Tattva Viveka Magazin
 

Weltkloster – Begegnung durch Verbundenheit

Weltkloster – Begegnung durch Verbundenheit

Spiritualität als Brücke zwischen den Religionen

Autor: Alexandra Mann
Kategorie: Theologie
Ausgabe Nr: 93

In Anlehnung an den Beitrag von Frido Mann »Thomas Manns Verhältnis zur Religion« fühlt sich das pluralistisch orientierte Weltkloster-Netzwerk einer Erweiterung der Vorstellung »angewandter Religion« verpflichtet. Mit dem einst in Radolfzell am Bodensee gegründeten Trägerverein und dem dort über viele Jahre hinweg entwickelten »Weltkloster-Dialogkonzept« möchte das Weltkloster einen Beitrag dazu leisten, den notwendigen Austausch zwischen religiösen Traditionen, Kulturen und Glaubenssystemen voranzutreiben und ihn zum Wohle der Gesellschaften konstruktiv und heilsam zu gestalten.

Ausgehend von der Annahme, vor der Möglichkeit einer Wandlung des Menschen hin zu einer ethisch und humanistisch geprägten Geisteshaltung stünde eine noch zu interpretierende religiöse Grundgesinnung (Thomas Mann, 1947: »Notwendig zunächst ist eine Wandlung des geistigen Klimas, ein neues Gefühl für die Schwierigkeit und den Adel des Menschseins, eine alles durchdringende, wenn Sie so wollen religiöse Grundgesinnung.«), ist es unserer Institution Anliegen und Aufgabe zugleich, die weitreichenden Dimensionen geistigen Lebens und geistlicher Schulung im Bereich monastischer, spiritueller Traditionen aufzuzeigen.

Spiritualität als Brücke zwischen den Religionen
Treffen von Vertretern unterschiedlicher Religionen: Erfahrungsdialog in der Erzabtei St. Ottilien © Weltkloster

Klöster und Orden als Stifter des interreligiösen Dialogs

Dies bedeutet, insbesondere Klöster sowie traditionell religiöse Zentren unterschiedlicher Religionen in Ost und West dabei zu unterstützen, ihr über Jahrhunderte/Jahrtausende entwickeltes geistiges Erbe authentisch an die nächsten Generationen weitergeben und erhalten zu können – auch um es für einen dringend notwendigen Diskurs im Bereich der sich verstärkenden religiösen Ressentiments und kulturellen Entfremdung fruchtbar zu machen. Darüber hinaus sehen wir uns vor Herausforderungen gestellt, die wir kaum noch ohne Resilienztraining und Empathieschulung gut bewältigen können werden. Konzepte wie jenes von MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), das durch den Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn aus buddhistischen Traditionen übernommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, haben die positiven Einflüsse kontemplativer Praxis und dem inneren und äußeren Frieden dienende Verhaltensmuster vermehrt in die Gesellschaften hineingetragen und wurden bereits in verhaltenstherapeutische Ansätze integriert. Diese Methoden heilsamer Geistesschulung gelten nicht zuletzt als wirksame Gegenspieler zur Entwicklung destruktiver Emotionen und extremer fundamentalistischer Haltungen, die ausgrenzen und das Gegenüber als nicht gleichwertig herabwürdigen. Hierbei lässt sich hervorheben, dass ideologisch extremistische Reaktionen heutzutage über die althergebrachten Machtkämpfe religiöser Institutionen hinausgehen.

