Die Liebe zum Mann-Sein

Die Liebe zum Mann-Sein

Die Liebe zum Mann-Sein

Spurensuche einer neuen Männlichkeit

Autor: Sharan Thomas Gärtner
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 60

 

Sharan Thomas Gärtner ist Männertrainer und betreute für diese Ausgabe als Gastredakteur das Schwerpunktthema »Mann sein«. Ihm ist es ein Herzensanliegen, die Vielfalt der Männerarbeit aufzuzeigen und die unterschiedlichen Richtungen und Dimensionen zu verbinden. Er zeigt: Geklärtes, selbstbewusstes Mann-Sein ist nicht nur wichtig für die Männer, sondern für die Gesellschaft als Ganzes, für das Leben, für die Kinder, für die Zukunft der Erde und – natürlich – für die Frauen.

 

Mann-Sein im globalen Dorf

 

»Der moderne Mann müsste ein Suchender und ein Liebender werden.«
Gerald Hüther: Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn

 

Was genau ist männliche Identität heute? Wie können Männer und Frauen zusammen wirken? In unserem globalen Dorf existieren dazu gleichzeitig unterschiedlichste Entwicklungsstufen.

In Deutschland ruft das Familienministerium das Ende des Geschlechterkampfes aus und verlangt stattdessen den Übergang »von der Frauenpolitik über die Gleichstellungspolitik zur nachhaltigen Politik der Chancengerechtigkeit für Frauen und Männer.« Zur gleichen Zeit werden in Pakistan schwangere Frauen von ihren männlichen Familienangehörigen gesteinigt und Ultrakonservative in Russland bezeichnen den Westen als dekadent, »weil er Feminismus und Homosexualität toleriere.« Sie fordern, ihre eigene Gesellschaft müsse wieder »maskuliner« werden. Um diese Gleichzeitigkeit zu verstehen und konstruktiv mit ihr umzugehen, haben unter anderem Spiral Dynamics und die Integrale Theorie brauchbare Landkarten entwickelt. Davon später mehr.

Auch hier in Deutschland erleben wir dieses Nebeneinander völlig verschiedener Werte und Vorstellungen. In diesem Kontext schrieben zum Beispiel junge grüne profeministische Männer 2013 ein Grünes Männer-Manifest mit dem Titel: »Nicht länger Machos sein müssen«, trafen sich beim 32. bundesweiten Männertreffen zweihundert heterosexuelle und schwule Männer zum Thema »Mythen, Masken, Männerbilder«, und im September 2014 lädt ein Männer-Frauen-Team zum dritten »Frauen-Männer-Kongress« nach Oberlethe ein und nennt ihn »Symposium für eine neue Liebeskultur«. Im gleichen Kontext stellt »Der Maskulist« eine »Webseite zur Wahrung des maskulinen Ansehens – eine Abrechnung mit Begriffen, Thesen und Methoden feministischer Manipulation in Medien, Kultur und Gesellschaft« online, während Gerald Hüther 2013 die Initiative »Männer für morgen« startet und der Männertrainer Frank Fiess in Berlin 2014 das Manifest »Männer mit Herz« veröffentlicht.

 

Spurensuche einer neuen Männlichkeit

 

Zahlreiche Männerinitiativen, Therapeuten und Mentoren bieten Selbsterfahrungsworkshops und Visionssuchen für Männer und Jahresgruppen zur Initiation pubertierender Jungen an, denen eines gemeinsam ist: die Suche nach einem neuen, selbstbewussten Männerbild.

Herausforderungen einer neuen Männlichkeit

»Liebe zum Mann-Sein« nenne ich meine eigene Männerarbeit aus sehr persönlichen Gründen. Am Anfang stand – nach den Suchbewegungen eines Jungen, der seinen Vater vermisst – die Freude über die Beheimatung unter Männern, die Freude am eigenen, selbstbewussten Mann-Sein und die Vorfreude auf eine neue Liebeskultur.
In meiner Männerarbeit versuche ich Räume zu schaffen, in denen wir eine neue, bewusste Wahl treffen können, wer wir als Mann sein wollen. Deshalb empfinde ich es als meine Verantwortung, mir der Begrenztheit meiner Perspektive bewusst zu bleiben und aktiv auf Menschen und Erfahrungen zuzugehen, die meinen Horizont erweitern. So bin ich mir bewusst, dass ich im Folgenden aus meiner Perspektive als heterosexueller Mann schreibe. Einen großen Gewinn sehe ich darin, wenn sich »anders leben«, »Selbsterfahrung« und »politische Männerarbeit« mehr vernetzen.

