Spiritualität von unten – Spiritualität des Kreuzes

Spiritualität von unten – Spiritualität des Kreuzes

Autor: Moritz Hermann
Kategorie: Theologie
Ausgabe Nr: 83

Spiritualität von unten stellt die Erfahrungen und Subjektivität des Einzelnen in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen nicht die Überflieger-Spiritualität oder die lichten Momente, sondern genau das Gegenteil. Die Praxis, die Suche beginnt im Alltag und führt in die eigene innere Dunkelheit. In ungeschönten Worten beschreibt der Autor, was ihm dort begegnete, und dass gerade diese Erfahrungen zu Freiheit und Gewahr-Sein führen.

Dieser Artikel will Spiritualität als einen Weg von unten, also von innen und von der eigenen subjektiven Existenzweise im Jetzt ausgehend, darstellen. Egal, wo du gerade in deinem Prozess stehst, die Reise kann hier und jetzt beginnen. Natürlich sind Begriffe wie »Weg« hier als Hilfsmittel zu sehen. Vielleicht kämen Begriffe wie »Realisation, Bewusstwerdung, Waches Sehen, wirklich fühlen« der wahren Natur unseres Seins näher.

Es geht mir in dem Artikel um eine authentische Schilderung eigener Erfahrung. Denn mir wird auf meinem »Weg« klarer, dass letztlich die eigene Erfahrung, der eigene Forschergeist als Erkenntnismittel der Wirklichkeit https://www.tattva.de/licht-leben-und-bewusstsein-2/ besser taugt als das Übernehmen »fremder« Erkenntnisprozesse. Diese fremden Erkenntnisse sind dennoch wichtig, um Momente des Erkennens in uns auszulösen und den Prozess der Neugier und des Forschens zu inspirieren. Die innere Forschungsreise kann aber nur ich antreten; niemand kann das für mich tun.

Und eine Wahrheit ist nur dann für mich wirklich hilfreich und transformativ, wenn ich (!) sie in mir als wahr erlebt und erkannt habe.

Ich will hier also keine künstlichen euphemistischen Beschreibungen spiritueller Natur von mir geben, sondern meine subjektive Erfahrung. Mögen diese Erfahrung und meine Botschaft dir im besten Fall als Inspiration dienen, deinen eigenen inneren Raum zu erkunden.

Ich definiere wahre Spiritualität als ein Gewahrsein, nicht als Denken. Konzepte über Spiritualität mögen für einen Übergang, einen Anfang hilfreich sein, doch die Gefahr ist, dass wir daran kleben bleiben und uns dadurch beschränken. Es besteht die Gefahr der Anhaftung oder Abneigung. Wahre Spiritualität wird entweder jetzt erlebt oder gar nicht.

Aufstieg durch Abstieg

Wahre Spiritualität kommt also von unten und von innen, aus dem Schlamm und dem Morast der Worte, der Fehler und Begrenzungen.

Sie steigt wie der Lotus aus dem Schlamm auf. Im Morast ist wirklich die Austernperle zu finden, wenn wir bereit sind, hinzuschauen und zu suchen. Schau in diesen Scheißhaufen hinein. Wühle. Schau. Was siehst du? Da ist Gott, nur sehr gut verkleidet.

Da wahre Spiritualität ganzheitlich und alles durchdringend ist, geht es ebenfalls darum, die Dinge in meinem Leben in Ordnung zu bringen bzw. eine neue und gesunde Ordnung anzustreben. Ich beäuge meine Finanzen und gehe die Schritte, die nötig sind, um hier Gesundung, Nüchternheit und Fülle zu etablieren. Ich schaue auf meinen Körper und seine erkrankten Stellen. Ich richte meine gesamte Aufmerksamkeit auch hier auf das Finden von Lösungen. Und dann geschieht Spiritualität, fast nebenbei. Denn wenn ich Dinge in die bzw. meine gute Ordnung bringe, kann das Licht besser durchscheinen. Wenn ich also auch die »unteren Ebenen« (die nicht unten sind) ausbalanciert habe, wenn der Körper, Geist und Seele und das Materielle angeschaut und geachtet werden, wenn die Psyche von Neurosen geklärter ist, der Mensch leichter in Intimität leben kann, kann das Spirituelle natürlich aufsteigen.

Und während wahre Spiritualität/Bewusstsein aufsteigt, steigt es aus anderer Perspektive hinab. Wir öffnen uns aktiv und werden dadurch geöffnet. Auf einmal ist ein Raum der Gnade da, wenn du einfach du selbst bist (du dir also der Konditionierungen jetzt bewusst bist und frei bist, sie nicht auszuleben).

