Das Erwachen der neuen Weiblichkeit

Das Erwachen der neuen Weiblichkeit

Ein Plädoyer für einen Paradigmenwechsel durch eine Versöhnung zwischen den Geschlechtern

Autor: Lidia Schladt
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 83

Die Zeit ist reif für das Aufblühen einer neuen Weiblichkeit. Sie erlaubt Frauen, aus den alten, patriarchalen Strukturen auszubrechen und den Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu gehen. Dies umfasst auch die Versöhnung zwischen den Geschlechtern, deren langes Gegeneinander ein klares Hindernis für eine friedliche Gemeinschaft darstellt. Um diese Versöhnung zu verwirklichen, müssen auch weiblich zugeordnete Qualitäten wie die Intuition und Emotion in beiden Geschlechtern integriert werden und sich im Denken, Fühlen und Handeln äußern.

Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe (Anfang Dezember 2019), gingen am Wochenende Hunderttausende von Frauen in Süd- und Mittelamerika auf die Straße. Sie protestierten lautstark gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen vonseiten der Männer. Es wurde laut gerufen: »Der Vergewaltiger bist du.« Diese Proteste gingen mir und vielen anderen Menschen durch Mark und Bein. Die Frauen in Mexiko, in der Karibik und in Chile sprachen weiter: »Das Patriarchat ist ein Richter, der uns verurteilt, weil wir geboren wurden. Und die Gewalt ist die Strafe, die du siehst. Es ist Frauenmord, es ist Straffreiheit für meinen Mörder. Es ist das Verschwinden. Es ist Vergewaltigung. Die Schuld haben weder ich noch der Ort, an dem ich war, noch meine Kleidung. Der Vergewaltiger bist du. Es sind die Polizei, die Richter, der Staat, der Präsident. Der Unterdrückerstaat ist ein Mann, der vergewaltigt.« Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich bei YouTube die Bilder der vielen Frauen sehe, die schwarze Augenbinden tragen und sich Blut an den Mund oder den Rest des Körpers gemalt haben. Ich habe mich ein paar Wochen zuvor bereits gefragt, was passieren würde, wenn die Frauen dieser Welt sich organisieren würden, um das Patriarchat infrage zu stellen, und sich klar FÜR weibliche Werte und Rechte positionieren würden.

Ein Blick zurück in die Vergangenheit

Mittlerweile wissen wir, dass das Zeitalter des Patriarchats vor ca. 3000–5000 Jahren begann. Es ging mit der Unterdrückung und der Entwertung des weiblichen Prinzips einher. Das vorher gelebte Zeitalter des Matriarchats verehrte die Große Mutter als Sinnbild für Fruchtbarkeit, für ein friedliches Miteinander zwischen den Geschlechtern und einer freien Sexualität. Es wurden Göttinnen verehrt und das weibliche Prinzip galt als das Prinzip der Fülle. Macht oder Hierarchien spielten überhaupt keine Rolle.

Es war eine Verehrung der Großen Mutter als ein lebensgebendes Naturprinzip. Sexualität wurde gefeiert und zur Stärkung eines Stammes eingesetzt.

Doch es war keine beliebige Sexualität, sondern hatte rituellen Charakter. Sie wurde als die Kraft des Eros eingeladen, um die Fülle zu rufen und die Lebenskräfte eines Dorfes zu erwecken. Frauen und Männer haben einander nach einem natürlichen Instinkt ausgesucht und wussten darum, wie sie ihre Sexualenergie halten können und sie zum Wohle des ganzen Stammes einsetzen konnten. Es gab keine Gewalt und daher keine Vergewaltigungen. Dies änderte sich, als die Griechen begannen, die damaligen Stämme zu überfallen, zu unterwerfen und damit auch die Frauen zu vergewaltigen. Das Zeitalter des Patriarchats begann und die Weiblichkeit wurde gewaltsam unterdrückt. Die Auswirkungen dieser Epoche sehen und spüren wir bis heute. Mir als Frau tut es weh, darüber zu schreiben und mich in diese Zeit hineinzuversetzen. Doch es tut auch vielen Männern weh, die um das Erbe wissen, dass sich die Männlichkeit auf diese Art und Weise auch von ihrer eigenen Quelle abgeschnitten hat.