 

Die Liebe zum Mann-Sein

 

Besonders meine Begegnung mit Marshall Rosenberg, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, bei seinem Besuch im ZEGG 2006 hat mich in Kontakt mit dem tiefen Wunsch gebracht, Verbindung zu schaffen. Für mich war es die Begegnung mit einem mutigen Mann, einem väterlichen Mentor, der mich daran erinnerte: die Verantwortung, immer wieder für Verbundenheit zu gehen, liegt allein bei mir! Es schmerzt mich von außen zuschauen zu müssen, wenn Menschen nicht zueinander finden, weil Angst oder Schmerz sie auf eine Weise sprechen oder handeln lassen, die Trennung und Abwehr erzeugen. Deshalb bitte ich in meiner Arbeit immer wieder um den Segen meiner Höheren Macht, die uns hilft, solche Schleier zu lüften. Und binde gleichzeitig mein Kamel an: gehe ins Gebet, finde zur Stille in der Meditation, erinnere mich an die Werkzeuge der inneren und äußeren Friedensarbeit. Meine persönliche Balance zwischen »männlich« und »weiblich« finde ich letztendlich selbst; gesellschaftlich kreieren wir sie gemeinsam.

Wer sich auf diese innere Reise begibt, vor allem aber, wer andere Männer dazu einlädt und sie in Form von Männerarbeit und Männerbildung dabei kompetent begleiten will, der sollte die Männer-Landschaft ein wenig überblicken.

 

Die Identität des integralen Mannes

 

So entstand die Idee zu diesem Schwerpunkt MANN-SEIN und die Einladung an einige engagierte Kollegen, aus ihrer Männerarbeit zu berichten:

  • Kann man eigentlich aus dem »inneren Patriarchat« aussteigen? Und wenn ja, wie?
  • Welche Schattenarbeit steht dem Grenzgänger bevor, der sich den ganzen Reichtum »archaischer« und »sensitiver« Männlichkeit zurückerobern will: statt einer gemäßigten Ausgabe von Mann-Sein ebenso wild und kraftvoll wie zart und mitfühlend sein zu können?
  • Wie können wir Männer die Erfahrungsschätze dieser Selbstfindung auf eine lebendige, respektvolle Weise heranwachsenden Jungen als Basis für eine selbstbewusste Männlichkeit weitergeben? Eine Männlichkeit, die innerlich frei ist für die Wertschätzung des Weiblichen?
  • Wie lässt sich beschreiben, wodurch sich heilsame oder heilende Erfahrung in der Sexualität von Ablenkung, Kompensation und Sucht unterscheidet – und zwar jenseits von Moral, sondern vielmehr aus der von Herzen dem Männlichen zugewandten Erfahrung und der jahrelangen Begleitung von Männern?
  • Wie sieht ein in unserem Alltag gangbarer Weg aus, der uns im besten Sinne wieder mit der Unschuld unserer sexuellen Essenz verbindet und uns die Freiheit schenkt, Sexualität als spirituelle Kraft zu erleben – als Tor zu Intimität mit uns selbst, mit unserem geliebten Gegenüber – und mit Gott?
  • Und wieso und in welcher Weise haben all diese Grenzgängereien und Wiederentdeckungen ihren natürlichen Platz in einem eigenen »Raum der Männer«, in einer ganzheitlichen männlichen Selbsterfahrung, Herausforderung, Unterstützung und – Brüderlichkeit?
  • Die Beiträge in diesem Heft geben mögliche Antworten auf diese Fragen. Zwei Dinge vorab: Wir blicken im Folgenden auf die Entwicklungen in den westlichen Industriegesellschaften. Außerdem kann hier vieles nur angedeutet werden. Die Online-Version dieses Artikels enthält noch ausführlichere Texte und weitergehende Quellenangaben. […]

     

    Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 60

     

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    Sharan Thomas Gärtner TV60 (PDF)

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    Eine lange reine Textversion mit kompletten Fußnoten und ohne Bilder kann HIER heruntergeladen werden.

     

    Die Männerseite bei Tattva Viveka


     

    Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

    TV 47: Ronald Engert – Entwirrung der Gefühle. Warum Schmerz gut ist

    TV 51: Alexandra Schwarz-Schilling – Frauen im Matriarchat.
    Zur Rekonstruktion der weiblichen Kraft

    TV 51: Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming – Rettet mehr Spiritualität die Welt?
    Von der Notwendigkeit ganzheitlicher Lösungen

    TV 52: Prof. Dr. Walter Hollstein – Der entwertete Mann.
    Die männliche Sicht der Emanzipation

    TV 52: Martin Ucik – Integrale Beziehungen. Sozialbiologische und psychologische Selektionsprozesse in der Geschlechterbeziehung

    TV 52: Ronald Engert – Gut, dass es mich gibt. Tagebuch einer Genesung

    TV 58: Gabriele Sigg – Die dunkle Seite der Liebe.
    Der weibliche Schatten als ein nachlässig diskutiertes Problem

     

    Bildnachweis: © Alexandre Miguel Da Silva Nunes, Dreamstime.com, Kristina Brustik, Tatjana Bach

     


     

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