Kreativität und Spiritualität

Kreativität und Spiritualität

Der Urgrund des Seins als Quelle der höchsten Inspiration

Autor: Ronald Engert, Leo Königsberg, Nana Nauwald, Andrea Schmidt, Dr. Gabriele Sigg, Prof. Dr. Maik Hosang
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 74

Im Rahmen des Online-Symposiums »Wissenschaft und Spiritualität – Die Welten verbinden« trafen sich Philosophen, Wissenschaftler und Künstler zu einem Symposiums-Podiumsgespräch. Sie sind der Meinung: Die industrielle Gesellschaft ist an ihr natürliches Ende gekommen. Eine ko-kreative Wandlung ist nun nötig, um sich als Menschheit weiterzuentwickeln.

Maik Hosang: Für das, was wir hier Spiritualität nennen, gibt es in der Kulturgeschichte sehr vielfältige Begriffe. Die einen sprechen traditionell von Buddha, Brahma, Tao oder Akasha-Chronik etc. In den modernen, wissenschaftsnahen Szenen spricht man von Nullpunktfeldern, dunkler Energie, Evolution usw. Philosophen wie Max Scheler, Teilhard de Chardin u. a. denken es noch ein Stück weit subjektiver.

Davon ausgehend, dass die Evolution uns Menschen hervorgebracht hat, lässt sich auf einen gewissen Auftrag an uns schließen: dass das Ganze im Menschen zum Bewusstsein seiner selbst kommt und so durch den Menschen eine neue Qualität des schöpferischen Evolutionsprozesses möglich wird.

Dann ist die spannende Frage: Was in uns Menschen befähigt uns zu diesem Mitschöpfertum? Was befähigt uns, ein Stück herauszutreten aus dem bloßen Geschöpf-Sein und den täglichen Gefügen, in denen man vor allem damit beschäftigt ist, zwischen Nahrung, Sex und sozialen Anerkennungsgefügen sein Überleben zu organisieren? Wenn wir also davon ausgehen, dass es einen Gesamtzusammenhang gibt, den man spirituell oder evolutionär nennen kann, in dem wir Menschen eine bestimmte schöpferische Rolle spielen, dann lässt sich daraus folgern, dass es in uns Menschen bestimmte Qualitäten, Potenziale und Kompetenzen dafür gibt. Ich habe in meinem Forschungsprozess drei Namen gefunden, die verschiedene Dimensionen davon ausdrücken. Den einen können wir Bewusstsein nennen: Die Evolution kommt im Menschen zum Bewusstsein ihrer selbst. Ein anderer Name und Aspekt davon ist Liebe. Und ein dritter Begriff und Aspekt ist die Kreativität. Während Bewusstsein mehr das Sich-gewahr-Werden der Welt in uns ausdrückt und die Liebe das aktive Gefühl der Verbundenheit mit allem, so ist Kreativität im engeren Sinne der Impuls, etwas konkret und praktisch Neues zur weiteren Evolution beizutragen. Das heißt nicht nur, unser Überleben zu organisieren und unsere Egoprojekte zu verfolgen, sondern in jedem Einzelnen auf seine besondere Art und Weise Ideen, Produkte, Kunstwerke, Projekte usw. hervorzubringen, die der gesamten Evolution neue Möglichkeiten eröffnen.

Der Urgrund des Seins als Quelle der höchsten Inspiration

Diese Einordnung von Kreativität in das spirituelle Feld ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist nun die Frage, warum das heute wichtiger denn je ist? In gewisser Weise ist die Geschichte der Menschheit immer schon damit verbunden gewesen. Alle großen Fortschritte, ob die Erfindung des Faustkeils, menschlicher Gemeinschaften, des Gartenbaus, der Dampfmaschine etc. beruhen letzten Endes genau auf dieser Fähigkeit, kreativ zu sein, Dinge in die Welt zu bringen, die vorher nicht da waren. Das war also schon immer so. Dennoch lässt sich davon ausgehen, dass wir heute an einem Punkt der Menschheitsgeschichte angekommen sind, von dem Vordenker wie Aristoteles, Johann Gottlieb Fichte, Karl Marx u. a. schon träumten. An einem Punkt der Geschichte, wo Techniken und Wissenschaften so weit entwickelt sind, dass sich die Menschen nicht mehr einen Großteil ihrer Lebenszeit abmühen müssen, um ihr Überleben zu organisieren, sondern dies mit einem relativ geringen Teil ihrer Zeit bewältigen und alle andere Zeit der Entfaltung ihrer schöpferischen Kräfte und Potenziale widmen können. Wenn dies so ist – wovon ich ausgehe –, braucht es dafür nicht nur tiefgreifende Änderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung, sondern auch die bisher kaum entwickelte Erforschung unserer kreativen Potenziale.