Wenn Sie mehr über Spiritualität jenseits von Dogmen und Konzepten erfahren möchten, können Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Spiritualität des Kreuzes

Diese Entscheidung (es ist genug, ich will wirklich bei mir sein) birgt die Handlung (der Nicht-Handlung, Aufmerksamkeit auf das Gesunde richten) in sich und damit auch das Aufwachen. Und dieser Erwachensprozess  selbst entspringt bereits dem Aufwachen. Das Leiden, das Kreuz bringt mich dazu, aufzuerstehen, wenn ich das Leiden bejahend fühle. Von unten aufzuerstehen, ist eine Entscheidung. Habe ich genug gelitten? Ist es wirklich genug? Will ich wirklich hier sein? Oder weitere Zeit im Wartesaal, im Vorzimmer des Lebens verbringen und sterben, ohne je gelebt zu haben?

Auf der horizontalen Ebene des Kreuzes gibt es angenehm, unangenehm, gut und schlecht, rechts und links, Vergangenheit und Zukunft. Auf der vertikalen Ebene gibt es lichte und dunkle Kräfte, Gut und Böse.

Horizontales und Vertikales schneiden einander – und da ist die Wahrheit meines Seins im Brennpunkt des Jetzt. Da ist das Weder-noch. Da bin ich als einzigartiger Ausdruck des Seins, da ist mein liebendes Herz als höchste Autorität. Da treffe ich den Buddha und erschlage ihn, wie der Zen empfiehlt, und werde dadurch zum wahren Buddha, zum Erwachten.

An diesem Punkt, mitten im Kreuz, vertraue ich nur meiner Erfahrung, nehme bei niemandem Zuflucht außer bei mir selbst. An diesem Punkt brauche ich keinen äußeren Meister mehr, um mir bewusst zu sein, wer ich bin. Ich bin dann dieser Meister und meistere mein Leben. Gegebenenfalls kann ich dann auch Meister für andere sein und sie auf ihren eigenen Meister hinweisen.

An diesem Punkt im Kreuz geht es darum, auf niemanden zu hören und radikal das Eigene zu leben.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

Ich erlebe mich dann als Sein und sehe auch das kleine Ich, die Persönlichkeit. Gut, dass sie da ist. Gut, dass ich da bin. Das Eine durchdringt das Kleine. Ich sehe meinen Verstand mit inneren Augen. Ich sehe die Gefühle und Emotionen mit diesen inneren Augen. Ich sehe mein Geworden-Sein, die Persönlichkeit mit diesen Augen der Weisheit und des Mitgefühls. Ich sehe all dies innerlich und bin das Eine Sein, das sieht, das Individuelle und das Universale.

Der Sufi-Mystiker und Poet des 13. Jahrhunderts Moulana Jalaluddin Rumi erkannte diese Wahrheit für sich und drückte sie in seinen Gedichten aus. Er sprach davon, weder Hindu noch Christ oder Moslem zu sein, sondern dieses Atem atmende menschliche Sein.

Ich will das mal ganz schlicht veranschaulichen: Wenn wir einen Mann und eine Frau, die miteinander verbunden sind, in einen gemeinschaftlichen Kontext stellen und beide sich eingebunden fühlen, auch beim eigenen Geschlecht, verändert sich etwas ganz Wesentliches. Ich kann als Frau auf diesen Mann schauen und erkennen: Er ist nicht nur der Mann, den ich sehen möchte. Er ist ein Mann mit einer kollektiven Geschichte, mit einer biografischen Herkunft, er hat ein bestimmtes Verhältnis zu seinen Eltern, er hat Qualitäten und Schwächen, er hat Bedürfnisse, die zum Teil zu den meinen passen, und andere wiederum, die nicht passen usw. Das alles kann in der Einbindung in ein größeres soziales System auf viel klarere Weise wahrgenommen werden, weil ich ihn als Mann unter Männern sehen kann und meine verengte Blickweise größer wird. Es tritt instantan eine Entspannung in der Liebe ein.

Um das, was hier zwischen einem Mann und einer Frau passiert, zu weiten und zu ermöglichen, dass wir sehen können, wer der andere wirklich ist, gibt es nichts Besseres als eine Gemeinschaftserfahrung, die sich in den Dienst der Bewusstwerdung gestellt hat.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 83 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 7 Seiten).

Moritz Hermann TV83 (PDF)

Kompletter Artikel im PDF-Format (7 Seiten)
Preis: 2,00 EUR   (incl. 5,00% MwSt.)
Anzahl:

Unser Autor Moritz Hermann

Über den Autor

Moritz Herrmann wurde 1985 geboren. Nach einer Zeit der intensiven Selbsterfahrung und der Tiefpunkte begann er 2009 einen ganz neuen Lebensweg, begleitet durch Selbsthilfe und innere Arbeit. Krankenpflegehelfer, Bachelor Soziale Arbeit, heute Tätigkeit in der Hospizarbeit als Koordinator. Heilpraktiker für Psychotherapie in Ausbildung.

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

*