Charakter ist Spiritualität

Charakter ist Spiritualität

Warum die Charakterbildung in der Nago-Tradition die Grundlage für Spiritualität darstellt

Autor: Akambi Oluwatoyin
Kategorie: Spiritualität allgemein
Ausgabe Nr: 95

Spirituelles Wachstum und religiöses Erwachen sind im Trend. Viele Menschen streben durch Spiritualität nach einer schnellen Transformation, um besser im Leben zu bestehen, während sie ein heilloses Leben führen und unmenschliche Werte vertreten. Für den Autor und Heilkundigen Akambi Oluwatoyin vom Volk der Nago, das seit Jahrtausenden die Natur und die Ahnen als heilig verehrt, gibt es keine spirituelle Entwicklung ohne Charakterbildung.

Das ganze spirituelle Erwachen nützt nichts, wenn es nicht von einem menschlichen und ethischen Charakter getragen ist.

Deshalb möchte der Autor die Bedeutung einer menschlichen Charakterbildung als zentrales Element von Spiritualität aufzeigen.

»Ohne menschenwürdigen Charakter gibt es keine Spiritualität.« Diese Grundlage der Spiritualität in der kulturellen Tradition meines Volkes zu übermitteln, teilten mir meine Vorfahren mit, bevor ich mit dem Schreiben dieses Beitrags begann. Alles, was Sie hier lesen, sind die Stimmen meiner Vorfahren und die Worte, die sie mir in die Ohren eingeflüstert haben. Als Nachfahre einer langen Reihe von Hüter*innen der Nago-Weisheitstraditionen und des Nago-Heilwissens und nach einer jahrelangen Begleitung von Menschen stelle ich immer wieder fest, wie vielen Menschen hier die spirituellen Traditionen Afrikas weitestgehend unbekannt sind oder wie oft sie missverstanden werden.

Ich möchte mir hier jedoch nicht anmaßen, Spiritualität zu definieren. Wenn ich mit einer Definition festlege, was Spiritualität ist, setze ich eine Grenze. Somit versuche ich sie lediglich von meinem kulturellen Hintergrund her zu beschreiben. Damit können Leser und Leserinnen eine Vorstellung davon bekommen, was die Nago unter Spiritualität verstehen. Spiritualität ist die Essenz allen Seins. Damit sind alle Menschen geboren. Spiritualität setzt nichts voraus und bedarf keiner Initiation, sondern braucht einen Auslöser. Der Zünder für Spiritualität ist das Erwachen des Bewusstseins dafür, dass das Leben nicht nur auf die physische Dimension beschränkt ist. In der physischen Dimension ist das Metaphysische enthalten. Das Leben ist eine Einheit, in der die materielle und spirituelle Ebene ineinanderfließen. Eine eindimensionale Erfassung des Lebens bleibt unvollständig.

Charakter ist Spiritualität

Wenn wir erkennen, dass wir mehr sind als unser Körper, und die Leere zwischen Körper und Geist schließen, können wir uns als Einheit erfahren. Indem ein Mensch sich als Einheit von Körper und Geist erfährt, kann er die Einheit mit dem Leben erfahren. Wir Nago gehen davon aus, dass ein Mensch diese Einheit nur spüren und wahrnehmen kann, wenn er sich als Geist in menschlicher Gestalt versteht.

Gedanken aus einer fremden Kultur kann man nur begreifen, wenn man die Denkweise in dieser Kultur versteht.

Die Bedeutung des Wortes Spiritualität bei den Nago in der deutschen Sprache auszudrücken, ist eine besonders schwierige Aufgabe, da die Begriffe und Wörter in beiden Sprachen keine gleiche Bedeutung haben. Der Nago-Begriff, der als Spiritualität bezeichnet wird, ist esin und bedeutet »mit Hingabe zu dienen, um zu sein«. Dabei hat jeder Mensch die Freiheit, selbst zu bestimmen, welchem Leben er mit Hingabe dienen möchte, um zu sein.

