Yoga der Nachhaltigkeit

Yoga der Nachhaltigkeit

Innere Pfade für das gute Leben

Autor: Dr. Christoph Harrach
Kategorie: Veden/Yoga
Ausgabe Nr: 89

»Ohne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben
und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden.«
(Vereinte Nationen 2015: 2)
»Lokāḥ Samastāḥ Sukhino Bhavantu.«
(Sanskrit: Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren.)

Der Ökonom und Yogalehrer Dr. Christoph Harrach geht ausführlich der Frage nach, inwiefern die Philosophie und Praxis des Yoga einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten können. Dabei wird deutlich, dass Yoga als spiritueller Übungsweg den Blick von den äußerlichen Strukturen in das Innere des Menschen lenkt, um die gewünschten Veränderungen hin zu einer gerechten und gesunden Welt zu erreichen.

Wie können wir so leben, dass Frieden oder Sanskrit Shanti für alle Menschen möglich ist? Der vorliegende Artikel möchte einen Versuch wagen, diese Frage aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln zu beantworten, deren Wechselwirkungen bisher noch nicht ausreichend untersucht und diskutiert wurden. Und das, obwohl beide Perspektiven eine hohe Relevanz für unsere heutige Gesellschaft besitzen. Erstens wird in der öffentlichen und politischen Diskussion deutlich, dass die Art und Weise, wie wir heute (insbesondere in den westlichen Industrienationen) leben, nicht zukunftsfähig ist. Unsere Konsum- und Spaßgesellschaft verbraucht durch einen materialistischen Lebensstil zu viele natürliche Ressourcen, was jedoch durch das Ideal eines stetigen Wirtschaftswachstums politisch legitimiert wird. Gleichzeitig werden Zeichen des Wandels auch über Proteste der »Fridays for Future«-Bewegung hinaus sichtbar: Wenn z. B. vor der Bildung einer neuen Bundesregierung fast 70 deutsche Großunternehmen öffentlich an diese appellieren, »eine Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität« schnellstmöglich auf den Weg zu bringen (Stiftung 2 Grad 2021), ist das ein deutliches Signal, dass das Thema Nachhaltigkeit aus der »Müsli-Ecke« in der gesellschaftlichen Mitte und bei den Entscheidungsträger:innen angekommen ist.

Die anstehende notwendige Veränderung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise stellt eine große Herausforderung für die gesamte Menschheit dar und es gibt unzählige Ideen, wie diese umgesetzt werden kann.

Bei der Suche nach geeigneten Lösungen für die »Große Transformation« (Schellnhuber et al. 2011) liegt ein Fokus eher auf technologischen und weniger auf sozialen Innovationen. Neben diesen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen ist in den westlichen Ländern ein Trend von alternativen Heilmethoden zu beobachten. Auf der Suche nach einem gesunden Körper und Geist nimmt die Bedeutung fernöstlicher Heilmethoden zu. Eine populäre und an die westliche Kultur anschlussfähige Disziplin kommt aus Indien. Yoga hat als praktisches Übungssystem zur Gesunderhaltung in den letzten Jahrzehnten eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz gewonnen. Bei der Beschäftigung mit den Effekten einer Yogapraxis finden sich neben den vielfältigen positiven gesundheitlichen Wirkungen auch erste Hinweise dafür, dass Yoga sich auch positiv auf die gesellschaftliche Entwicklung auswirken kann.

Du fragst dich, wie Yoga zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann? Erfahre mehr in der vollständigen Fassung des Textes – den Link dazu findest du unten nach den Textauszügen!

Die große Krise – Nachhaltigkeit

Vor dem Hintergrund sich verschärfender sozialer, ökologischer und ökonomischer globaler Herausforderungen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung. Man versteht darunter ein aus der Forstwirtschaft stammendes Konzept, nach dem die Menschen nicht mehr Holz dem Wald entnehmen sollten als auf natürliche Weise nachwachsen kann (von Carlowitz 1713). Die daraus politisch abgeleitete Idee einer nachhaltigen Entwicklung beschreibt »eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können« (Brundtlandt et al. 1987: 51). Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 2015 verabschiedete »Post-2015-Entwicklungsagenda« (Vereinte Nationen 2015: 1) stellt einen neuen völkerrechtlichen Bezugspunkt für eine zukunftsfähige Entwicklung dar. Diese »Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung« schreibt in 17 Zielen (engl. Sustainable Development Goals, SDGs) ein umfassendes globales Wohlstandsverständnis fest. Zur Erreichung dieses Wohlstandes werden in der Präambel die sogenannten »Fünf Ps« als Kernbereiche vorangestellt, die als handlungsleitende Prinzipien zur Erreichung der 17 Ziele gelten sollen: People, Planet, Prosperity, Peace and Partnership (Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft). Dabei stellt der Aspekt »Frieden« das Oberziel der nachhaltigen Entwicklung dar und »Partnerschaft« kann als Synonym für eine geteilte Verantwortung von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen verstanden werden.

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Was ist Yoga?

In diesem Abschnitt wird Yoga als Werkzeug der Krisenbewältigung dargestellt. Er beginnt mit einer philosophischen Einleitung, bevor im weiteren Verlauf die Entwicklung von Yoga im Westen dargestellt wird. Danach werden verschiedene klassische Yogapfade erläutert, um mit einer Synthese von wichtigen Yogaprinzipien abzuschließen.