Wenn Sie mehr über den Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat erfahren möchten, können Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Das Fühlen als weibliche Qualität

Wenn wir von einem neuen Paradigma sprechen möchten, dürfen wir die neue Weiblichkeit mit der Wichtigkeit der Emotio, unserer Gefühle, verbinden. Das gilt für die Frauen genauso wie für die Männer. Denn wir alle stecken noch in den Kinderschuhen, was das Fühlen von Gefühlen anbelangt. Das Fühlen ohne Bewertung in »negative« und »positive« Gefühle möchte geübt und trainiert werden. Das Fühlen ohne Festhalten, sondern im lebendigen Fließen, in der Körperempfindung, ist noch ungewohnt. Doch es lässt sich lernen, und das ist wohl der Zustand und Wunsch, den Jesus als »Werdet wie die Kinder« beschrieben hat. Kinder fühlen, ohne zu werten. Sie sind traurig und weinen, wenn sie hinfallen, um im nächsten Augenblick zu lachen, wenn ihnen ein Hund begegnet oder sie ein Eis bekommen. Es ist ein unmittelbares Sein mit dem, was in der Gegenwart im Hier und Jetzt geschieht. Ein Kind empfindet ein Körpergefühl und lässt es durch sich hindurchfließen. Das haben wir spätestens mit dem Eintritt in die Schule durch unser vieles Still-Sitzen und Tadel-Bewertungssystem verlernt. Wir werden starr und unbeweglich, unflexibel und der Verstand wird überbetont. Körper- und Gefühlswahrnehmung werden entwertet, genauso wie das Weibliche, die Emotio in uns.

Wir dürfen also alle lernen, wieder in den Körper und damit in die Welt der Gefühle zurückzufinden.

Das Weibliche wird dabei vielleicht als eine irrationale, bedrohliche Tiefe in uns empfunden. Das, was wir bisher in den Schatten unseres Unterbewussten verdrängt haben.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

Mit dem Erwachen der neuen Weiblichkeit im individuellen Umfeld stellt sich auch die Frage nach der kollektiven Ebene der neuen Weiblichkeit. Für mich bedeutet das neue Paradigma eben kein altes goldenes Zeitalter aus dem Matriarchat, sondern ein neues versöhntes Friedensbild zwischen den Geschlechtern. Eines, das bewusst Vergebungsarbeit betreibt und eine Art Aufräumen der alten Programme zwischen Frau und Mann initiiert. Wir brauchen Räume in unserem Umfeld, um auf der Beziehungsebene alte Verletzungen anzuschauen, um sie fernab jeder Schuldfrage zu heilen. Wenn es uns gelingt, nüchtern hinzublicken, was wir in der Vergangenheit als Frauen und Männer einander angetan haben, ohne mit dem Zeigefinger aufeinander zu zeigen, werden wir frei.

Wir fühlen in einer verletzlichen Betroffenheit, was in der Vergangenheit alles geschehen ist, und bleiben nicht dabei stehen, sondern richten uns auf ein neues Miteinander aus. Auch wenn die Bilder, Vorbilder und Referenzpersonen noch nicht da oder nur wenige sind. Es bedeutet, in der Unsicherheit des weiteren gemeinsamen Weges einer Art neuer »kosmischer Hochzeit« zwischen dem weiblichen und männlichen Prinzip weiterzugehen. Bis sich der Weg durch die Integration der Weiblichkeit und Emotio immer mehr von selbst zeigt.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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Die Autorin Lidia Schladt

Zur Autorin

Lidia Schladt ist Logotherapeutin nach Viktor E. Frankl, Heilpraktikerin für Psychotherapie und integraler Coach in Bremen. Sie versteht sich als Emotionshebamme und moderne Mystikerin. Lidia Schladt schreibt für verschiedene Print- und Online-Magazine über die Themen Weiblichkeit, Partnerschaft auf Augenhöhe, Gefühle als Ressource, Hochsensibilität, die Arbeit mit dem inneren Kind, das Enneagramm und die Bewusstseinsstufen der Spiral Dynamics.

Homepage: www.lidia-schladt.de
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Instagram: lidia.schladt

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