Primäre Kreativität nannte er es, wenn der Mensch etwas wirklich Neues hervorbringt.

Dies als letzten, dritten Punkt meiner Einführung nur erst einmal kurz umrissen. Eine Dimension, die unser generelles Thema Kreativität und Spiritualität stark berührt, ist die auf Abraham Maslow zurückgehende Unterscheidung von primärer und sekundärer Kreativität. Als sekundäre Kreativität beschreibt er, wenn wir beispielsweise statt des Dieselautos ein Elektroauto bauen oder ein Haus anders, ökologischer bauen. Also wir verändern etwas in seiner Form bzw. Gestalt, aber die Sache selbst ist nicht grundsätzlich neu. Primäre Kreativität nannte er es, wenn der Mensch durch eine günstige Bewusstseinserweiterung, egal wie er diese organisiert, aus seinem Überlebensmodus herauskommt, in einen größeren Flow gelangt und dabei etwas wirklich Neues hervorbringt, z. B. eine neue Technik, eine völlig neue Art von Kunst, eine völlig neue Art von Philosophie usw. Während wir die sekundäre Kreativität durchaus an Schulen und Universitäten lernen, kommt dort die primäre Kreativität leider gar nicht vor. Daher wäre es ein wichtiges Thema, zu erforschen, wie diese entsteht und später dann mit der sekundären zusammenwirkt.

Kun Ya Andrea Schmidt: Wie organisiert sich Kreativität letztendlich? Ich glaube, das fängt damit an, den Begriff neu zu hinterfragen. Viele entwickeln neue Techniken, neue Dinge. Aber neu heißt ja nicht verändern oder weiterentwickeln, sondern neu heißt, etwas noch nie vorher Dagewesenes zu finden. Wir haben in diesen Fällen wenige Erfahrungen, auf die wir zurückgreifen können, sondern es ist etwas völlig Neues. Nach meiner Erfahrung aus unseren integralen Visionen/Meditationen hat das viel mit dem Herzen und damit auch dem Thema Liebe und der Energie der Seele zu tun. Das ist eine Ebene, die etwas anders als unsere Gedankenebene und unsere emotionale Ebene funktioniert. Sie ist tiefer innen. Man muss sich erst wieder daran gewöhnen, sich an diese Ebene zu erinnern und aus ihr die Komplexität der Welt zu spüren und zu bewegen.

Kreativität –Ausdruck des Schöpfungspotenzials

Nana Nauwald: Ich stolpere etwas über diesen Punkt, dass etwas neu erwachen muss an Kreativität, weil für mich Kreativität immer diesen Schöpfungsprozess beinhaltet und das ist immer wieder neu! Ich für mich gehe gern in eine – ich nenne es mal – Einigkeit zurück. Das berührt, was du eben sagtest.

Diese Einigkeit in mir heißt für mich, dass ich wirklich dieses Sein bin und dass ich in der Lage bin, in einen anderen Bewusstseinsraum zu treten, indem ich aus meinem Egozustand heraustrete

Und dann, wenn ich male – malen ist meine Seele, dann bin ich ganz –, dann geschieht etwas, dann wecke ich in mir dieses Samenkorn auf, das jeder Mensch an kreativem Potenzial hat. Dann liegt es an mir, in welcher Art und Weise ich das für andere erfahrbar mache, weil Kreativität nicht in mir bleiben kann. Das wäre wie ein Samenkorn, das nie zur Entfaltung kommt. Also geht es ums Tun. Deshalb ist für mich das immer wieder neu ein Schöpfungsprozess. Ich denke, keines der Bilder, weder bei Leo noch bei mir oder egal wem, sollte eine Kopie oder eine Kopie einer Kopie von mir selber sein. Darum geht es mir beim Tun. Ich finde, es ist egal, ob ich ein Buch schreibe, ein Bild male oder Menschen anstoße, dass sie in ihr eigenes Schöpfungspotenzial hinein aufwachen. Das ist eigentlich alles.

