Wirksamkeit der Rituellen Trance nach Felicitas Goodman

Wirksamkeit der Rituellen Trance nach Felicitas Goodman

Ein Forschungsbericht

Die Rituelle Trance nach Felicitas Goodman, die mit uralten Körperhaltungen, die den Praktizierenden in den Zustand der Trance führen können, arbeitet, wurde bisher kaum wissenschaftlich erforscht. Im folgenden Beitrag stellt die Autorin, die u. a. Tranceforscherin und Gesundheitswissenschaftlerin ist, die Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchungen vor, die überraschende Einblicke in die Wirksamkeit der Körperhaltungen hinsichtlich der psychischen Gesundheit bieten.

Als ich mich entschloss, die Psychotherapie-Ausbildung zu machen, kamen für mich zwei Richtungen infrage: Logotherapie / Existenzanalyse und personenzentrierte Psychotherapie. Ich begann beide Ausbildungen und führte sie ein Jahr parallel. Als ich dann vom Leiter der Logotherapie und Existenzanalyse-Ausbildung zu einer Entscheidung gebeten wurde, fiel diese ganz klar für den personen- bzw. klientenzentrierten Ansatz Carl Rogers‘ aus. Carl Rogers kommt aus der Praxis, ich auch. Er ist offen für alles, was einer Person dienlich ist, ich auch. Und diese Offenheit hat mich zur Trance gebracht.

Als ich vor ungefähr 25 Jahren mit den Rituellen Körperhaltungen in Kontakt kam, dachte ich nicht, dass sie mich so lange begleiten würden. Damals lud mich Hermine Brzobohaty-Theuer, eine Psychotherapeutin-Kollegin und von Felicitas Goodman ausgebildete Tranceleiterin, in ihre Trancegruppe ein, und ich machte meine ersten persönlichen Erfahrungen.

Die Teilnehmenden der ersten Trancejahresgruppe waren nicht ganz mein Fall. Zu eso- und fantasiereich erschienen sie mir als Naturwissenschaftlerin. Ihre farbenfrohen Tranceerlebnisschilderungen konnte ich nicht teilen und insgeheim belächelte ich sie. Die Trancehaltungen selbst waren körperlich meist eine Herausforderung.

Warum ich dennoch durchhielt?

Im Laufe der Zeit eröffnete sich auch mir eine bunte, neue Welt, die mich völlig in ihren Bann zog, zumal ich mich nach jeder Trance wohl und bereichert fühlte.

Aber wie wirkte sie? Was stand da dahinter? Als ich mich 2003 dazu entschied, Gesundheitswissenschaften zu studieren, stellte ich die Trance in den Mittelpunkt meiner Untersuchungen. Genauer gesagt, die Rituelle Trance nach Felicitas Goodman, die neben der Psychotherapie eine weitere Möglichkeit ist, Menschen etwas anzubieten, das sie in ihrer Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit unterstützt.

Rituelle Körperhaltungen

Felicitas Goodman, inspiriert durch die Vorlesungen von Erika Bourguignon über Religionssysteme nichtwestlicher Gesellschaften, widmete ihre Arbeit der »religiösen« oder »ekstatischen« Trance und stellte dabei fest:

»… in Trance zu fallen ist eine angeborene Fähigkeit, ein Teil unseres Erbgutes, genauso wie die Fähigkeit zu gehen oder zu schlafen.«
(Goodman 1994: 48)

Sie machte 1977 eine überraschende Entdeckung: Die Körperhaltungen, die uns in Form von Abbildungen auf Felswänden, Tontöpfen und meist kleinen, solitären Statuen aus der Kunst längst vergangener Kulturen erhalten geblieben sind, haben rituellen Charakter (Goodman 2000: 36). Ohne die uns meist unbekannte Kultur kennen und übernehmen zu müssen, kann in Begleitung rhythmischer Anregung visionäres Erleben erfahren werden. Goodman stellte sich die Frage, was die Quelle dieser Erlebnisse sein könnte. Sie führte Haltungen mit Personen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen durch und konnte beeindruckende Übereinstimmungen feststellen, die nicht aus der Kultur der einzelnen Person stammten, sondern offensichtlich mit der jeweiligen Haltung zusammenhingen. Seit der Wiederentdeckung durch Felicitas Goodman werden die Körperhaltungen, von denen es rund 80 gibt, erforscht. Heilen im schamanischen Sinn bedeutet, das Gleichgewicht und die Ganzheit wiederzugewinnen und zu erhalten. So gibt es neben dem körperlichen Aspekt einer Erkrankung auch noch den emotionalen und spirituellen Aspekt (Hunger 2005). »Ein Heilritual führt häufig zu tiefgreifenden Veränderungen in der Seele und dem damit eng verbundenen Immunsystem – eine gute Voraussetzung zur Mobilisierung der eigenen Heilkräfte, zur Gesundung des ganzen Menschen.« (Goodman & Nauwald 1998: 82).

