Arche Noah

Arche Noah

Seelenreise zum Ursprung der Schöpfung

Autor: Prof. Dr. Peter Hubral
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 90

Peter Hubral stellt neue Entdeckungen und Querverbindungen zwischen der griechischen Antike und dem Daoismus dar. Vor allem Noah wird nun als praktisch Übender vorgestellt, der den Aufstieg von Soma (Körper) zu Pneuma (der nicht-materiellen Dimension) unternimmt. Einige altgriechische Begriffe wie aporia und sophrosýne erfahren hier eine ganz andere Auslegung und machen damit den Blick auf das ganze Bild der Wahrheit frei.

Heraklit:
Was man sehen, hören, erfahren kann
(und folglich nicht glauben braucht),
dem gebe ich den Vorzug.
Seelenreise Platon Sokrates
Bild 1. Altgriechische AusÜBENDE der philosophía auf ihrer »universellen magical mystery tour«

Peter Hubral stellt neue Entdeckungen und Querverbindungen zwischen der griechischen Antike und dem Daoismus dar. Vor allem Noah wird nun als praktisch Übender vorgestellt, der den Aufstieg von Soma (Körper) zu Pneuma (der nicht-materiellen Dimension) unternimmt. Einige altgriechische Begriffe wie aporia und sophrosýne erleben hier eine ganz andere Auslegung und machen damit den Blick auf das ganze Bild der Wahrheit frei.

Der Mensch ist tagein und tagaus mit der Schöpfung im Kontakt. Diese tut sich dadurch kund, dass jede neue Eingebung, die er erfährt, eine konfuse, noch nicht artikulierbare Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem ist. Sie wird in Momenten stiller Weltabgewandtheit, im Nicht-Tun (TV 44, 50, 74), spontan geboren und danach in Worte gefasst. Sie erweitert sein Wissen (Gr. empería) und prägt seine Bildung (Gr. paideía), die für sein Leben unverzichtbar sind.

Absolutes Nichtsein
Bild 2. Schematische Darstellung (a) des Großen Wegs (Pfeil I = Aufstieg) vom Diesseits (A) durch die drei jenseitigen Taiji-Welten (Himmel) zum absoluten Nichtsein (D) und (b) der Entstehung (Pfeil II = Abstieg = Schöpfungsakt) der drei Taiji-Welten (Himmel) und des Diesseits (A) aus dem absoluten Nichtsein (oberhalb D).

Praxis des Sterbens

Die Dao-Praxis (Bild 1) intensiviert die Eingebung. Sie erfordert keine Methode (Hypothese, Dogma, Instruktion, Ritual, Bedingung). Sie ist formlos und glaubensfrei, denn nur so erweckt man damit der Dao-Lehre zufolge im rigorosen Nicht-Tun (Wuwei) die in uns verschütteten außergewöhnlichen fünf Sinne und das sie koordinierende Bewusstsein.

Dafür wird in der pythagoreischen/platonischen philosophía, die Platon auch theologiá nennt, die meléte thanátou (Praxis des Sterbens, Bild 1) eingesetzt. Darüber schreibt er (Phaidon 64a): »Andere Menschen sind sich wahrscheinlich nicht darüber im Klaren, dass diejenigen, die die philosophía korrekt ausÜBEN, nichts anderes tun, als ‚sterben‘ und ‚tot‘ zu sein.«

Sterben und tot sind nicht wortwörtlich zu nehmen. Sie sind Metaphern, deren Inhalte mit der meléte thanátou, die Platon freudvoll (phaidros) nennt, zunehmend erfahren werden. Diese einzigartige und persönliche Praxis führt – in Funktion des Übungsfortschritts (P in Pfeil I in Bild 2) – zur Erleuchtung (»Tod«). Ich erkannte den Weg dorthin in der philosophía (theologiá) in der mir seit 1997 vertraut gewordenen Dao-Praxis der Dao-Lehre wieder. Er wird von Laozi (Kap. 25) »Großer Weg« (Dadao) genannt.

Ich konnte anhand von Mustererkennung zeigen, dass die Dao-Metaphern, die der Weg in der Innenschau (Bild 1) – zur Beschreibung der außergewöhnlichen Erfahrung – »aus sich heraus« hervorbringt, mit denen der griechischen philosophía inhaltlich übereinstimmen.

