Was ist ein wirklich spiritueller Mensch?

Was ist ein wirklich spiritueller Mensch?

Über Ethik, Herzensqualitäten und spirituelle Redlichkeit

Autor: Dr. Tilmann Lhündrup Borghardt
Kategorie: Buddhismus
Ausgabe Nr: 71

Selbsterforschung und spirituelle Redlichkeit betrachtet der Buddhist Tilmann Lhündrup Borghardt als Grundpfeiler einer ehrlichen spirituellen Praxis. Diese Qualitäten könnten auch das Fundament für eine universelle Spiritualität jenseits von Dogmen sein, die Erkenntnisse aus Ost und West gleichberechtigt integriert.

Der innere Kompass

Frage: Werden die gegenwärtigen brisanten Entwicklungen möglicherweise doch noch zu einem ethisch-spirituellen Umdenken in der Welt führen?

Antwort: Als Antwort auf diese globale Herausforderung wir Menschen aus dem Profitstreben herausfinden. Dieses Umdenken findet erst bei einer Minderheit statt und bewirkt noch keine ausreichend breite ethische und spirituelle Transformation.

Frage: Was würde einen spirituell transformierten Menschen ausmachen?

Antwort: Ein spiritueller Mensch hat eine klare Ethik gefunden – innere Wertmaßstäbe, die sein Verhalten bestimmen. Seine höchsten Werte sind seine stärksten Motoren. Er orientiert sich an Qualitäten, die ihm am Herzen liegen, und nicht am äußeren Erfolg. Er versteht, welche Denk- und Sichtweisen zu Leid führen und welche zu Glück.

Diese Herzensqualitäten in Freiheit zu leben, ohne sie durch religiöse und kulturelle Glaubenssätze zu beschneiden, macht für mich einen wirklich spirituellen Menschen aus.

Redlichkeit und spirituelle Erfahrung

Frage: Ethische Werte, moralische Integrität, Lauterkeit – all dies betrachten wir als spirituelle Qualitäten frei von religiösem Kolorit und althergebrachten Lehrmeinungen. Wie sähe eine Spiritualität frei von Zeitepochen und kulturellen Glaubenssätzen aus?

Antwort: Eine völlige Freiheit von kultureller Bedingtheit erscheint kaum möglich, aber Spiritualität kann sich weitgehend aus ihr lösen, wenn sie auf überprüfbare Erfahrungen baut. Dadurch wird sie kulturübergreifend und zeitunabhängig, denn die grundlegenden Erfahrungen der Menschen in verschiedenen Zeiten und Kulturen sind offenbar gar nicht so unterschiedlich.

Wenn wir uns über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg über die eigenen Erfahrungen austauschen, entdecken wir, wie leicht es ist, andere zu verstehen, die ähnliche Erfahrungen machen. Es gibt Unterschiede und viel Gemeinsames; Glaubenssätze werden dabei entbehrlich – wir müssen nichts verteidigen, denn wir sprechen aus direktem Erleben.

Was ist ein wirklich spiritueller Mensch?

Sich unverblümt über spirituelle Erfahrungen auszutauschen, könnte man eine »subjektive Wissenschaft« nennen.

Diese auf totaler spiritueller Redlichkeit beruhende subjektive Wissenschaft könnte eine neue Spiritualität sein, die sich weitgehend von kulturellen Glaubenssätzen löst. Hier stimme ich völlig mit den Beiträgen von Prof. Metzinger zur intellektuellen und spirituellen Redlichkeit überein.

Was Dr. Tilmann Lhündrup Borghardt unter Spiritualität versteht und was diese mit Redlichkeit gemein hat, können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Tradition und Aufklärung

Religionen bieten Methoden, Kodexe und Riten, um ihren Anhängern zu helfen, ein rechtes Leben zu führen. Doch viele Menschen, gerade im Westen, fühlen sich bei dieser Frage von ihrer eigenen Religion nicht ausreichend begleitet und wenden sich zumeist den asiatischen Geistesschulen zu. Dabei stellt sich uns als Menschen der westlichen Zivilisation die Frage, ob wir dem Wertekompass, der uns seit der Neuzeit und der Aufklärung in unserer kulturellen Entwicklung geprägt hat, vollends den Rücken kehren müssen?