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Empirische Untersuchungen

Im Zuge ihrer Masterthesis 2004/05 verfasste die Autorin eine Pilotstudie, die zum Ziel hatte, den Zusammenhang zwischen einer tranceinduzierten Methode und dem Kohärenzgefühl als zentralen Aspekt der Salutogenese zu untersuchen (Antonovsky 1997). Dafür wurden zehn Ritualsitzungen mit standardisiertem Verlauf durchgeführt. Vor der ersten und nach der letzten Sitzung wurde der Fragebogen zum Kohärenzgefühl (engl. Sense of Coherence, SOC) nach Antonovsky (Singer & Brähler 2007) vorgegeben. Nach Antonovsky (1979) stellt der SOC (das Kohärenzgefühl) eine globale Orientierung dar, die das Ausmaß des Vertrauens ausdrückt, dass die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Zunahme im Gesamtwert des Kohärenzgefühls (Scheutz et al. 2013).

Die Teilnehmenden nannten unter anderem positive Veränderungen im Selbstwertgefühl, Steigerung des Vertrauens in die eigene Kraft, Verstärkung des körperlichen Wohlbefindens und der Entspannungsfähigkeit sowie eine allgemeine Steigerung der Lebensqualität. Die Ausübung der Rituellen Körperhaltungen zeigt eindeutig eine positive Auswirkung auf die »manageability«, also das Gefühl der Handhabbarkeit des Alltags. So berichtete eine Teilnehmerin:

»Grundsätzlich fühle ich mich ruhiger und angekommener in diesem Leben – hier und jetzt. Einige Haltungen hatten aber auch einen energetischen und aktivierenden Effekt; z. B., dass ich plötzlich die Kraft hatte, gewisse Dinge zu tun oder Entscheidungen zu treffen, was ich vorher nicht getan habe, aber genauso gut tun hätte können.

Ich bin durch dieses ›Wieder-in-Verbindung-treten-mit-dem-Universellen‹ viel zuversichtlicher und fröhlicher und lebenshungriger geworden.

Ich mag mich selbst viel lieber. Ich habe ein neues Gefühl der Liebe entwickelt. Zu mir selbst und zu anderen Personen und Wesenheiten.«

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Zusammenfassend konnte die Trancebehandlung nach Goodman eine deutliche Reduktion der aktuellen Angst, eine Verbesserung der Befindlichkeit und eine Zunahme der Selbstwirksamkeit bewirken.

Durch die Behandlung mittels Ritueller Körperhaltungen sank die Zustandsangst deutlich. Eine günstige Beeinflussung in die richtige Richtung zeigte sich auch bei der Befindlichkeit und tendenziell beim generalisierten Selbstkonzept. Bei den Ergebnissen der vorliegenden Studie zeigte sich ein deutlicher Behandlungseffekt bei der Befindlichkeit. Durch die facettenreichen Erlebnisse während der Trance werden auf körperlicher und seelischer Ebene Bedürfnisse erfüllt, die den Selbstwert steigern und das Gefühl geben, ein Abenteuer bewältigt zu haben.

Eine positive Befindlichkeit trägt zur seelischen Gesundheit bei. Grawe (1998) versteht seelische Gesundheit als Ergebnis einer labilen Balance zwischen Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten einer Person einerseits und den Möglichkeiten ihrer Befriedigung unter den gegebenen Bedingungen andererseits. Für Fuchs und Schlicht (2010) sind die Kriterien seelischer Gesundheit Lebenszufriedenheit, psychisches und soziales Wohlbefinden sowie Selbstwertgefühl.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die uralten Rituellen Körperhaltungen und ihre Geheimnisse.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 84 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 9 Seiten).

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Drin phil. Andrea Scheutz / Mag. Michael Funovich TV84 (PDF)

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Zu den Autor*innen

Maga. rer. nat., Drin phil. Andrea Scheutz, MSc, MEd ist Biologin, Psychotherapeutin, Gesundheitswissenschaftlerin, Trainerin und Tranceforscherin. Als Leiterin der Bildungseinrichtung »scatach« bringt sie die Natur den Menschen und den Menschen sich selbst näher.

Mag. Michael Funovich hat einen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Er ist Reisender zwischen den Welten und lehrt Taiji Quan und Qigong.

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