Mehr über die langsame Reise des Selbst hin zur Erleuchtung kannst du im vollständigen Artikel nachlesen, der am Ende des Textes für 2,00 € erhältlich ist.

Lehre der drei Welten

Viele traditionelle Lehren zwischen Ost und West berichten von drei Welten. Meine Schule nennt sie Taiji-Welten (You, Wuyou, Wu) (Bild 2). Es gilt: You = Sein (Diesseits), You = Nichtsein und Wuyou (= Dao = Taiji) = Mischung aus Wu und You. Ihre drei Weltinhalte (Xing, Qi, Shen) (Bild 2) werden von ungeÜBTEN Interpreten unzureichend mit (Körper, Qi, Geist) übersetzt.

Der Grund dafür ist deren Unkenntnis der Praxis und all dessen, was sie »aus sich heraus« im Nicht-Tun, also ohne eigenes Tun (Handeln, Streben) generiert, also erfahren wird und nicht geglaubt werden braucht.

Auch wird von UngeÜBTEN verkannt, dass Qi, so wie Wasser für Eis, Wasser, Dampf, der Oberbegriff für seine im Aufstieg (Pfeil I) zunehmend übersinnlich erfahrenen drei Metamorphosen von (Xing, Qi, Shen) ist. Dies heißt, dass sich dabei Qi von Xing zu Shen stufenweise verwandelt.

Was für (Xing, Qi, Shen) gilt, betrifft auch sein griechisches Äquivalent (sóma, psyché, pneúma), das unzureichend mit (Körper, Seele, Geist) übersetzt wird. Der Grund dafür ist, weil nicht erkannt wird, dass sich auch dahinter die dreistufige Metamorphose (Pfeil I) des Qi (Psyche) – von seiner untersten Wahrnehmung der körperlichen (sinnlichen, irdischen) Welt (in A) bis hin zur höchsten geistigen (übersinnlichen, himmlischen) – verbirgt.

Diese gipfelt am Ende des Wegs (D) in der Erleuchtung. Damit habe ich präzisiert, was hinter sophrosýne steckt und erforderlich ist, um nachzuvollziehen, was Platon über den spirituellen Schöpfungsakt (Pfeil II), den Wandel der psyché von pneúma zu sóma, schreibt (Timaios 50d): »Im Augenblick aber müssen wir uns drei Gattungen (Metamorphosen der psyché) denken: Das Werdende (psyché), das, was daraus wird (sóma), und das (pneúma), woraus das Gebärende (psyché) entstanden ist.«

Lies im vollständigen Artikel mehr über die Seelenreisen, die Selbsterfahrung und Kraft im Nicht-Tun und dreifache Unterteilung der Seele.

Vom »Tier« zum »Kind«

»Tier« ist mehreren traditionellen Kulturen, die den Aufstieg lehrten, eine Metapher für Menschen, die sich übermäßig weltlichen (irdischen) Dingen hingeben. Davor warnte der bekannte Spruch am Apollon-Tempel in Delphi: »Nichts im Exzess.« Wir lesen bei Platon (Rep. 379c): »Das Gute wird bei uns Menschen weit überwogen von dem Übel.«

Und (Rep. 586 a ff): »[…] nach ›Art des Viehes‹ immer auf dem Boden stehend und zur Erde und den Tischen gebückt, nähren sie sich (die Menschen) und bespringen einander auf der Weide; und wenn sie aus habsüchtiger Begierde nach diesen Dingen ausschlagen und stoßen, so töten sie auch untereinander mit eisernen Hörnern und Hufen aus Unersättlichkeit.«

»Art des Viehes« verweist auf psyché = sóma, also ihre weltliche (unterste) Wahrnehmung (in A). Dies bestätigt mir Suhrawardi, für den, wie betont, nafs – Äquivalent für Qi (psyché) – dreigeteilt ist und nafs-i ḥayawānī (tierische psyché) der untersten psyché (sóma) entspricht. Bemerkenswert ist, dass auch anima, das Etymon des Wortes Tier, das lateinische Wort für die weltzugewandte (diesseitige) psyché ist. Sie ist angesprochen in: »Nephesch ha-Behemit (Tierische Seele) ist der noch am stärksten animalische Anteil der (menschlichen) Seele, von dem die (weltzugewandten) Begierden und Instinkte ausgehen.«