In einer der wichtigsten Schriften der Yogaphilosophie, der Bhagavad Gita, wird Yoga in Vers 50 des zweiten Kapitels als »Geschick im Handeln« (Sankrit: yogaḥ karmasu kauśalam) erklärt (Sivananda Swami, 1998: 70). Diese handlungsbezogene Definition ist im Gesamtkontext der Bhagavad Gita zu verstehen. Das in dem Epos geführte Zwiegespräch zwischen einem spirituellen Lehrer namens Krishna und seinem Schüler Arjuna handelt von der Bewältigung einer großen Krise der Menschheit. Dabei geht es um Gut und Böse, um Verantwortung und Ethik, um Entscheidungsfindung in Extremsituationen und in der Essenz darum, wie wir als Menschen mit Krisensituationen umgehen sollen. Der Krieger Arjuna spielt dabei eine entscheidende Hauptrolle. Er ist mit der tragischen Situation, in der er sich befindet, überfordert und zeigt im ersten Kapitel (Vers 30) konkrete Burn-out-Symptome: »Der Bogen entgleitet meiner Hand, und auch brennt die Haut auf meinem ganzen Körper; meine Beine versagen mir den Dienst, und also wird mein Geist wankelmütig.« (Sivananda Swami, 1998: 47) In den folgenden Kapiteln unterweist ihn Krishna darin, zu erkennen, dass alle Probleme in der materiellen Welt ihren Ursprung immer im menschlichen Bewusstsein haben. Darüber hinaus lehrt Krishna ihm als »Coach« konkrete Prinzipien und Praktiken, wie er als Mensch auf solch herausfordernde Situationen reagieren kann.

Können wir die aktuelle Krise in der Menschheitsgeschichte meistern, wenn wir uns zukünftig geschickter im Sinne des Yoga verhalten? Downloade den vollständigen Artikel und erfahre mehr.

Sangha beschreibt im Yoga das Prinzip der Gemeinschaft. Mit diesem Prinzip wird deutlich, dass Yoga mehr ist als ein persönlicher Übungsweg. Obwohl es in den klassischen Yogatraditionen Indiens auch die asketischen Praktiken des Rückzugs aus der Gesellschaft gibt, sind der Austausch mit Gleichgesinnten und die gemeinsame Praxis zentrale Säulen im Yoga.

Ziel dieser Gemeinschaft ist es, sich gegenseitig zu inspirieren, ganz im Sinne des Zitats von Swami Sivananda: »Um eine Kerze zu entzünden, braucht es eine Flamme.«

Dieses Bild kann in zwei Richtungen interpretiert werden: Der/die Yogaübende braucht inspirierende Personen, die ihm die Flamme im Herzen entzünden können. Und jede/r Yogaübende hat das Potenzial, diese Flamme bei anderen Menschen zu entzünden. Dabei sind insbesondere die Werte des Zusammenlebens »Yamas« von Patanjali relevant. In Kapitel 2 Vers 30 werden sie wie folgt definiert: »Die Yamas bestehen aus Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit und Unbestechlichkeit.« (Bretz 2001: 115) Wenn wir uns an diese Grundregeln halten, ist eine friedliche Gemeinschaft möglich. Mit Sangha kann der kooperative und partnerschaftliche Ansatz im Yoga ausgedrückt werden.

Seva bedeutet im Sanskrit »Dienen«. Es ist ein Prinzip, das eigene Ego zu kultivieren, indem wir anderen Menschen und Gott dienen. Hinter Seva steht der Wert der universellen Gleichheit aller Geschöpfe, der auch als »Unity in Diversity« ausgedrückt werden kann. Diese Idee, dass in allen verschiedenen Manifestationen in der materiellen Welt das Göttliche steckt, wird in Vers 18 im fünften Kapitel der Bhagavad Gita wie folgt ausgedrückt: »Weise sehen keinen Unterschied zwischen einem gelehrten und frommen Brahmanen, einer Kuh, einem Elefanten und sogar einem Hund und einem Kastenlosen.« (Sivananda Swami 1998: 119) Je mehr ein/e Yogi:ni über uneigennütziges Dienen seinen/ihren Mitgeschöpfen hilft und diese erhebt, umso mehr kann er/sie Mitgefühl, Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde im Alltag realisieren.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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Christoph Harrach
Yoga und Nachhaltigkeit

Die ethischen Prinzipien des achtfachen-Yogasystems sowie viele Aussagen in der Bhagavad-gita lassen sich auf direkt aktuelle Verhaltensanforderungen in der Wirtschaft und der Ökologie anwenden. Yoga kann Kriterien für einen nachhaltigen Lebenswandel bieten, der zu allgemeinem Wohlstand führt.
 


 

Artikelnummer: TV089e_06 Kategorie: Schlagwort:

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Über den Autor

Unser Autor Dr. Christroph Harrach

Der Yogalehrer und Ökonom Dr. Christoph Harrach gilt als Vordenker für nachhaltige und gesunde Lebensstile sowie verantwortungsvolles Wirtschaften. 2010 erhielt er für seine Arbeit mit KarmaKonsum den deutschen Nachhaltigkeitspreis. Er zählt zu den Projektträgern der UN-Dekade für nachhaltige Bildung der UNESCO und ist Botschafter der Gemeinwohl-Ökonomie.

Er praktiziert seit über 27 Jahren integralen Yoga und forscht als Nachhaltigkeitswissenschaftler zu den organisationspsychologischen Aspekten der nachhaltigen Entwicklung.

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