Kreativität und Spiritualität

Ronald Engert: Ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht, was Kunst eigentlich ist, was den Unterschied ausmacht. Für mich ist echte Kunst das, was Maik mit der primären Kreativität gemeint hat, nämlich etwas völlig neu zu sehen oder etwas Neues zu erschaffen, was noch nie jemand so gesehen hat. Man kommt aus dem Bekannten heraus in etwas Unbekanntes, und dadurch wird ein Prozess geöffnet, der qualitatives und quantitatives Wachstum ermöglicht. Der Horizont meines Bewusstseins wird erweitert. Das ist dann etwas Ekstatisches, es ist dieses Aha-Erlebnis, dieser Geistesblitz, der mich erwischt. Daraus bildet sich die Handschrift des Künstlers heraus, wenn er seine Bilder entwickelt und immer weiter seinen eigenen Stil findet, der dann irgendwann ein Unikat ist. Es entsteht etwas Einzigartiges, bei dem es dann noch nicht einmal die Frage ist, wie es genau aussieht, sondern diese Einzigartigkeit oder Originalität kommt dann zum Ausdruck.

Es ist ein Origo, ein Ursprung. Es kommt etwas aus dem Ursprung hervor, es entspringt. Es ist wie eine Geburt. Das ist Schöpfung und das ist kreativ.

Das ist für mich immer schon Kunst gewesen, in dem ganzen Ensemble von Wissenschaft, Technik, Lebenspraxis, Kunsthandwerk, Spiritualität, Politik usw., da sehe ich für mich den Ort der Kunst.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf ( 11 Seiten), das unten bestellt werden kann.

Gemeinsames Schaffen

Ko-Kreativität ist nicht unbedingt nur beschränkt auf das Miteinander von Menschen.

Kun Ya: Die Frage bei der Ko-Kreativität ist aber auch, wie weit wir sie ausdehnen wollen. Sie ist nicht unbedingt nur beschränkt auf das Miteinander von Menschen. Wenn z. B. ein Grundstück bebaut werden soll, kann man auch mit diesem ko-kreativ sein. Wir hatten vorhin den Begriff der Wesenhaftigkeit. Diese verbindet uns auch mit der Erde und der Natur. Ko-Kreativität ist es für mich daher auch, wenn ich ein Grundstück bebauen soll. Da ist es mir wichtig, mit dem Grundstück in Kontakt zu gehen und das Wesen des Grundstückes zu erspüren. Dadurch kommen oft gute Impulse, ganz tolle andere Ideen zu dem Raum an sich und zu dem nachher gebauten Raum.

Aber man muss sich dem hingeben und auch dem vertrauen, was dann an inneren Informationen auf einen zukommt.

Das passiert mit allem Wesenhaften meiner Meinung nach. Mit dem Menschen an sich da gibt es ja verschiedene Dimensionen des Austauschs. Es gibt die Möglichkeiten des verbalen Austauschs, aber auch die eher spirituellen Formen innerer Vertrautheit miteinander. Die Letzteren sind oft die Voraussetzung dafür, auch die Kritiken von anderen gut verstehen und den höheren gemeinsamen Sinn darin erkennen zu können – statt sich dadurch angegriffen zu fühlen. Kritik wird dann konstruktiv gesehen und kommt nicht als Beleidigung an.

Der Urgrund des Seins als Quelle der höchsten Inspiration

Gabriele: Ich finde es ganz wichtig, dass du die Erde erwähnt hast, dass wir mit der Erde zusammenwirken und sie auch bewusst kreativ miteinbeziehen können. Mit Kritik habe ich aber unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt diese positive, konstruktive Kritik, die einen weiterführt, aber ich finde gerade in dem System, in dem wir leben, gibt es auch destruktive Kritik, die finde ich problematisch.

