Die orthogonale Komplementarität

Die orthogonale Komplementarität

Transzendentalphilosophische Begründung der Einheit physikalischer und psychischer Grundbegriffe

Autor: Marcus Schmieke
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 81

Durch die Zusammenschau von Grundbegriffen aus der Psychologie und Quantenphysik wie bewusst-unbewusst und Beobachteter-Beobachtetes gelangt der Autor zu der Erkenntnis ihrer komplementären Einheit. Außerdem werden Theorien aus der Quantenneurobiologie herangezogen, da sie alle trotz unterschiedlicher Begrifflichkeiten und Bilder die gleichen Aspekte der Wirklichkeit beschreiben.

In der Transzendentalphilosophie der Kant-Nachfolger Fichte, Schelling und Hegel konstituiert sich das Ich durch Selbstreflexion als reines Subjekt. Der in der Tradition der Reflexionsphilosophie stehende Sozialphilosoph Johannes Heinrichs betrachtet diesen transzendentalen Vollzug des Bewusstseins als das Subjekt eines aus vier Sinnelementen bestehenden phänomenologischen Modells von Geist, Materie und Ich und Du, das in seiner ontologischen Auslegung zur Triade Geist, Materie und Psyche wird.

Das in dieser Arbeit vorgeschlagene Modell steht ebenfalls in der Denk-Tradition des deutschen Idealismus, der im Bewusstsein als Selbstreflexion den transzendentalen Grund der objektivierten Wirklichkeitsbeschreibung sieht. Aus der hierbei notwendigen Unterscheidung von Reflexion in sich und anderes bzw. in Selbstreflexion und äußere Reflexion wird die Trennung der Wirklichkeitserfahrung in eine objektive äußere Wirklichkeit und innere subjektive Erfahrung abgeleitet. Zum kartesianischen Dualismus einer objektiven res extensa und einer subjektiven res cogitans tritt das transzendentale Subjekt hinzu, wodurch die res cogitans im Reflexionslichte des Subjektvollzuges zum objektivierten Bewusstseinsgehalt der Psyche wird. Die Psyche erfährt die Wirklichkeit in einer Komplementarität materieller und geistiger Inhalte, wobei sich in den beiden komplementären Grenzwerten der materielle Substanzbegriff (Masse) und rein geistige Erkenntnisinhalte wie z. B. mathematische Gesetze als Extreme gegenüberstehen.

Alle konkreten psychischen Gehalte besitzen einander ergänzende materielle und geistige Eigenschaften, was den Begriff der Komplementarität in diesem Zusammenhang rechtfertigt.

Komplementarität wird hier in Analogie zu dem naturwissenschaftlich durch Niels Bohr geprägten Begriff verstanden. Er beschreibt Paare von Begriffen bzw. Eigenschaften, die einander ausschließende Perspektiven auf ein System darstellen, die zur vollständigen Beschreibung jedoch notwendig sind. Sie zeichnen sich hierbei durch in dem jeweiligen Kontext maximal mögliche Inkompatibilität aus. In dieser Arbeit wird Komplementarität sowohl im streng naturwissenschaftlichen quantentheoretischen als auch in diesem analogen Sinn verwendet, da in diesem Begriff ein Schlüssel zur Verbindung physikalischer und psychologischer Erkenntnisse vermutet wird.

Die orthogonale Komplementarität

Reflexionen über Zeit und Bewusstsein

Die wiederholte Selbstreflexion ist der Motor der Interaktion materieller und geistiger Inhalte im psychischen Bewusstsein und tritt dort als empirische Zeit in Erscheinung.

Die empirische Zeit spiegelt sich in materiell-geistigen Prozessen ebenso wider wie in der menschlichen Erfahrung, in deren Mittelpunkt das Jetzt steht. In den klassischen naturwissenschaftlichen Modellen der Newton‘schen Mechanik, der Maxwell‘schen Elektrodynamik und auch der Schrödinger-Gleichung der Quantenphysik findet sich das Jetzt jedoch nicht als ausgezeichnetes Element des an sich linearen Zeitverständnisses. Erst Carl Friedrich von Weizsäcker hat in seiner Begründung der Quantentheorie auf die fundamentale Bedeutung der Zeit als Jetzt-Erfahrung hingewiesen und diesen Begriff an den Anfang seiner Herleitung des Aufbaus der Physik gestellt. Der Begriff des Jetzt leitet sich aus der Unterscheidung zwischen dem Faktischen der Vergangenheit und dem Möglichen der Zukunft und deren dynamischer Umwandlung ineinander im Gegenwartsvollzug des Jetzt ab.