Auch Daoisten sprechen die tierische Seite der Menschen an, was Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) erkannte. Den Meistern geht es darum, ihre Schüler zu unterstützen, diese Seite in uns zu überwinden. Dabei geht es um Folgendes (Matthäus 18:3): »Wenn ihr nicht umkehrt (Pfeil I) und werdet wie die Kinder (paidía), so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.«

Mehr darüber, welche Auswirkungen die Meditation des Sterbens hat und wie die besondere Entwicklung der Seelen vom Animalischen hin zum Bewussteren vonstattengeht, kannst du im vollständigen Beitrag lesen, den du unten bestellen kannst.

Es ist eine hohe Kunst, sich mittels der Praxis (Bild 1) von psyché = sóma zu befreien und aufzusteigen (Pfeil I). Diese wurde – bis zum Untergang der philosophía (TV 45–46) und der ihr äquivalenten Lehren – von Meistern, zu denen ich auch Noah und Jesus zähle, einst gelehrt. Deren im Aufstieg zunehmend erfahrbaren Lehrinhalte, die das WISSEN (epistéme) prägen, wurden jedoch nach deren Untergang umgedeutet und als Glaubenslehren verbreitet.

So wurde zum Beispiel der Arche-Noah-Mythos nicht nur in der Bibel im Christentum, sondern auch in der Bahai Religion, die in altiranischer Tradition wurzelt, religiös verzerrt. Dort ist Noah der »Heilige Seefahrer«, der mit seiner Arche Gläubige zur Erkenntnis Gottes führt.

Auch Platon verfolgte ein ähnliches Ziel wie Noah. Er beschreibt in Politeia den Idealstaat, der von einem (erleuchteten) »Philosophenkönig« regiert wird, denn nur er könne die Wahrheit (aletheía) erkennen und somit ein weiser und gerechter Herrscher sein. Platon versuchte, diesen »Staat« (wohl eher eine spirituelle Gemeinde) in Syrakus (Sizilien) zu realisieren, und scheiterte.

Dabei sollte es darum gehen, dass dessen Bürger je nach Motivation und Fähigkeit ihren Aufstieg (Pfeil I) der psyché realisierten. So konnten sie sich so gut wie möglich zum »Ausgang (D) von Platons Höhle (A)« begeben, worauf er im Höhlengleichnis hinweist.

Seelenreise zum Ursprung der Schöpfung

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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Schwerpunkt: Die Magie des Klangs
Erschienen: März 2022

Dietlinde Küpper – Musik als Tor zum Transzendenten • Miroslav Großer und Birge Funke – Die Sehnsucht des Klanges und seine multidimensionale Wirkung • Saskia Baumgart – Die Stimme der Sirene • Clemens Zerling – Eine Reise zum Urton • Hans Cousto – Die kosmische Oktave • Hannes Heyne – Musikalische Ökologie • Prof. Dr. Klaus Fessmann – Die Musik der Steine • Dr. Rahmi Oruc Güvenc – Heilwissen aus dem Orient • Anette Blühdorn – Das metaphorische Herz • Marion Schickert – Die vielbegabte Scannerpersönlichkeit • Peter Hubral – Arche Noah • u.v.m.

Mehr zum Inhalt

Zum Autor

Prof. Dr. Peter Hubral

EDr. Peter Hubral ist Professor i.R. für Geophysik. Er hat 5 Bücher in deutscher und englischer Sprache verfasst, in denen er zeigt, dass die Pythagoreische/Platonische Schule der Selbst- und Welterkenntnis – infolge des Verlusts ihrer einzigartigen Übungspraxis – ausgestorben ist. Ihre Essenz hat aber in der Lehre von Dao-Meister Fangfu bis heute überlebt.

Sein neues Buch Der glaubensfreie universelle Erleuchtungsweg, das das Thema ausführlich behandelt, ist am 14.01.2022 im Rediroma Verlag erschienen.

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