Lesen Sie im vollständigen Artikel mehr über das Wesen der Ko-Kreativität! 🙂 Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf ( 11 Seiten), das unten bestellt werden kann.

Im elementaren Organismus, der Urzelle, interagieren Materie und Bewusstsein auf das engste.

Nana: Ich entscheide meine Wirklichkeit. Dennoch betrachte ich die Menschen, denen ich begegne, immer als Lehrer. Wenn man viel mit Menschen in Seminaren umgeht, so wie ich, trifft man auch Menschen, die einem nicht so leichtfallen. Dann lerne ich von diesen Menschen, von denen ich herausgefordert bin. Denn ich lerne ja auch etwas von mir, wenn mir jemand Fremdes begegnet, und wenn ich auch nichts mit ihm oder ihr zu tun haben möchte.

Ronald: Man darf nicht zu viel selektieren, weil gerade die für mich schwierigen Menschen die besten Lehrer sind. Sie zeigen mir, wo ich noch ein Thema habe. Je weiter man aber in der eigenen Persönlichkeit gereift ist und die Schattenanteile integriert oder aufgelöst hat, umso weniger kommen diese Lehrer in mein Leben.

Gabriele: Zum Abschluss, weil es immer wieder auftauchte, die Frage:

Können wir etwas tun oder können wir nichts tun? Oder was können wir tun, um die nötige Integration, um integrale Strukturen zu schaffen, die es mehr Menschen ermöglichen, in diesen Flow zu kommen?

Leo: Ja, wir brauchen lebendige Strukturen, keine starren, die waren fürchterlich, die waren tot. Tote Materie, das war entsetzlich und diese lebendigen Strukturen, die müssen wir erschaffen durch Netzwerke, durch Gedankenaustausch, durch gemeinsame Arbeit. Das ist ja die schöne Arbeit, die Struktur, die voller Leben ist.

Nana: Es gab in der Geschichte Mystiker, die waren hier und dort, tanzten, sangen, aßen viel und dann verschwanden sie wieder. Das heißt ich gebe, und zwar bedingungslos. Für mich ist es wichtig, Impulse zu geben, wirklich da zu sein und das mit allen Sinnen und nicht nur mit dem Denken. Gemeinsame Erfahrungen sind wichtig, auch zu tanzen und manchmal auch ein wenig Chaos zu veranstalten und Stolperstein zu sein, damit die Menschen aufwachen. Es bedeutet, Anstöße zu geben, zu inspirieren, meine Kraft und mein Wissen hineinzugeben, aber dann auch wieder zu verschwinden, um es nicht an mir festzumachen.

 

Ronald Engert sieht, dass auch Entscheidung und Unterscheidung ein wichtiger Teil der Kreativität sind – auch um zu unterscheiden, wann man eher dem Fluss der Dinge zuhören und sich einordnen und wann man auch mal eine Führung übernehmen muss.

Prof. Dr. Maik Hosang hat durch sein »Lebensgut Pommritz« erkannt, dass auch wunderbare Menschen Schatten haben. Für kreativen Austausch ist es deshalb auch wichtig, die Menschen und sein Umfeld zu wählen.

Leo Königsberg meint, dass Ja zum Leben zu sagen dich dorthin bringt, dass du dich in dieser Entscheidung nicht getäuscht hast. Wer Ja sagt, kann auch Nein sagen.

Nana Nauwald verordnet gerne Buchdiäten und sieht den geistigen Funken in jedem Menschen.

Kun Ya Andrea Schmidt hat erkannt, dass die richtigen Leute in das Feld kommen, wenn man den inneren kreativen Impuls setzt. Als Architektin erspürt sie auch das Wesen des Grundstückes.

Dr. Gabriele Maria Sigg hat Dank der Arbeit und des ko-kreativen Austausches mit Ronald Engert bei Tattva Viveka zu ihrem schriftstellerischen Potenzial gefunden.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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Kreativität und Spiritualität

Symposiumsgespräch TV74 (PDF)

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