Das alltägliche Leben in der Nago-Tradition ist voller Spiritualität, überall und in allem enthalten. Dennoch: Der erste Schritt zur Spiritualität besteht darin, einen menschenwürdigen Charakter zu entwickeln, um eine harmonische Beziehung zum Leben der Gemeinschaft und zu allen sichtbaren und unsichtbaren Mitgeschöpfen zu pflegen. Dabei ist Charakter die Frucht gelebter Werte und Verhaltensweisen. Durch Charakter wird die Persönlichkeit eines Menschen gebildet.

Charakter ist Spiritualität

Ohne ein tugendhaftes Leben gibt es keine Spiritualität.

Das seit Jahrtausenden spirituelle Leben der Nago führte zu einer grundlegenden Erkenntnis, die unsere Vorfahren als Kern der Spiritualität so zum Ausdruck brachten: »Charakter ist Spiritualität.« Menschenwürdige Charakterbildung ist bei den Nago wichtiger als alle spirituellen Bewusstseinslehren und religiösen Glaubenslehren. Der Zweck der spirituellen oder religiösen Lehre besteht darin, einen menschenwürdigen Charakter zu bilden. Die Lehre beginnt mit der Frage:

Als wer bin ich geboren, zu sein, um zu werden, wer ich geboren bin, zu sein?

Die Entwicklung von Charaktereigenschaften, nach denen ein Mensch strebt, hängt primär von der Vorstellung ab, die er vom Mensch-Sein hat. Die Grundbedingung für ein glückliches und erfülltes Leben besteht darin, sich zu verwirklichen. Selbstverwirklichung, wie wir sie verstehen, wird nicht nur an materiellem Reichtum gemessen, sondern an Tugenden und Charaktereigenschaften, die der Mensch lebt und wodurch er seinen Charakter zum Ausdruck bringt. Die Bedeutung von Charakter geht über den Tod hinaus. Charakter ist das Zeugnis, das ein Mensch hinterlässt, wenn er das physische Leben auf der Erde verlässt. In der Nago-Tradition ist es üblich, die Charaktereigenschaften, die Menschen vorgelebt haben, vor ihrem Tod in einem Lied zu verfassen. Während der Trauerzeremonien wird dieses Lied für die Verstorbenen gesungen, um ihr Leben zu würdigen.

Dies ist nur der Anfang des Artikels.

Was genau ein menschenwürdiger Charakter ist, wie man diesen erlangen kann und weshalb ein festgelegter Wertekatalog nach Ansicht des Autors sinnfrei ist, erfährst du im vollständigen Artikel, der in Tattva Viveka 95 erschienen ist.

Tattva Viveka 95

Tattva Viveka Nr. 95

Inhalt der Ausgabe

Schwerpunkt: Seele
Erschienen: Juni 2023

Maik Hosang – Ein metamoderner Begriff der Seele. Der zentrale Moment von zukunftsfähiger Psychologie und Philosophie, Kultur und Gesellschaft • Ronald Engert – Seele, Körper und Befreiung in der Bhagavad-gītā. Leben in der göttlichen Ordnung • Dr. Jens Heisterkamp – Die Seelen-Lehre Rudolf Steiners. Von den drei seelischen Dimensionen • Sebastian F. Seeber – Die Seele bei Platon. Über die Selbsterkenntnis des Menschen • Dieter Schnocks – C. G. Jungs Verständnis der Seele. Grundlagen des Modells der Analytischen Psychologie • Samuel Eckhart – Die Ogdoadische Tradition. Rückkehr im Lebendigen Licht des Glorreichen Sterns • Nora Philine Hansing – Die Revolution der Seele. Wegweiser in eine erwachte Kultur der Allverbundenheit • Stefanie Aue – Göttinnen im Tantra. Die zehn göttlichen Erkenntniswege der Dasha Maha Vidyas (Teil 2) • Akambi Oluwatoyin – Charakter ist Spiritualität. Warum die Charakterbildung in der Nago-Tradition die Grundlage für Spiritualität darstellt • Armin Denner – Der esoterische Tarot. Wahrsagerei oder »Die Wahrheit sagen«? • Christiane Krieg – Krafttiere. Spirits der Schamanen • Gerlinde Henriette Stärk – Wieder erinnern lassen. Von meiner erwach(s)enden Liebe zur Erde • u.v.m.

