Von der Hochsensibilität zur Quantenphysik

Von der Hochsensibilität zur Quantenphysik

Die Entdeckung einer neuen Menschenart

Autor: Birgit Trappmann
Kategorie: Psychologie
Ausgabe Nr: 75

Die Autorin untersuchte die Hochsensibilität viele Jahre wissenschaftlich und bringt sie mit zwei unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen in Verbindung, der analytisch-seriellen und der holistischen. Sie unterscheidet zwei Menschentypen, die Sensoriker und die Sensitiven, die so fundamental verschieden sind wie Mann und Frau. Die Psychologie tut sich schwer mit dem Phänomen, da sie – verglichen mit anderen Wissenschaften – noch sehr jung ist. Quantenphysik, als reife Frucht am Baum der Physik, kann hier integrativ wirken und Intuition und Spiritualität als reale Faktoren auch zur Beschreibung der Hochsensibilität plausibel machen.

Als ich vor etwa 15 Jahren anfing, mich mit Hochsensitivität (auch: Hochsensibilität) zu beschäftigen, darüber zu forschen und zu publizieren, gab es im gesamten deutschsprachigen Raum nur eine Handvoll Mitstreiter, denn das Thema war neu und nahezu unbekannt. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass dies zu meiner Lebensaufgabe werden würde, genauso wenig wie ich ahnen konnte, dass einmal ein regelrechter Hype um Hochsensitivität entstehen würde.

Ursprünglich war ich auf der Suche nach Erklärungen, warum manche hochbegabte Kinder in der Schule ihr Potenzial nicht zeigen konnten und fand bei meinen Recherchen einen Fachartikel von Elaine Aron aus dem Jahr 1997 mit dem Titel Sensory Processing Sensitivity and its Relation to Introversion and Emotionality, in dem die Psychologin gemeinsam mit ihrem Mann erstmalig ihre Forschungen zur Sensitivität für sensorische Verarbeitungsprozesse vorstellte.

Ihre Studien beschäftigten sich mit Menschen, die empfindsamer als die überwiegende Mehrheit waren und Reize intensiver wahrnahmen sowie diese auch anders verarbeiteten.

Dies war für mich eine Art Schlüsselerlebnis und eröffnete mir eine neue Sichtweise, denn Aron und Aron brachen damit eine Lanze für eine Minderheit, die in der Vergangenheit oftmals missverstanden und zu Unrecht als ängstlich, schüchtern, gehemmt, leicht erregbar oder neurotisch pathologisiert wurde. Sie identifizierten Hochsensitivität als normales Persönlichkeitsmerkmal, das fundamental zu verstehen ist und bei 15 bis 20 % einer Population vorkommt.

Grundsätzlich lässt sich Hochsensitivität auf vier Indikatoren reduzieren, die als zentral gelten. Diese sind:

  • Gründliche Informationsverarbeitung
  • Übererregbarkeit
  • Emotionale Intensität
  • Sensorische Empfindlichkeit

Introversion und Extroversion

Die Mehrheit aller HSM (ca. 70 %) ist introvertiert, d. h. sie bekommt Energie durch das Alleinsein und den Rückzug von der Welt.

Introvertierte verlieren Energie durch den Kontakt mit Menschen und meine Erfahrungswerte zeigen, dass ein Zeitfenster von zwei Stunden meist noch bewältigt werden kann, auch wenn der Akku sich dann schon spürbar geleert hat.

Ganz anders verhält es sich jedoch bei extrovertierten HSM (ca. 30 %), denn sie bekommen Energie durch den Kontakt mit Menschen und ihr Akku lädt sich in Gegenwart anderer auf, während sie durch das Alleinsein Energie verlieren

Der extrovertierte Typus neigt dazu, sich zu überfordern, da einerseits das Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Reflexion besteht und andererseits Verlangen nach Kontakt und Stimulation durch soziale Situationen notwendig ist.