Die Quantentheorie hat sich seit ca. 100 Jahren als die Grundlage fast aller naturwissenschaftlicher Theorien etabliert. Sie bedarf der Unterteilung der Wirklichkeit in den durch die klassische Physik in faktischen Begriffen zu beschreibenden Beobachter und das beobachtete System, das mithilfe der Schrödinger-Gleichung als eine Überlagerung von Möglichkeiten durch die Wellenfunktion beschrieben wird. Erst in der dem Jetzt entsprechenden Beobachtung findet die Wechselwirkung zwischen dem Beobachter und dem beobachteten System statt, wodurch beide in einen verschränkten Zustand übergehen, der durch eine gemeinsame Wellenfunktion beschrieben werden muss. Dieser stellt eine Überlagerung von Möglichkeiten dar, die dann im Moment der Beobachtung in einen einzigen eindeutigen faktischen Zustand übergehen (Reduktion der Wellenfunktion), der dann mit den Begriffen der klassischen Physik beschrieben werden kann. Die Aufteilung der einen Wirklichkeit in einen Beobachter und ein beobachtetes System wird als Heisenberg-Schnitt bezeichnet. Dieser Schnitt spiegelt den Descarte‘schen Schnitt ebenso wider wie die Relation zwischen dem transzendentalen Subjekt und dem empirischen Bewusstsein.

Erst das faktische Ergebnis einer Beobachtung ist als Bewusstseinsinhalt geeignet und wird damit zum bewussten Gehalt der Psyche.

Die Überlagerung von Möglichkeiten der Wellenfunktion und ihre dynamische zeitliche Entwicklung gemäß der Schrödinger-Gleichung stellen keine bewusstseinsfähigen Inhalte dar, da sie keine Eindeutigkeit und Klarheit besitzen.

Lesen Sie im vollständigen Artikel, wie die Quantentheorie zur Beschreibung der Wirklichkeit eingesetzt werden kann.

Das zentrale vierwertige Feld des Selbstbewusstseins wird auf der Geist-Materie-Achse von zwei weiteren dreiwertigen Feldern flankiert, die jeweils entweder in Richtung des geistigen oder materiellen Pols verschoben sind. Dies stellt eine Verschiebung auf der räumlichen Achse dar, die in unterschiedlichen räumlichen Manifestationen des Bewusstseins resultieren könnte, auf ähnliche Weise wie das Verschieben auf der zeitlichen Achse zu eher zukunfts- oder vergangenheitsbezogenen Bewusstseinsformen führt.

Eine Verschiebung der Überlappung bewusster und unbewusster Aspekte der Psyche in Richtung Materie im Materie-Psyche-Feld könnte eher organische ungeordnete räumliche Strukturen des Bewusstseins erzeugen, wie sie im vegetativen Nervensystem des Bauchhirns des Menschen zu finden sind. Ist das Bewusstseinszentrum jedoch in Richtung des Geistigen verschoben wie im Geist-Psyche-Feld, so könnten stärker hierarchisch strukturierte Formen wie die des zentralen Nervensystems entstehen. In den Begriffen des Schweizer Psychotherapeuten Remo Roth wäre das Materie-Psyche-Feld dem Eros-Bewusstsein zugeordnet, das vom vegetativen Bauchhirn getragen wird, das sich netzwerkförmig im Körper ausbreitet, während das Geist-Psyche-Feld dem Logos Bewusstsein des hierarchisch strukturierten zentralen Nervensystems entspricht. Denken und Intuition führen demnach ins Logos-Bewusstsein und aus dem Körper heraus, während Empfinden und Fühlen introvertiert verbunden in den Körper hineinführen. Erst in ihrer komplementären Zusammenführung führen diese beiden Spielarten der menschlichen Psyche zu einem vollständigen Bewusstsein.

Unser Autor Marcus Schmieke

Über den Autor

Marcus Schmieke, geboren 1966 in Oldenburg, studierte Physik und Philosophie in Hannover und Heidelberg. Er lebte zwölf Jahre als Mönch in einer vedischen Tradition. Auf dieser Grundlage verfasste er mehr als 20 Bücher und entwickelte das TimeWaver System für Informationsfeldmedizin. 1994 Mitgründung der Tattva Viveka.

www.timewaver.de

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie, wie das Bewusstsein durch die orthogonale Komplementarität erfasst werden kann und welcher Bedeutung der Zeit und Raum Achse beigemessen wird

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