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Zum Autor

Unser Autor Akambi Oluwatoyin

Akambi Oluwatoyin ist ein afrikanischer Heilkundiger, Buchautor und Weisheitsträger eines Volkes, das die Natur und Ahnen als heilig verehrt. Von klein auf wurde er in die traditionelle Heilkunde eingeführt. Bevor er nach Deutschland kam, arbeitete er jahrelang als Assistenzheiler an der Seite seines Vaters. Auf Basis überlieferten Erfahrungswissens und der Spiritualität seiner Ahnen begleitet er seit mehr als 30 Jahren Menschen auf dem Weg der Selbstfindung und Heilung.

Mehr im Internet: akambi-rituals.com

Oluwatoyin - Nicht jede Intelligenz ist weise

Akambi Oluwatoyin
Nicht jede Intelligenz ist weise
Eine afrikanische Weisheitstradition für ein menschliches Miteinander

Um die wachsenden Herausforderungen und Krisen der Welt zu meistern, braucht es mehr als die Intelligenz des Kopfes. Ist es nicht dringend notwendig, aus der Begrenzung der Intelligenz auszubrechen, um die Weisheit des Geistes zu entdecken? Wir müssen lernen, unsere Intelligenz durch Weisheit zu filtern, sonst wird sie unmenschlich. Dieses Buch öffnet die Tür zu afrikanischer Weisheit und Spiritualität und regt zum Nachdenken über Mensch-Sein und zu einer heilsamen Beziehung zum Leben an.

248 Seiten, Hardcover, € 24,00
ISBN 978-3-00-071950-9
2022 im Verlag AKOJI Edition
akoji.de

1 Comment
  • Wolfgang Heuer
    Gepostet am 00:23h, 05 Juni Antworten

    „Die Erwachsenen der modernen Gesellschaft sind nicht erwachsen“ sagte Erich Fromm.

    „Neurotisch verwahrlost(e Kinder)“ nennt sie Christa Meves in ihrem Buch „Manipulierte Maßlosigkeit“, das lt. Back Cover „der Gesellschaft schonungslos die kollektive Neurose diagnostiziert.“

    Im Alten Testament der – an wichtiger Stelle gefälschten) Bibel lesen wir bei Moses in der symbolischen Darstellung vom „Tanz um das goldene KALB“ eine Diagnose dieser Krankheit: Pathologische Unreife -> Unweisheit.
    Das Erreichen des „Gelobten Landes“ bestätigt die Heilbarkeit!

    Hier ein Auszug meiner Erkenntnisse aus 75 Lebensjahren und davon die letzten 35 Jahre im Thema:

    Kollektive Neurose (Wolfgang Heuer, 2023)

    Die Ursache der Zivilisation („Hochkultur“) und aller ihrer Fehlentwicklungen / Mißstände der zivilisierten Gesellschaft ist „Die (DIE) Krankheit der Gesellschaft“ (Kütemeyer, Fromm, Krishnamurti, u.a.), eine „kollektive Neurose“ (Fromm, Frankl, Bodamer, Meves, u.a.), wie der (Gattungs-)Begriff in der Soziologie lautet; eine massenhafte Trauma-Nichtheilungs-Störung der nichtmateriellen Seele – nicht der materiellen „Psyche“, wie die Psychiatrie den Gegenstand ihres Wirkens nennt.