Von der Hochsensibilität zur Quantenphysik

Diese Sensitiven profitieren enorm durch Kenntnis ihres Wesenszuges und in der Folge durch sorgfältiges Abwägen der jeweiligen Bedürfnisse, um beiden Anteilen gerecht zu werden.

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass populärwissenschaftliche Publikationen und Ratgeberbücher zur Hochsensitivität weltweit denjenigen Menschen helfen und aus der Seele sprechen, die sich schon immer anders als die anderen gefühlt haben und Elaine Aron gilt großer Dank für ihre bahnbrechende Arbeit. Zum ersten Mal in der Geschichte bekommen sensitive Menschen Rückendeckung für ihr Anders-Sein und haben Gelegenheit, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und mit ihresgleichen in den Austausch zu gehen.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf (9Seiten), das unten bestellt werden kann.

Der Unterschied im Wahrnehmungs- und Denkstil

In der weiteren Auseinandersetzung stieß ich auf einen fundmentalen Unterschied im Wahrnehmungs- und Denkstil von uns Menschen, der entweder als analytisch-sequenziell oder als holistisch bezeichnet wird.

Ein analytischer Wahrnehmungsstil trennt zwischen (scheinbar) Wichtigem und Unwichtigem und filtert durch die Steuerung der Aufmerksamkeit auf ein zentrales Objekt einen großen Teil an Umweltinformationen heraus. Anders ausgedrückt hat das Gehirn die grundsätzliche Funktionsweise, sich auf ein hervortretendes Objekt zu konzentrieren. Ins Bewusstsein dringen klare Informationen Stück für Stück, daher die treffende Bezeichnung analytisch-sequenziell, und dies ist auch die Art und Weise, wie unser Verstandesbewusstsein arbeitet. Dieser Stil ist kennzeichnend für die Mehrheit aller Kinder und Erwachsenen in der westlichen Welt, denn wir denken hauptsächlich in Kategorien bzw. Schemata, richten unsere Aufmerksamkeit auf ein primäres Objekt und nutzen Regeln sowie formale Logik. Die Kehrseite an dieser Art von Wahrnehmung ist allerdings, dass wir die Welt recht reduziert wahrnehmen und vieles, was uns umgibt, schlichtweg ausblenden, denn es erreicht uns einfach nicht. Wir nehmen die Welt nicht so wahr, wie sie an sich in ihrer Fülle ist.

Ein holistischer Wahrnehmungsstil lenkt demgegenüber die Aufmerksamkeit auf die Umgebung, also den Kontext. Daher werden vergleichsweise mehr Umweltinformationen aufgenommen. Eine scharfe Trennung von Wichtigem und Unwichtigem findet zunächst nicht statt. Das Gehirn hat die Tendenz, zu de-fokussieren bzw. zu de-konzentrieren und die Informationen werden in einer Art vorbewusstem, intuitivem oder bildhaftem Wissen wahrgenommen. Erst in einem zweiten Schritt können bei Ruhe und Reflexion die einzelnen Daten in ihrer Klarheit abgerufen werden.

Der holistische Wahrnehmungs- und Denkstil ist für die westliche Welt untypisch, für den östlichen Kulturkreis jedoch nicht.

Asiaten denken weniger in Kategorien und mithilfe formaler Logik, sondern schenken vielmehr der gesamten Situation ihre Aufmerksamkeit. (Nisbett, Peng, Choi und Norenzayan, 2001; Choi, Koo & Choi, 2007).

Mit diesem Ansatz vermutete ich, dass hochsensitive Menschen einen holistischen Wahrnehmungs- und Denkstil aufweisen, der mit einer Dominanz der rechten Gehirnhälfte in Zusammenhang gebracht werden kann. Bei dem sogenannten Hemisphärenmodell werden unterschiedliche Prozesse im Gehirn der rechten und linken Hälfte zugeordnet und als Lateralisation bezeichnet. Dieses Modell hat zwar keine konkrete Entsprechung im Gehirn, es ist jedoch sehr anschaulich und brauchbar in der Verbindung zwischen Psychologie und Neurologie und der Darstellung von Hochsensitivität.

