Tattva Viveka 79

Tattva Viveka 79

Schwerpunkt: Liebe und Philosophie

Die Artikel der Ausgabe:

Was hat Liebe mit Philosophie zu tun?

Zunächst einmal nichts, möchte man meinen. Natürlich kann sich die Philosophie mit der Liebe beschäftigen und sie philosophisch untersuchen. Das ist aber keine Liebe. Und umgekehrt betrachtet wäre die Frage: Ist Liebe philosophisch? Auch das verneint der gesunde Menschenverstand spontan. Liebe ist ein Gefühl, eine spontane Herzensregung und kein Denken.

Liebe ist nicht logisch, sie ist anti-logisch. Aus Liebe heraus tun wir Dinge, obwohl sie unvernünftig sind. Gibt es also einen Widerspruch zwischen Liebe und Vernunft/Philosophie?

Ich denke, das Entscheidende ist hier die Frage der Definition. Welchen Begriff von Vernunft haben wir? Was verstehen wir unter Liebe? Ein enger zweckrationaler Begriff von Vernunft wird sicherlich eine Verbindung mit der Liebe ausschließen. Ein rein emotionales oder sentimentales Verständnis der Liebe würde genauso jede Verbindung zu einer philosophischen Überlegung verbieten.

Interessanterweise bin ich vor einiger Zeit zu der Erkenntnis gelangt, dass das Wort ›Tattva‹ in unserem Namen für die Liebe und das Wort ›Viveka‹ für Erkenntnis steht. Tattva in Sanskrit heißt übersetzt soviel wie Soheit. Tattva meint die innere Wahrheit einer Sache, ihre Beschaffenheit, ihre Qualitäten. Im Sanskrit heißt das Lebewesen jiva, und alles, was man über die Lebewesen wissen muss, nennt man jiva-tattva. Der Name Gottes heißt im Sanskrit nama, dessen Wissenschaft nama-tattva usw.

Warum soll dann tattva an und für sich für Liebe stehen? Weil die Liebe die höchste Soheit ist und alle Erkenntnis hervorbringt. Sie ist der philosophischste Begriff überhaupt, und sie ist auch die philosophischste Praxis. Nicht umsonst hat unser Wort ›Philosophie‹ diesen Namen bekommen. Er kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Liebe (philia) zur Weisheit (sophia). Nur mit dem liebenden Blick können wir die Dinge sehen. Es braucht immer diese Offenheit, Bereitschaft und Hingabe, um die Dinge und vor allem auch die anderen Lebewesen, insbesondere die anderen Menschen zu erkennen. Ohne Liebe sehen wir den anderen nicht. Dann begreifen wir ihn als Objekt unserer Begierde, aber nicht als das, was er ist. Nur durch Liebe können wir das tattva einer Sache erkennen, und wenn wir uns auf die Suche nach dem umfassendsten, tiefsten und elementarsten tattva überhaupt begeben, landen wir bei der Liebe. Die Liebe ist das, was uns alle bewegt und was die Welt im Innersten zusammenhält. Sie ist das Bindemittel, der Zwischenraum zwischen den Dingen und zwischen den Wesen. Sie ist die objektive Basis unserer Seele. Die Erkenntnis braucht die Liebe, aber die Liebe braucht die Erkenntnis nicht. Deswegen steht im Namen unserer Zeitschrift die Liebe an erster Stelle. Dennoch lassen wir die Erkenntnis, viveka, nicht weg, denn unter der Führung der Liebe erblüht sie zu ihrer wahren Kraft und schmückt die Liebe mit der Bewusstheit. Liebe möchte nicht allein sein, sondern sich verbinden. So bewahrheitet sich, was die Liebe verkündet: Wahrheit gibt es nur zu zweit.

Liebe ist Weisheit. Sie verbindet die Welten – Wissenschaft und Spiritualität.

Ronald Engert

In diesem Sinne wünsche ich erhellende Lektüre,
Ronald Engert

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