Weltkloster – Begegnung durch Verbundenheit
Tiebetischer Mönch und Benediktiner bei der gemeinsamen spirituellen Praxis © Weltkloster

So möchten wir, in einem größeren Kontext eingebettet, durch das religionsübergreifende Herstellen von Bezügen, die klösterliche, kontemplative und meditative Grundpfeiler und Praktiken unterschiedlicher Religionen gleichermaßen einschließen, bei aktuellen Problemstellungen zu Lösungen beitragen – im Sinne einer in die Gesellschaft wirkenden Orientierung und Lebenshilfe. Diesem Vorhaben liegt nicht zuletzt die Tatsache zugrunde, dass es vor allem Ordensleute waren, die seit vielen Jahrzehnten eine zentrale Rolle beim Vorantreiben des interreligiösen Austausches spielten. Dies erkennt man etwa an den Werken von Pionieren wie Thomas Merton OCSO (Ordre Cistercien de la Stricte Observance = Zisterzienser der strengeren Observanz) oder Henri Le Saux OSB (Ordo Sancti Benedicti = Orden des heiligen Benedikt), Swami Vivekananda, Gründer des Ramakrishna-Ordens, oder dem 14. Dalai Lama, Angehöriger der tibetischen Gelug-Tradition, sowie an der Bildung von Organisationen wie dem Komitee DIM/MID (Dialogue Interreligieux Monastique/Monastic Interreligious Dialogue), das als Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog von den Benediktinern betrieben wird und seit rund 50 Jahren Austauschprogramme zwischen Mönchen und Nonnen der verschiedenen Religionen – insbesondere auf der Ebene eigener innerer Erfahrung – fördert.

Ziel dabei ist es, das Fremd- und Andersartige nicht nur vom eigenen jeweiligen Deutungshorizont her zu betrachten und zu analysieren.

Vielmehr soll durch das gemeinschaftliche Betrachten und Teilen unterschiedlicher Techniken der Vertiefung, das gemeinsame Schweigen sowie die inhaltliche Auseinandersetzung ein Bewusstsein für innere Verbundenheit geschaffen werden.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Wie der interkulturelle und interreligiöse Dialog zu mehr Verbundenheit zwischen den Religionen beitragen kann und was Religion mit Ehrfurcht zu tun hat, erklärt die Autorin im vollständigen Artikel, der in Tattva Viveka 93 erschienen ist. Auch einzeln zum downloaden als ePaper für 2,00 € (Pdf, 7 Seiten).

Weltkloster – Begegnung durch Verbundenheit (PDF)

 2,00

Alexandra Mann
Weltkloster – Begegnung durch Verbundenheit

In Anlehnung an den Beitrag von Frido Mann fühlt sich das pluralistisch orientierte Weltkloster-Netzwerk einer Erweiterung der Vorstellung »angewandter Religion« verpflichtet.
 

 

Artikelnummer: TV093e_08 Kategorie: Schlagwort:

 
 

Über die Autorin

Unsere Autorin Alexandra Mann

Alexandra Mann M. A., Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des Trägervereins Weltkloster e. V., studierte vergleichende Religionswissenschaften, Philosophie und historische Ethnologie in Frankfurt/M. Im Rahmen mehrerer Forschungsaufenthalte in Indien begleitete sie u. a. das unter der Schirmherrschaft des 14. Dalai Lama stehende Projekt »Science meets Dharma« in der wiederaufgebauten tibetischen Exilkloster-Universität Sera Jey Monastery.

Weltkloster-Netzwerk

Unser Augenmerk richtet sich auf die friedensstiftende Kraft des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen auf der Ebene gemeinsamer innerer Erfahrung.

Ziele des Weltklosters:

  • Die Förderung von friedlichen und nachhaltigen internationalen Beziehungen zwischen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen.
  • Als Voraussetzung hierfür insbesondere die Vernetzung von Geistlichen und Ordinierten sowie Klöstern, religiösen Stätten und Initiativen der interreligiösen und intermonastischen Begegnung und Zusammenarbeit.
  • Die Bewusstmachung friedensfördernder Impulse seitens traditionell geistlicher Schulung für ein religionsübergreifendes, konstruktives Zusammenwirken in Gesellschaft und Politik auf der Basis ethisch und humanistisch geprägter Grundwerte.

Webseite: www.weltkloster.de

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Bildnachweis: © Weltkloster, Adobe Photostock

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