    Dieses Problem wird vehement verschwiegen / geleugnet / fehlgedeutet und die Autoren und ihre Schriften diskreditiert, so daß viele Menschen gar nichts darüber wissen – und leider sind die meisten derer, die von der (Kollektiven) Neurose wissen, aus Gründen eigener Befallenheit / Beeinträchtigung nicht befähigt, das wahre Ausmaß des Phänomens zu erkennen.

    Die Angst vor der Wahrheit ist pathologisch (neurotisch), kann aber – und muß (für die Heilung) – überwunden werden.

    Kollektive Neurosen bestehen aus den individuellen Neurosen der (Mehrheit der) Mitglieder des – jeweiligen, gemeinten – Kollektivs.

    Neurose verstehe ich primär als den Zustand zwischen seelischer Verletzung / Traumatisierung und grundlegender, natürlicher, Heilung.
    Neurose ist in Wahrheit weitaus mehr als die in manchen Veröffentlichungen beschriebenen auffälligen Symptome.

    Der größere Teil der Symptome „versteckt“ sich in der – angeblichen, vermeintlichen – „Normalität“ der zivilisierten Gesellschaft. Die Krankheit selbst „versteckt“ sich im Unbewußten der Befallenen.

    Im Zustand der Neurose befindet sich die Seele – die ich als rein energetisches (nichtmaterielles, feinstoffliches) Lebewesen sehe – in einer Art „Rückzugs- / Schutzhaltung“, wodurch ihr Leistungs-Potenzial für den materiellen (grobstofflichen) Aspekt des Menschen nur begrenzt verfügbar ist.

    Das Leistungs-Potenzial der Seele umfaßt im Wesentlichen ZWEI Komponenten:

    1.: (Universelle) ENERGIE (nichtmaterielle, feinstoffliche, Lebens-Energie, Kraft der Liebe und des Friedens, Heilkraft, usw.)
    und
    2.: (Universelle) INFORMATION (intuitive Erkenntnisse, Eingebungen, Ahnungen, Fügungen, „Zufälle“, Führung, usw.).

    Bei Mangel an diesen Komponenten kann kein wahres Leben / Sein, keine gesunde Entwicklung, stattfinden – so daß befallene Menschen auch nicht wahrhaft (geistig-seelisch / spirituell) erwachsen werden können.

    (Kollektive) Neurose sehe ich als den wesentlichen Ursachenfaktor aller sogenannten „Störungen“ / „Krankheiten“ einschließlich der Störung(en) der Fähigkeiten zu wahrer Verantwortung und echten, menschlichen, Beziehungen.

    Kollektive Neurosen können sich steigern zu „kollektiven Psychosen“ wie Krieg, Bürgerkrieg, Aufstände, Verfolgung, Vertreibung, Terror(-ismus), Massaker, Genozid, usw..

    Der Ausbruch der Kollektiven Neurose vor >17.000 Jahren (bei vermutlich einer Gruppe verwaister traumatisierter Kinder) führte zu Kulturverlust und zur Teilung der Befallenen in hauptsächlich 2 Symptomatik-Gruppen:
    Circa 1% eher aggressive, herzlose, böse, „Versklaver“ / Ausbeuter / Tyrannen und
    Circa 99% eher typisch neurotisch ängstliche mental Versklavte.

    Bei fortgesetzter Nichterkenntnis / Nicht-Heilung droht der befallenen Population Untergang und Aussterben. Entsprechende Warnungen finden wir in der Literatur.

    Wir stehen in der Erfahrung dieser schlimmsten aller Krankheiten seit >17.000 Jahren – und vor der Herausforderung, sie nun endlich auch kollektiv zu erkennen und den Weg der grundlegenden, natürlichen, Heilung zu beschreiten.

    Das erfordert intensive wahrheitsgemäße Aufklärung – und zwar mit zunehmender Dringlichkeit; denn die Krankheit wächst exponentiell.

    Mehr dazu: http://www.seelen-oeffner.de/basis-info/ (www.Seelen-Oeffner.de )

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