Antwort: Viele der asiatischen Geistesschulen tragen ebenfalls den Mantel der Religiosität. Es gibt aber in allen Traditionen aufgeklärte Praktizierende, die eine erfrischend unabhängige, redliche Spiritualität leben. Wie ich die Anregungen dieser Schulen aufnehme, ist meine persönliche Entscheidung. Habe ich die Kraft und den Mut, eine aufgeklärte, neuzeitliche Spiritualität zu leben im Sinne von intellektueller Redlichkeit, unter Einbeziehung aller Erkenntnisse, die uns die Natur- und Geisteswissenschaften zur Verfügung stellen?

Brauche ich unantastbare Vorbilder, die nicht allzu kritisch beleuchtet werden sollen?

Eine ausführliche Beschreibung über die Vereinbarkeit Religiosität und Aufklärung finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Weisheiten aus West und Ost

Frage: Wie lassen sich die jeweiligen geistig-spirituellen Werte des Abendlandes und des Orients unter ein Dach bringen? Woran kann sich eine spirituelle Person unserer Tage anlehnen?

Antwort: Sie kann sich an einen Weisheitsschatz aus Ost und West anlehnen, zu dem alle Traditionen beitragen und der heute in nie gekannter Weise zugänglich ist. Er enthält Berichte über befreiende Erkenntnisse und ein tiefes Wissen um hilfreiche Vorgehensweisen. Entscheidend ist zu schauen, welche Methode wirklich hilft. Dabei müssen wir unserem inneren Piloten folgen und feine Antennen dafür entwickeln, was förderlich ist. Diese Antennen nutzen wir auch, um vertrauenswürdige Lehrer auf dem Weg zu finden, mit deren Hilfe wir einen Teil des Weges gehen und die Methoden testen können, die uns interessieren.

Selbsterforschung und spirituelle Redlichkeit betrachtet der Buddhist Tilmann Lhündrup Borghardt als Grundpfeiler einer ehrlichen spirituellen Praxis. Diese Qualitäten könnten auch das Fundament für eine universelle Spiritualität jenseits von Dogmen sein, die Erkenntnisse aus Ost und West gleichberechtigt integriert.

Was ist ein wirklich spiritueller Mensch?

Frage: Dieser Punkt dürfte für Individuen, die im Rahmen einer Gemeinde, einer Sangha oder in einem Ashram den eigenen spirituellen Weg gehen möchten, von besonderem Interesse sein.

Antwort: Ja, absolut. Spirituell schwache Gemeinschaften sind unfähig, aufrichtige Erkenntnissucher mit ihren Zweifeln, ihrer möglichen Kritik und ihrer Redlichkeit zu integrieren. Sie werden sie vielleicht sogar ausschließen, weil sie nicht in Frage gestellt werden möchten und kein wirkliches Interesse am Einzelnen und an einer Weiterentwicklung als Ganzes haben. Es ist traurig, wenn Gruppen nicht die Offenheit und Toleranz haben, solche Menschen zu unterstützen.

In einer spirituellen Gemeinschaft geht es über die Selbsterforschung hinaus um ein Erforschen von dem, was Allen gut tun könnte. Dann steht der persönliche Befreiungsweg im Dienst der Gesamtheit. Wenn das fehlt, kann eine Gemeinschaft nicht wirklich spirituell genannt werden. Kritisches Forschen reibt sich halt mit dem Wunsch nach Ruhe, Geborgenheit und Stabilität.

Dr. Tilmann Lhündrup Borghardt

Über den Autor

Dr. Tilmann Lhündrup Borghardt schlägt in seinen Vorträgen und Aufsätzen Brücken vom Buddhismus zur westlichen spirituellen Tradition, Philosophie und Psychologie. Als buddhistischer Mönch verbrachte er lange Jahre in strikter meditativer Klausur und veröffentlichte als Übersetzer aus dem Tibetischen zahlreiche klassische buddhistische Texte. Heute führt er seine internationale Lehrtätigkeit fort und lebt mit seiner Frau in Freiburg: www.awakeningtosanity.net

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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