Lesen Sie im vollständigen Artikel mehr über die Wahrnehmungsweise und neuronale Veranlagung von Hochsensitiven, bestellbar am Ende dieses Beitrags! 🙂

Von der Hochsensibilität zur Quantenphysik

Wäre es möglich, alle großen Zusammenführungen und Prinzipien der Physik als Vorlage für die Psychologie zu nehmen? Wäre dieser Weg nicht geradezu notwendig? Gäbe es dann eine Energie für die materielle Seite und eine Energie für die Seite der Psyche? Sollte ich den Versuch einer Definition wagen?

Ich war schier überwältigt von dem Gedanken, der Psychologie eine eigene Energieform zu geben und sie damit zum Leben zu erwecken, aber immer wieder zweifelte ich auch an mir. Ich fragte mich, ob ich womöglich an irgendeiner Stelle gedanklich falsch abgebogen war, denn plötzlich war ich Lichtjahre von meinem Vorhaben entfernt, Weiterbildungen zum Thema Hochsensitivität zu erarbeiten.

Mir war durchaus bewusst, dass ich mit dem Teufel tanzte, aber ich war nicht in der Lage, Schopenhauer noch einmal loszulassen und so vertraute ich mit den Jahren meinem Ansatz. Ich definierte psychische Energie nach Schopenhauer mit Ur-Liebe als Willen zum Leben mal Bewusstsein in seinen vier Ausgestaltungen des Satzes vom Grunde und nach dieser Sichtweise wäre Masse für die Seite der Physik und Wille für die Seite der Psychologie äquivalent sowie auch Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat und Bewusstsein, um ein prägnantes Beispiel zu nennen.

Schopenhauers Wille zum Leben als Lebensenergie oder psychische Energie wäre zwar mit unseren Emotionen gekoppelt, aber prinzipiell unabhängig vom Bewusstsein vorhanden bzw. aktiv. Jedes Tier und jede Pflanze hätte psychische Energie, deren Urgrund ich als Liebe verstand.

Eines Tages, nachdem wir Herr der Winde, der Wellen, der Gezeiten und der Schwerkraft geworden sind, werden wir uns die Kräfte der Liebe nutzbar machen. Dann wird die Menschheit, zum zweiten Mal in der Weltgeschichte, das Feuer entdeckt haben.
-TEILHARD DE CHARDIN-

Die Autorin Birgit Trappmann

Über die Autorin

Birgit Trappmann (M. A.), geboren 1963 am Niederrhein. Studierte Verhaltenswissenschaften (Psychologie), Recht, Politikwissenschaft und Philosophie. Sie leitet das Institut für Hochsensitivität & Hochbegabung www.trappmann-korr.de und das Portal der Stille www.silencer-online.com. Die Autorin lebt und arbeitet in Deutschland und Südspanien und setzt sich besonders dafür ein, sensitive Ressourcen für Schule und Arbeitswelt zu entwickeln.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über den ungeahnten Zusammenhang zwischen Hochsensitivität, Pschologie und Physik. Lesen Sie die vollständige Fassung in der Tattva Viveka 75 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € (Pdf, 9 Seiten).

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1Kommentar
  • Susanna Belloni
    Veröffentlicht um 09:02h, 11 Juni Antworten

    Hallo Birgit!
    Ich identifiziere mich hier sehr mit diesen Beschreibungen. Allerdings habe ich eine Anmerkung zur der obigen Definition von „holistisch“ als quasi undurschschaubar oder ungreifbar. Ich sehe auch das Holistische durchaus analytisch, nämlich ganz einfach durch Fraktale erklärbar, also ein Spiegel von klein in gross und umgekehrt.
    Ganz liebe Grüsse,
    Susanna

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