segen von ihnen zu erhalten. Da bin ich schon oft und sehr deutlich über meine Komfortzonen hinausgegangen, allerdings immer mit voller Freude und Hingabe.

Auch die meisten Sadhus leben kein einfaches Leben. Sie nehmen viel dafür in Kauf, um diesen Weg der spirituellen Meisterschaft zu gehen – das Ego, die Gedanken und die Seelenenergie zu höheren Ebenen zu transformieren. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 58

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 18: Aranya Maharaja – Der vollkommene Zustand der Seele

TV 25: Satprem – Der Veda und die Bestimmung des Menschen

TV 39: Gabriele Schindler – Das Pratyabhijnahrdayam aus dem Kashmir Shivaismus

TV 44: Annett Friedrich – Das Phänomen »Palmblattbibliotheken«

TV 44: Angela Mahr – Tantra, Sex und Erleuchtung. Wie geht das zusammen?

TV 51: Johannes Kurki – Sri Govindaji. Gottesbild der Manipuris

TV 51: Josephine Selander – Auf dem Weg zur höchsten Realität.
Die Philosophie des Yoga

TV 54: Bharati Corinna Glanert – Die Geheimnisse Indiens. Kraftorte und Sadhana

 

Bildnachweis: © Uli Mattes