Das Geheimnis des wilden Menschen in uns

Das Geheimnis des wilden Menschen in uns

Gnostisch-christliches Tantra als ›Spiritualität von unten her‹

Autor: Dr. Martin Spiegel
Kategorie: Gnosis / Hermetik
Ausgabe Nr: 83

Der Mensch hat verschiedene Seelenkörper, die untereinander verflochten sind. Besonderes Augenmerk gilt der Körperlichkeit und dem »wilden Menschen in uns« – zwei Aspekte des Menschen, die lange Zeit von den spirituellen Traditionen unterdrückt bzw. sogar verleugnet wurden, aber dennoch für die innere Entwicklung und Freiheit unverzichtbar sind. Für den Autor ist es an der Zeit, uns unseren Seelenanteilen vertrauensvoll zu öffnen, um jenseits von inneren Spannungen und Spaltungen dem Mysterium Leben auf die Spur zu kommen.

Heißt spirituell sein so viel wie ›seelisch‹ sein, also tief sein, im Herzen sein, in Liebe, Mitleid etc.? Oder sprechen wir von ›höheren Bewusstseinszuständen‹ – ›Erleuchtung‹, ›kosmisches Bewusstsein‹, ›unity consciousness‹ oder so? Sprechen wir von Bewusstseinsveränderung oder Seinsveränderung? Für all das wird heute der Begriff Spiritualität benutzt.

Für die einen bedeutet es, anders, besser, ›seelischer‹ im Leben zu stehen, zu meditieren, Yoga zu machen, humanistisch zu sein o. ä. Für die anderen bedeutet es, sich mit ›geistigen Dingen‹ zu beschäftigen, ›spirituelle Bücher‹ zu lesen, von den klassischen religiösen Schriften bis hin zu den modernen Esoterikern (Theosophie, Anthroposophie, Rosenkreuzer etc.).

Aber eben auch nicht nur lesen, sondern irgendwie umsetzen – bis dahin, ein ›Erwachter‹ zu sein, ein ›Eingeweihter‹, ›Erleuchteter‹, ›Heiliger‹, Mystiker, Magier, Medizinmann etc. Oder auch ein ›Befreiter‹, der das Rad von Tod und Wiederverkörperung überwunden hat, befreit von Karma, freigesprochen von Sünde o. ä.!?!

Geht es um Persönlichkeitsveränderung oder Verbesserung? Oder geht es um das Ende der Persönlichkeit, des Egos und die Verwirklichung des Überpersönlichen, Göttlichen in uns?

Noch nie war das Wort spirituell so sehr in aller Munde – gleichzeitig wird aber teilweise sehr wenig hingeschaut, was es denn wirklich bedeutet oder bedeuten kann …

Es gibt dieses wunderbare esoterische Bild des Menschen als eine Pferdekutsche: Die Kutsche ist der ›physische Körper‹; die Deichsel (Kraftüberträger) ist der pranische oder ›Ätherkörper‹, Lebensleib o. ä.; das Pferd ist der ›Begierdenkörper‹, unsere ›Säugetierseele‹, siderischer oder Astralleib, unser ›Gefühlsleben‹; die Zügel sind unser ›Gedankenleben, Mentalkörper, Vernunft‹ o. ä.; der Kutscher ist das ›höhere Selbst‹, die Seele – aber der, der uns sagt, wo es langgehen soll: In der Kutsche ist das (bei den meisten Menschen noch schlafende) Baby als Fahrgast, der »Gott in Windeln« (Mikhail Naïmy)!

Das Geheimnis des Schatten- oder Dämonen-Ichs

So wie die positiven Bewusstseins- oder Seelenräume in unserem Mikrokosmos globale / makrokosmische positive Kraftfelder ernähren (›Engel/ Devas / Götter und Göttinnen‹) und ihrerseits Ableger / Filialen von ihnen sind (= Göttinnen der Liebe, des Friedens, des Mitleids, der Freude – »schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium« – etc.), so ernähren negative Eigenschaften und Verhaltensweisen gleichfalls, wie Gebete, globale / makrokosmische negative Kraftfelder (Dämonen und Dämoninnen) als deren gleichfalls Ableger / Filialen, und werden von ihnen angestachelt, sie zu ernähren, wie die Alten wussten (z. B. durch Massenhysterien der Euphorie, des Fanatismus, der Angst, der Aggression, des religiösen Rausches etc.). So heißen z. B. die drei Gehilfinnen König Maras, des Herrschers der Dämonen im Buddhismus, Tanha: die Gier, Rati: die Lust, Arati: die Unlust / Unzufriedenheit = Gott oder Dämon gewordene Seelenräume ›Satans‹.

»Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit«, singt Wolf Biermann, aber genau das geschieht:
  • Unterdrückung / Verdrängung von Impulsen und Bedürfnissen;
  • Unterdrückung / Verdrängung von Gefühlen des Leidens wie Schmerz, Angst, Entsetzen, Fassungslosigkeit, Aggression / Autoaggression, ›seelischer Selbstmord‹, Hass (›kalt oder glühend‹), Verzweiflung, Traurigkeit, Bitterkeit etc. –
  • mit den Folgen seelischer Empfindungsunfähigkeit, Fühl- und Seelenlosigkeit, Verurteilung anderer, die sich nicht so gut unterdrücken können / ›sich gehen lassen‹ etc.

Wenn Sie mehr über das Wesen des Menschen und seine Anteile erfahren möchten, kön-nen Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Der asketische und der tantrische Weg

Hier finden wir den Unterschied des klassischen ›asketischen‹ Wegs der Körperentsagung oder auch Körperfeindlichkeit zum ganzheitlichen Weg in seinem modernen Verständnis, der in gewisser Weise auch tantrisch genannt werden kann. Das Sanskritwort Tantra = ›Gewebe‹ könnte man dann so übersetzen: »Der Weg über etwas hinaus führt nicht darum herum, sondern durch es hindurch.«

Klassisch ist es immer noch so, dass viele Wege davon ausgehen, dass Sexualität in ›Spiritualität‹ sublimiert werden müsse, um frei werden oder höhere, ›übernatürliche‹ Bewusstseinszustände und -fähigkeiten (Siddhi, sanskrit) erreichen zu können.

Oder muss ich erst durch alles hindurchgegangen sein, sagen können: »Nichts Menschliches ist mir fremd«, um mit dem Körper, der Natur, dem Leben in der Welt abschließen zu können? Oder kann gerade das Körperliche wie im ›Tantra‹ als Methode, als Weg benutzt werden, um ›Göttliches‹ zu realisieren?

Welche Rolle spielt das Körperliche in der Spiritualität, oder welche Rolle kann es spielen?

Heute sagen wir, dass wir auf dem Weg zu Gott oder zu höherem Bewusstsein die Natur https://www.tattva.de/leben-in-ethnobotanischer-verbindung/nicht vernachlässigen dürfen; bis dahin, dass man sagt: Die Natur ist Gott!

Aber die allererste Natur, mit der unsere ›Seele‹ konfrontiert ist, ist unser Körper!

Es ist verständlich, wenn schon das kleine Kind sich vom Körper eingeschränkt fühlt. Es möchte spielen oder abends ewig fernsehen, aber der Körper ist müde.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

»Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert«, sagt der Volksmund, und Jesus in der Bergpredigt: »Widersteht nicht dem Bösen!«

Wenn ich aber im Modus des Loslassens und Annehmens bin, haben gerade die Impulse aus dem Schatten-Ich keine Macht mehr über mich, die ja an meiner Bedürftigkeit annapfen. Und die Impulse aus dem wilden Menschen sind eher noch geeignet, mich in den Körper zu bringen und mein Seelenleben mit Lebenskraft zu unterfüttern.

In der gnostischen Esoterik sagt man: Wenn ich innerlich ruhig werde, alles stehen und liegen lasse; wenn ich alles loslasse und mein Leben, mein Sein ganz in die Hände des Göttlichen Seins lege, also ›gegen den Strom schwimme‹, dann beruhigen sich auch meine Chakras: Die inneren Energie-Turbinen werden still und beginnen sich dann, nach meiner inneren Kehrtwendung oder ›Bekehrung‹, in die rechte Richtung zu drehen.

Auf der einen Seite erkenne ich, dass ich nicht der Macher bin, dass sich die ›Resultante meiner Vektoren‹ = das jeweilige Resultat oder Ergebnis aus dem Gesamt des Gegeneinander und Miteinander meiner inneren Einflüsse und Reaktionen sowieso durchsetzt:

»Der ganze Strudel strebt nach oben, / Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.« (Goethe, Faust I, »Walpurgisnacht«) »Wir leben nicht, wir werden gelebt.« (Jan van Rijckenborgh)

Auf der anderen Seite: Wenn ich loslasse, verändert sich die ›Resultante der Vektoren‹, mein höheres oder wahres Ich, meine Lichtseele, der ›Gott in Windeln‹ erwacht, und die Gewichtung / Konstellation meiner ›Vektoren‹ / Einflüsse verändert sich.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 83 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 8 Seiten).

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Der Autor Dr. Martin Spiegel

Über den Autor

Dr. Martin Spiegel, geb. 1952, Studium der Germanistik, Philosophie und Sinologie an der FU Berlin, M. A. 1977, Dr. phil. 1988. Arbeitet als Lehrer und Dozent in verschiedenen Institutionen, u. a. im Gefängnis Moabit Berlin. 2012 Gründung der AGAPE Lebensschule P 2000. Verheiratet, mehrere Kinder.

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